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Donnerstag, 10. September 2015

Willkommenskultur - Multikulti - Leitkultur


"Willkommenskultur"- die britische Zeitung "Guardian" meint, dieses Wort könnte ein über die Grenzen Deutschlands feststehender internationaler Begriff werden - auch im Englischen - wie z.B. das Wort "Kindergarten" oder "Sommermärchen" ... Deutschland kreiert also quasi über Nacht einen neuen Begriff in diese "Weltkultur" hinein - und doch muss ich mich ja als Autor eines "Culture"-Blogs fragen, welche "Kultur", "Leitkultur" ist hier denn eigentlich immer gemeint - und wird hier andauernd - besonders von den Integrationsgegnern - ins Feld geführt. 

Dabei führt die Kultur in diesem Lande ja eher ein schon lang anhaltendes Nischendasein ... - und die Politiker kürzen den Kulturetat für Chöre, Musik und Theater und z.B. dem Filmschaffen immer zuerst ... - oft genug mit dem Argument: "...weil das ja nicht direkt lebenswichtig" sei... Und die Museen und das Kunstschaffen werden immer mehr vom Sponsorentum finanzkräftiger Stifter abhängig, die damit eben Werbung betreiben, indem sie ihr Logo irgendwohin in Kunstwerknähe platzieren - wie beim Fußball auf Spielertrikot und Bandenwerbung - und damit in erster Linie einen Haufen Steuern einsparen, indem man diese "guten Taten" als Sonderausgaben absetzt in der Steuererklärung - doch Kultur verkommt damit zu einer Ware für ein finanzkräftiges Klientel und wird damit dem liberalen Neo-Kapitalismus in Reinkultur unterworfen - und hat dem "Volk der Dichter & Denker" nichts Hehres und Epochales mehr anzubieten - ist also käuflich und biedert sich an und prostituiert sich. Und ich weiß nur, dass z.B. meine Tageszeitung in Bielefeld die große allgemeine Kultur- und Medien-Nachrichtenseite ziemlich oft jeweils ganz weit nach hinten platziert ... - manchmal sogar direkt noch gerade vor den Todes- und Familienanzeigen aber deutlich nach allen Lokalseiten und der Lokalen Kultur und allen werbemäßig aufgeplusterten "Sonderthemen" - wahrscheinlich weil das von der Lesefrequenz her und dem damit zusammenhängenden Millimeterpreis für Werbeanzeigen so einzuordnen ist - vielleicht sagen aber die Macher auch, dann müsste eben der interessierte Leser auch wirklich bis hinten durchblättern ... - und für diese Klientel würde dann mit der Kultur-Seite eben weiter hinten ein Highlight geschaffen - und noch vor dem sehr beliebten Sportteil - auch in der Wochenzeitung DIE ZEIT ist das Feuilleton ziemlich weit hinten angesiedelt - aber alle reden jetzt von der Bewahrung "kultureller Werte", die durch den Zuzug von asylsuchenden Menschen gefährdet sein ...

"Kultur bewahren" vor "Überfremdung" - gemeint ist dann oft, das "christliche Abendland" zu schützen vor den zu großen Einflüssen aus dem "Islam" - vor allen Dingen hat man Ängste vor dessen radikalen Randstrukturen ...

Werte des "Christlichen Abendlandes"
Aber ebenso, wie das "Christliche" in diesem Abendland inzwischen auch man insgesamt sehr dünne daherkommt durch Kirchenaustritte und dem wochenlangen Streit im Dortmunder Stadtrat, ob einem Evangelischen Kirchentag dort ein Zuschuss gewährt wird ... - und dieses "Christliche" bzw. auch inzwischen wieder "Jüdische" sich zumeist aus unüberbrückbaren Schismen und Spaltungen über die Jahrhunderte hinweg wie ein vielfältiges Puzzle zusammensetzt - unter all den "glaubenden Schwestern und Brüdern" - aufgeteilt in "Katholisch" (Orthodox und Römisch) und "Evangelisch" - und das Letztere wiederum in "Lutherisch" und "Reformiert" und "Unioniert" und "Freikirchlich" und "Baptistisch" - und in weiteren Glaubensgemeinschaften aufgespalten ist, die von den anderen Kirchen dann als "Sekten" bezeichnet werden (Zeugen Jehovas etwa, Mormonen, Scientology, Bhagwan u.a.m.) - und weitere andere internationale zumeist asiatische Strömungen: Konfuzianismus, Buddhismus, Hinduismus, Daoismus, Shintoismus - aber auch Voodoo aus Afrika bzw. Südamerika ... - und nicht zuletzt das "Jüdische", das sich auch aufteilt in "Liberale" und "Orthodoxe" Strömungen ...

Als Angela Merkel jüngst in der Schweiz auf einem Podium saß (Link anclicken - so gut und schlagfertig habe ich Angela Merkel für mich äußerst selten erlebt ... Hut ab ;-)), stellte ihr eine Zuhörerin eine provokante Frage: Was die Kanzlerin denn tun wolle, um Europa vor einer zunehmenden Islamisierung zu schützen. Merkels Antwort war bemerkenswert: Sie mache niemandem einen Vorwurf, der sich zum islamischen Glauben bekenne, sagte Merkel. Aber - die Christen könnten sich ebenso engagiert zeigen. "Haben wir doch auch den Mut zu sagen, dass wir Christen sind."

