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Montag, 12. Oktober 2015

stolpersteine & kirchtürme: gott wohnt nicht in mauern | impuls für die woche ...



"Aber der Allerhöchste wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind, wie der Prophet spricht: ´Der Himmel ist mein Thron und die Erde ist der Schemel meiner Füße; was wollt ihr mir denn für ein Haus bauen`, spricht der HERR,´oder was ist die Stätte meiner Ruhe? Hat nicht meine Hand das alles gemacht?` Ihr Halsstarrigen, mit verstocktem Herzen und tauben Ohren, ihr widerstrebt allezeit dem Heiligen Geist, wie eure Väter, so auch ihr ..." (Apostelgeschichte 7, 48-51).

Gott wohnt natürlich im "Himmel" - dieses Bild aus Kindertagen hat sich tief eingebrannt in meine Seele. So tief, dass es selbst dann noch seine Wirkkraft behielt, als mir Gott eine Zeitlang verloren gegangen schien. Da schien mir vor allem der Himmel leer zu sein, wenn ich an Gott dachte. Und ich spürte und fühlte, Gott wohnt auf alle Fälle nicht in den steinernen Mauern der oft nach Mottenkugeln oder "Weihrauch" und Räucherstäbchen vor sich hin dumpfenden Kirchengebäude oder sonstigen vorgesehenen Andachtsstätten! Wo man ihn oft genug versucht zu zähmen - einzusperren - einzukerkern - wo man nicht direkt mit ihm - sondern nach bestimmten Regeln über ihn reden will - vor einer Handvoll Zuhörern - und wo manche ihn längst beerdigt und entsorgt haben - und von wo er manchmal noch zur genehmen Stunde mit seiner Glocke einen Laut geben darf ... - wenn nicht angeblich genervte in ihrer Ruhe gestörte Anlieger gegen dieses Glockenläuten per einstweiliger Verfügung längst zu Felde gezogen sind ... 

Erst als ich also neu über die Gottesfrage nachzudenken begann, wurde mir bewusst, dass auf der Erde etwas fehlt, wenn Gott uns abhanden kommt - und wenn wir ihn da oder dort irgendwo verorten wollen ... 
Wobei ich gar nicht gezielt nach Gott gesucht habe, ich bin nur immer wieder über ihn "gestolpert" - und habe mich gefragt, was lässt mich da anecken und stolpern?

Gunter Demnigs Stolpersteine
Gott wohnt nicht in den Kirchen aus Stein - ich kann ihm plötzlich unmittelbar und überall begegnen - ja - über ihn geradezu "stolpern" - es ist mit ihm wie bei diesen "Stolpersteinen" - den kleinen mit einem Messingblättchen belegten Steinen mit eingravierten Namen und den knappen Schicksals-Angaben, die der Künstler Gunter Demnig für die Opfer des Nationalsozialismus auf die Straßen vor deren letztem Wohnumfeld legt: Da soll auch ein Innehalten - und ein Innewerden - auf ein Leid - auf ein Opfer - auf einen Mord hinweisen - und etwas in uns in Gang setzen - anstößig sein - Anstoß nehmen - um angestoßen zu werden ...

Und genauso war und ist das auch mit der Gottessuche außerhalb der steinernen Kirchen: Häufig war da mehr an den Orten und in den Dingen als nur ihre äußere Erscheinung - wie beim "Umfall"-Kettenspiel mit den Dominosteinen wurde da eine Abfolge von Assoziationen und Gedankengängen ausgelöst ... - vielleicht auch ein Zwiegespräch ...
So habe ich begonnen genauer hinzuschauen, Verbindungen zu knüpfen, Hintergründe zu erfragen. Ich bin auf Spurensuche gegangen. Auf die Suche nach "Örtlichkeiten" und Anlässen, an denen an diesem Gott Anstoß zu nehmen ist.

Anders nun als manche erweckte Christen kann ich nicht vollmundig über Gott sprechen und mich öffentlich nach allen Regeln der Kunst "bekennen"... Eigentlich kann ich nur hier - in dem "Stillen Kämmerlein" unter dem Schutz der "Anonymität der Massen" und der ja ganz zufällig ausgelösten gerade stattfindenden anstolpernden Ansprache an Dich - liebe Leserin/lieber Leser - in dem relativ indirekten und nicht sozial unmittelbar "kontrollierten" Raum dieses Blogs und in einem nur scheinbar so total "sozial" aufgeblähten Netzwerk wie dem "World-Wide-Web" ab und zu davon erzählen, von diesem Innehalten, Staunen, Nachsinnen, Ahnen, von diesem Berührtwerden und Anstoßnehmen  - nicht mehr und nicht weniger... - ich fürchte eher: andernfalls - in "real life" - würde vielleicht meine direkte Umwelt an mir Anstoß nehmen - und sich zu sehr ablenken lassen ... 

S!NEDi|photography: die kirche brennt ...



Auf diesem Foto (oben) nun - unbearbeitet und kaum mit Photoshop befiltert - von meinem Minibalkon aus direkt zur Kirche geknipst - kurz vor dem an sich alltäglichen Sonnenuntergang, wobei die Sonne direkt über dem Kirchturm noch einmal innehält - wie wenn sie über diesen Kirchturm in ihrem Lauf auch stolpert - bevor sie "Gute Nacht" sagt: Ein kleines symbolträchtiges Naturschauspiel - hier eine kleine Mini-Andacht auslösend - ein "Stolpern" über eine kurze Stolper-Symbolik, die im geschäftigen Treiben kaum wahrgenommen werden kann - aber auch wieder einmal der bildgewordene Beweis: Der Allerhöchste wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind ... - vielleicht geleitet er auch die Flüchtlinge auf der Schiene (Bild unten) ...


... vielleicht ist auch gott hier irgendwo auf der zugschiene der flüchtlinge 


Text modifiziert aus einem Gemeindeblatt