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Mittwoch, 2. Dezember 2015

Syrien-Kriegseinsatz - ein gefundenes gedicht dazu ...

Kriegskarte für den Bundeswehr-Einsatz gegen den IS: "Man bekämpft sich gegenseitig ein bisschen lustlos und streitet sich über Nist-, Brut- und Weideplätze" ...









Über die Grenzen des Lebens

Die Evolution jedoch stagniert. 
Die Bewegungsmöglichkeiten der Lebewesen 
sind natürlichen Beschränkungen unterworfen. 
Sie können die wenigen Formen 
nur untereinander austauschen und vervollkommnen. 
Danach tritt Langeweile ein. 
Man bekämpft sich gegenseitig 
ein bisschen lustlos 
und streitet sich über Nist-, Brut- und Weideplätze. 
Mehr hat das Leben kaum zu bieten. 


Es geht nicht um Evolution im Leben, sondern allein um Vertrautheit.




Dann erfindet sich, 
quasi als letzte schillernde Blüte, 
das Denken und mit ihm die großen Themen, 
die das Denken beschäftigen sollen. 
Am Abend läuft Derrick 
auf einem in die obere Zimmerecke 
des Schankraums gestellten Fernseher. 
Es geht nicht um Evolution im Leben, 
sondern allein um Vertrautheit. 
Bewegung ist nur sinnvoll 
als Bewegung hin zum Vertrauten. 
Alles andere ist Unsinn.

Frank Witzel


aus: Frank Witzel
Die Erfindung der Roten Armee Fraktion 
durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969 
Matthes & Seitz 2015
Ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis 2015
S. 212 - (kursive Hervorhebungen und Vers-Zeilenanordnungen durch S! ...)


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Also - ich kann diesen Witzel-Roman von der "Erfindung ..." nicht "in einem Stück weglesen" - ich muss ihn immer mal wieder aus der Hand legen oder weiterswitchen - je nach Darbietungsmedium - und stehenlassen und liegenlassen und sackenlassen ...


Da wird ja auf über 800 S. ein Kaleidoskop von Zeitgeschichte, Fiktion, Traum & Wirklichkeit, Kindheitserinnerung & Wahn ausgebreitet, ein Kaleidoskop, das es in sich hat ... in hervorragenden temporeichem, wechselhaften Stil, in der Patchwork-Technik unserer Zeit - und fast alle 5-6 Zeilen sind für sich genommen immer ein Stück moderner aber durchaus durchkomponierter aussagekräftiger Lyrik - so wie hier oben - dieses von mir entdeckte Gedicht "Über die Grenzen des Lebens" ..., wie ich es denn betitelt habe ...

Also - mit meinem zumeist aus laienhaftem Literatur-Habitus heraus gespeisten literarischen Halbwissen muss sich dieser Witzel-Roman ernsthaft sogar vor einem Vergleich mit Goethes Faust nicht scheuen - nur eben anders ... - und nicht wegen "Kassemachen" mal so dahingeworfen ... - sondern ein ur-deutsches und doch multikultiträchtiges Werk, das hoffentlich "bleiben" wird ...

"Bewegung ist nur sinnvoll 
als Bewegung hin zum Vertrauten."

"Du bist zwar untrainiert - aber innerlich und auch äußerlich beweglich - bewahre dir das", sagte mal eine Bewegungs-Gestalttherapeutin in einer Ausbildungssequenz zu mir ... - Bewegung ist ja nicht das "Immer höher - immer schneller - immer weiter - immer spektakulärer" - das man heutzutage als "Sport" bezeichnet - und um das man "Olympische Spiele" veranstaltet - aber eigentlich sind das doch Zirkusnummern, ist das Artistik...: Das Stadion ist die Arena - und die Zuschauer sitzen rundherum oder zu Haus am TV auf den Rängen - und haben dafür je nach Komfort bezahlt ... 

Bewegung - das sind vielleicht die kaulquappenähnlichen Schwimmzüge des Kleinstembryos im Fruchtwasser ... - das sind die uralt in und mit der Ewigkeit verankerten Bewegungsmuster, deren wir uns im "real life" wieder bedienen lernen und "wie von selbst" erinnern oder "habhaft werden" - mit denen wir "vertraut" sind - und die uns eintauchen lassen in dieses urige Meer, was gefüllt ist mit dieser Ursuppe aus Liebe, Sicherheit und Geborgenheit - wenn Sie verstehen was ich meine ...

Also - chuat choan - wird schon wieder - S!