Wer sich um die Kultur des Abendlandes sorge, der solle sich um diese Kultur auch kümmern, sagte Merkel. Nicht selten sei es bei ihren Landsleuten "mit der Kenntnis über das christliche Abendland nicht so weit her. Und sich dann anschließend zu beklagen, dass Muslime sich im Koran besser auskennen, das finde ich irgendwie komisch." ...
"Und insofern finde ich diese Debatte sehr defensiv, gegen terroristische Gefahren muss man sich wappnen. Und ansonsten ist die europäische Geschichte so reich an so dramatischen und gruseligen Auseinandersetzungen, dass wir sehr vorsichtig sein sollten, uns sofort zu beklagen, wenn woanders was Schlimmes passiert. Wir müssen angehen dagegen, müssen versuchen, das zu bekämpfen, aber wir haben überhaupt keinen Grund zu größerem Hochmut, muss ich sagen. Das sag ich jetzt als deutsche Bundeskanzlerin."

Wohlgemerkt: Merkel vertritt dabei auch die deutschen Interessen. Deutschland bekennt sich jetzt zu seiner Identität als Einwanderungsland - und verhält sich darum gerade nicht als "Hippie-Staat, der nur von Gefühlen geleitet wird", wie der britische Politikwissenschaftler Anthony Glees gerade befand.

In diese Diskussion schaltete sich jetzt die ehemalige hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann ein. "Ich muss bei den besorgten Mitbürgern immer ein wenig lächeln", sagte die 57-Jährige der "Hamburger Morgenpost". "Ich sage denen gern: Gehen Sie sonntags in die Kirchen, dann müssen Sie keine Angst vor vollen Moscheen haben." 

Und gut frequentierte christliche Gotteshäuser werden nicht veräußert an andere Glaubensgemeinschaften - wie das schon in diesen unseren Landen ja "mangels Masse" geschehen musste ... Im Osten dieses Landes hat man ja am meisten Angst vor "muslimische Überfremdung" - und genau dort sollte man am Sonntagmorgen mal in die Kirchen schauen, wenn denn überhaupt an jedem Sonntag dort noch flächendeckend ein Gottesdienst abgehalten wird ... - aber die leeren christlichen Kirchen und die Kirchenaustritte haben nichts mit "muslimischer Überfremdung" und "vollen Moscheen" zu tun ...

"Wir müssen draußen bleiben" ...

Der wichtige kulturelle Baustein "Sprache" ist in Deutschland mit Anglizismen zumindest "europäischen" Ausmaßes durchsetzt, durch Internet und Handel und Wandel mit der Welt ...
Eine deutsche Schriftform, wie die Fraktur, Gotik und das Sütterlin wurde schon nach dem Weltkrieg quasi "abgeschafft", weil sie zu sehr mit dem NS-Brauchtum assoziiert wurden, obwohl sich auch Hitler von den angeblichen "Juden-Lettern" der gotischen Schwabacher Schrift längst distanziert hatte - und im "Aufbau einer neuen Welt" viele altdeutsche Kultur-"...-Ismen" als zu "alt-romantisch" abgeschafft hatte - und heutzutage ist die zeitgenössische Kunst eines Georg Baselitz oder Gerhard Richter oder sogar bei Anselm Kiefer eigentlich international gefragter denn je - aber nicht mit einer "typisch deutsch" zu bezeichnenden "Leitkultur" behaftet, die meisten Kunstwerke könnten zum Beispiel auch von Amerikanern oder anderen Europäern - oder auch von Asiaten stammen, denn die meisten bekannteren Künstler werden sowieso international und multikulturell ausgebildet und begegnen sich auf internationalen Ausstellungs-Parketts ...: die systemisch-philosophische Metapher des "Flügelschlages eines Schmetterlings in Brasilien, der vielleicht einen Tornado in Texas oder anderswo auslösen kann", beschreibt die dynamische Verbundenheit und die globalen und auch kulturellen Phänomene untereinander allerorten: Die Welt ist ein globales durch und durch visualisiertes Dorf geworden - und noch weiß man nicht, ob sie dabei "verzwergt" und "versimpelt" - also schrumpft und verschlankt - oder weiter "overperformed" werden muss, damit die Anzahl der benötigten Verknüpfungspunkte Schritt halten kann ...

Und durch das Fallen des Eisernen Vorhangs und der Wiedervereinigung und dem Zusammenwachsen der zwei deutschen Staaten - sowie dem Zuzug vieler russlanddeutscher Menschen (zumeist der Glaubensrichtung der Mennoniten angehörend ...) - der bundesdeutschen Integration von insgesamt fast 20 Millionen Menschen aus unterschiedlichsten Regionen und unterschiedlichsten politischen Systemen aus Ost und West, die manchmal nur noch allenfalls vielleicht biologisch vor ein paar längst verflossenen Generationen eine wage Verwandtschaft aufweisen - fragt man sich doch vielleicht als ein guter Moslem, vielleicht als Schiit oder als Sunnit, was denn diese deutsche "Leitkultur" eigentlich nun sei ... - diese Leitkultur im "christlichen Abendland" - auf die man sich verpflichten soll ...

