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Dienstag, 28. Juli 2015

Spinnkram

"Spinner" - S!NEDi|photography




Ganz schön versponnen, dieser Spinner ..., das ist zumeist eine überwiegend abwertende Bewertung für einen vielleicht etwas verhuschten Zeitgenossen.

Obwohl dieses "verhuscht" ja auch selbst etwas unscharf daherkommt: Ich kann mich mit einem Gegenüber nicht sofort in dessen Gedankenspiele einklinken, er sagt etwas, was mir nicht eingeht, was ich nicht mit meinen Wertigkeiten und meinem Denkschemata kompatibel bekomme, ich kann seine Denke mit meiner Denke nicht kalibrieren, nicht in Einklang bringen ..: Ja - dann muss der etwas "verhuscht" sein, nicht etwa ich ...

Es ist eigentlich erstaunlich, warum wohl sprachlich und begrifflich gerade die präzisesten Baumeister in der Natur, die Spinnen, diesem etwas wirr verhuschten, subjektiv undurchsichtig Empfundenen, ihren "Spinn"-Namen verleihen.

"Die spinnen, die Römer!" Mit diesem Ausspruch bringt deshalb Obelix sein Unverständnis über die Taten der römischen Legionäre zum Ausdruck - und jeder Leser weiß, was da bei "Asterix" gemeint ist ...

Dabei ist das oft wunderschöne Fangnetz einer Spinne eigentlich raffiniert und relativ klar strukturiert so aufgehängt, das möglichst viele fressbare Insekten und Minitierchen es anfliegen und aufsuchen, um sich dann darin an den klebrigen Fäden zu verfangen, und um dann von der lauernden Spinne verspeist zu werden, die durch den Zug der beteiligten Gewebefäden in ihrem Lauerstands-"Nest" sofort vermittelt bekommt, wo - in welchem Punkt des konstruierten Netz-Koordinatensystems sich die vermeintliche Beute befindet.

Dieses Spinnennetz-Koordinaten-System ist so genial überzeugend konstruiert, dass es bestimmt im Sinne der Bionik Pate stand für das Gradnetz der Erde, mit seinen Breiten- und Längengraden, das wie ein Spinnennetz um den Globus gelegt ist - also das diametrale Gegenteil von verhuscht und unpräzise ...

Der Begriff "Spinnen" wird aber auch benutzt, wenn es darum geht, mit dem Spinnrad neue Fäden zu quirlen: beim Verspinnen werden lose Fasern durch gleichzeitiges Verdrehen und Auseinanderziehen zu einem Faden verarbeitet.

Also auch etwas, was man von diesen Natur-"Drahtziehern", den Spinnen, gelernt hat: Fäden zu spinnen ...

Und dieses "Fädenspinnen" war dann auch der Ausgangspunkt zu den "Spinnstuben": Die Spinnstuben waren in den Wintermonaten Treffpunkte der unverheirateten Frauen. Üblicherweise traf sich ein Mädchenjahrgang, um für seine Aussteuer zu spinnen und andere Handarbeiten zu verrichten. Die gemeinsame Arbeit diente nicht nur der Geselligkeit; auf diese Weise konnte sowohl das noch nicht elektrisch verfügbare Licht in Form von Kienspänen, Kerzen oder Öllampen wie auch Heiz- und Feuerholz durch die gemeinschaftliche Nutzung gespart werden weshalb die Spinnstuben auch "Lichtstuben" genannt wurden. Die Spinnstube wird abwechselnd auf dem einen oder anderen Hof abgehalten, die Frauen und Mädchen spinnen, die Burschen machen Musik, oder es werden Volkslieder gesungen, Hexen- und Gespenstergeschichten erzählt und allerlei Kurzweil dabei getrieben. Die Spinnstuben dienten nicht nur dem Broterwerb, sondern waren Nachrichtenbörsen und kritisches Forum sowie Ort für jugendliche Kultur mit ihren ersten sexuellen Erkundungen des anderen Geschlechts und feuchtfröhliche Ausgelassenheit (aus WIKIPEDIA).

Und hierin schließt sich dann der Kreis, warum das "Verhuschte" und auch irgendwie Geheimnisvolle "spinnerig" ist: Die vielen Geschichten, Gerüchte und Falschmeldungen, die gesponnen wurden in der Spinnstube, die Prahlereien, die Gespenstergeschichten, die ein näheres Zusammenrücken der Geschlechter bewirkten und den Beschützerinstinkt weckten: Hier ist wohl der Ursprung der Namensgebung "Spinner" zu suchen - eine archaische NSA sozusagen ...

Und die Gebrüder Grimm fanden in diesen Spinnstuben ihre Märchen und Lieder und studierten die begriffliche und gesprochene Sprache in ihren umfangreichen Wörterbüchern ...

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Lore Hummel - 100. Geburtstag

Lore Hummel, geb. Guske (* 28. Juli 1915 in Karlsruhe; † 6. November 1997 in Neustadt an der Donau) war eine deutsche Kunstdesignerin, Bilder-/Kinderbuchautorin und -illustratorin.

Lore Hummel - Foto: beltz.de
1923 übersiedelte ihre Familie nach Nürnberg. Dort ging sie auch zur Schule und gründete eine Familie. Lore Hummel, die schon als Kind gern und gut gemalt hatte, studierte Kunst zuerst in Nürnberg und nahm ab 1950 privaten Zeichenunterricht bei Prof. Wolfgang Felten in München. Bedingt durch die Wirren des Krieges hatte es die Künstlerin nach Altmannstein verschlagen, wo 1939 ihr Sohn, der berühmte Pianist und Komponist Franz Hummel geboren wurde.

Rotkäppchen-Umschlagbild von Lore Hummel
Seit Ende der 1950er Jahre illustrierte und schrieb die inzwischen geschiedene Künstlerin (u.a. für den 1948 gegründeten Engelbert Dessart Verlag) zahlreiche Bücher für Kinder und wurde eine der bekanntesten Kinderbuchkünstlerinnen Deutschlands. Ihre fantasievollen Tier-, Elfen- und Zwergenreiche, in die eigene Kindheitsträume eingewoben sind, haben Eingang in viele Kinderzimmer gefunden. Lore Hummel illustrierte ca. 100 Bilder-/Kinderbücher, darunter Erzählungen, Märchen, Gebetbücher, Weihnachts- und Osterbücher und vor allem Wichtel-/Zwergengeschichten (vermutlich inspiriert durch die Werke von Ernst Kreidolf und Fritz Baumgarten). Darüber hinaus hat sie zahlreiche Sammelbände mit Liedern, Gedichten und Märchen herausgegeben und gezeichnet sowie Postkarten und Adventskalender (u.a. im 1951 gegründeten Adolf Korch Verlag) gestaltet. Von ihr stammen auch die Entwürfe zu den sogenannten Porzellan Lore-Figuren.

Im Marktmuseum in Altmannstein befindet sich eine Vitrine mit Porzellanfiguren, Originalzeichnungen sowie einigen Bilder-/Kinderbüchern der Künstlerin. WIKIPEDIA