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Freitag, 31. Juli 2015

Verlust der Menschlichkeit: Ahmed Saber auf der NordArt 2015

Ahmed Saber: Der Mythos vom Verlust der Menschlichkeit, 2014, Zeichnung, Farbtinte, Kohlestift, 200x300 cm












أحمد صابر عبد الظاهرحمدهللا

Ahmed Saber | Ägypten
Der Mythos vom Verlust der Menschlichkeit 2014
Zeichnung, Farbtinte, Kohlestift, 200x300 cm
The myth of the loss of human, 2014, drawing, color inks, charcoal pencils, 200x300 cm


Der Künstler Ahmed Saber
"Im Jahr 2009 habe ich meinen Abschluss an der Fakultät der Schönen Künste der South Valley Universität in Luxor erworben und habe im grafischen Bereich der Abteilung Drucktechnik und Design studiert. Technisch verwende ich gerne trockene Materialien wie feste Pastellkreide und Bleistiftkohle, aber auch Aquarell und Tinte. In meiner Arbeit folge ich dem Stil von Giorgio de Chirico und Carlo Carrà, ihrem metaphysischen Weg der Kunst. Gerne benutze ich legendäre Symbole und metaphysische Objekte in meinen Arbeiten; es gibt viele Details darin zu entdecken ... sie sind gleichsam überfüllt mit Objekten."
NordArt Rendsburg-Büdelsdorf, 2015


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Heute möchte ich Ihnen dieses Werk des Künstlers Ahmed Saber aus Ägypten vorstellen, das ich in Rendsburg-Büdelsdorf auf der dortigen NordArt 2015 entdeckte - und das mich gleich in seinen Bann zog ...

Dieses monumentale Werk mit dem Titel "Der Mythos vom Verlust der Menschlichkeit" beherbergt einige Kapitel von Bildergeschichten und antiken aber auch zeitgenössischen Mythen und Symbolen - mit einer Fülle von geheimnisvollen Anspielungen - fast wie einem modernen Tarot-Kartendeck entsprungen - und Szenen, sowohl aus der alt-ägyptischen Kultur, wo hier jedoch zumeist zerbrochene Pharaonen-Figuren als zerbröselte Trümmerstücke zuhauf zu finden sind und die Reste alter Pyramiden-Tore - links steht schnaubend und angepflockt ein eindrucksvoller Stier, als Kultfigur in einem archeähnlichen Segelschiff gestrandet, was am Bug durch eine besondere siegel- oder ordenähnliche Medaille geziert ist - der Stier steht vielleicht für den Wettergott Hadad oder den ägyptischen Apis-Stier, aber auch das Gilgamesch-Epos kennt einen Himmelsstier - und sogar der jüdisch-christliche Gott JHWH wurde in Urzeiten als Stierbild dargestellt - und das alles steht dann in einer Fülle von Anspielungen auch mit typisch christlichen Motiven: der Fisch als ältestes bekanntes Jesus-Symbol überhaupt hängt da oder fällt da wie ein Riesenluftschiff am oder aus dem umgekippten wässerigen Himmel - und rechts beherrscht die sogenannte Pietà, die "Schmerzensmutter" die Szene: Maria trägt den Leichnam ihres Sohnes auf dem Schoß und einen bunten Fisch als baumelndes Amulett an der Halskette - tja - und vieles mehr - man kann gar nicht alles aufzählen: eine wahre Überfüllung mit Objekten und Symbolbedeutungen, wie Ahmed Saber das ja selbst für seine Werke beschreibt.

Diese ganze Fülle scheint auf einer Müllhalde platziert zu sein, zwischen vielen alten Autoreifen, im Hintergrund teilweise mit Plastikplanen abgedeckt - und dazwischen streunen recht munter viele viele Katzen aller Altersklassen ...

Fast scheint es mir so, als wolle Ahmed Saber diesen Tod Jesu, gekennzeichnet durch seinen Leichnam in der Pietà auf dem Schoß der Maria, symbolisch mit diesem von ihm apostrophierten "Verlust der Menschlichkeit" ausdrücken: und die alten eigentlich längst überwundenen Göttersymbole fallen aus all den Himmeln, die sich die Kulturen der Menschheit erdacht haben - und brechen entzwei oder sind wie der gestrandete Stier fest an- oder aufgepflockt - und dies alles füllt mit seinen Trümmern und Hinterlassenschaften die Müllhalden dieser Erde, wo sie auf unseren zeitgenössischen Wohlstandsmüll treffen, um dann vielleicht einstmals mit den alten Autoreifen vom Schrottplatz endgültig entsorgt zu werden oder in Rauch aufzugehen ...

Der Fisch, der da als eine Art Luftschiff am umgekehrten Tiefsee-Himmel platziert ist und über dem Ganzen wie festgezurrt vor Anker liegt, zeigt mir nicht unbedingt seine Himmelfahrts-Hoffnung an, der Fisch scheint mir eher eine aufgehängte Rettungsinsel zu sein, z.B. für die unbekleideten Grazien, die sicherlich im nächsten Moment an den Seilen zu ihm hochklettern werden, um dann wie der biblische Jona in diesem Fisch selbst Platz zu nehmen - um geborgen und gerettet zu werden - hoffentlich werden dann diese Frauen auch in einer besseren Gegend zur rechten Zeit an einem sicheren Ufer vom Rettungsfisch wie in der Jona-Geschichte wieder ausgespien ... 



Detailansichten:

der "Luftschiff-Fisch" ...

Die Kultfigur des Stieres auf einem  gestrandeten irgendwie archeähnlichen Segelschiff - mitten im Müll


Die tätowierten Grazien, die auf die Rettung durch das Luftschiff warten inmitten der antiken Trümmern und der streunenden Katzen

Das Motiv der Pietá - der "Schmerzensmutter". Maria rettet den Leichnam des Sohnes vor der Entsorgung mit den alten Autoreifen und der letzten Ruhe auf einem Schrottplatz - umhegt von einer Fülle streunender Katzen - und vor einem antiken Toiletten-Thron ...


Zum guten Schluss noch einmal das Gesamt-Epos von Ahmed Saber

Der Mythos vom Verlust der Menschlichkeit, 2014, Zeichnung, Farbtinte, Kohlestift, 200x300 cm