Auch wenn Frau Merkel das noch vor ein paar Jahren nicht wahrhaben wollte: Aber Deutschland und Mitteleuropa sind längst im Multikulti angekommen ...
  
Thilo Sarrazin meint allerdings dazu, das alles was er in seinem auch heute noch äußerst umstrittenen Buch "Deutschland schafft sich ab" prognostiziert habe, nun auch eintreffe, nur noch ein paar Grade radikaler ... Und er sagt auch: "Überall in der Welt haben sich Zivilisationen und Kulturen, die materiell fortgeschritten waren, gegenüber ungeregelter Einwanderung geschützt" , und das könne seinetwegen auch ruhig "mit Mauern und Stacheldraht" passieren (Interview in der ZEIT v. 10.09.2015)...

Was ist also deutsche oder europäische Leitkultur, die es nun besonders zu schützen bzw. weiter zu vermitteln gilt ... Sarrazin und Konsorten malen da einen Popanz an die Wand, der vielleicht abends noch bei den Lagerfeuern in den Flüchtlingscamps an der Wand zu den Ruhehallen tanzt ... - und wenn das Feuer gelöscht ist, ist auch dieses Trugbild weg ...

Was ist hier vor wem unüberbrückbar zu schützen ... ??? Ich meine, "kulturelle Werte" sind inzwischen globale Übereinkünfte: der Chinese Ai Weiwei zum Beispiel soll als Gastprofessor Kunst in Berlin lehren - und in der Mittagspause nehmen sich viele europäische Menschen, auch Christen, eine kurze Auszeit zur "Zen-Meditation" - und Deutsche (Ureinwohner und Zugezogene) essen italienische Pizza und mexikanische Tapas und argentinische Steaks und trinken arabischen Tee - alles Alltag auf einem bundesdeutschen Einkaufs-Boulevard ... Und die vielen Bundesliga-Spieler, die sich nach jedem Tor bekreuzigen, ob schwarzer oder weißer Hautfarbe - oder Gelb oder Braun ... und der deutsche Nationalspieler und Weltmeister namens Mesut Özil und der österreichische Nationalspieler namens David Alaba, der Angestellter beim bayerischen Mia-san-Mia-Verein ist - um mal nur zwei Namen zu nennen in diesem Zusammenhang - und die "internationalen" Musik-Festivals in Nah und Fern: das sind globale und multinationale Phänomene - und in den ägyptischen oder palästinensischen Charts kann auch schon mal ein Song aus den USA landen ... - Was meinen die also, mit "Leitkultur" ... und was wird hier "überfremdet" ...  - wo eine rein deutsche Seele doch schon früh Louis Armstrong und Josephine Baker zu verkraften hatte ...

"Es liegt allerdings eine paradoxe, düstere Ironie darin, dass die Kriege, mit denen die westliche Politik den Nahen Osten verwüstet, oder die Armut, für die sie in Afrika verantwortlich ist, dazu beitragen, den großen demografischen Hunger des alten Europas zu stillen. Die Völkerwanderung, die wir brauchen, lösen wir selber aus," meint Jakob Augstein in seiner SPIEGEL-Kolumne ...


Ja - wir benötigen dringend diese Völkerwanderungen, die wir mit unserem Verhalten und unserem Handel & Wandel unfreiwillig selbst losgetreten haben: In Deutschland leben heute rund 45 Millionen erwerbsfähige Menschen, und schon 2050 - in 35 Jahren also - werden es ohne Zuwanderung nur noch 29 Millionen sein.

Eine Gratwanderung zwischen Anpassung und Eigenständigkeit wird hier natürlich wie in jedem Einwanderungsland zu leben sein - aber es kann immer wieder jede Seite von der anderen positiv partizipieren ... - wir müssen es alle wollen ... - und wir müssen sagen: Ja, Deutschland ist Einwanderungsland - und jetzt ist eine weit gefasste Inklusionsdenke und Inklusionspraxis vonnöten ... - Herzlichen Glückwunsch ... S!


Eine neue Werbekampagne vom italienischen Mode- und Parfumlabel DOLCE & GABBANA namens #DGFAMILY: Sie stellen - vielleicht typisch italienisch - eine Großfamilie mit allen mitzudenkenden sozialen Verstrickungen untereinander und im laufenden Miteinander in den Mittelpunkt - aber man achte besonders auch auf das, was bei dieser für Werbezwecke vor der Kamera kreierten Familie herausgestellt wird und "rüberkommen" soll - was jeweils den Unterschied macht: nämlich dieser offensichtliche MULTIKULTI-Effekt ... - die Werbung schreitet der Wirklichkeit voran ... - die typische gedachte Großfamilie ist in €uropa ein Leben in Vielfalt ... - S!