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Dienstag, 15. Dezember 2015

multikulti-getöse - geistesblitze



ohne kommentar - foto: dpa
wir werden die gewinner von multikulti sein 

kultureller pluralismus wird in uropa einzug halten, und das ist auch gut so 
unter diesem motto veröffentlichte bereits im februar 2015 alan posener in der "welt" einen kommentar zu "multikulti", der aspekteweise hier mit in meine stellungnahme eingeflossen ist - zur merkelschen abermaligen "multikulti-geißelung" - gestern auf dem parteitag der cdu abgegeben - und da war nämlich nicht alles gold was glänzt ...

ach ja - was war das doch für eine tolle rede von mutti merkel an all ihre braven oder widerspenstigen kinder auf dem cdu-parteitag gestern: geschlagene 9 minuten wurde anschließend geklatscht ... toll - wie sie das diesmal wieder gemacht hat - und dabei ist sie ja gar nicht die redezeit-überschreitungs-kanzlerin ... 

und ich hab sie ja auch schon über den grünen klee gelobt, als nun auch die "time" sie zur "person des jahres 2015" erhob und sie mit einem leidlich gelungenen porträt auf der titelseite entsprechend würdigte ...

und doch gibt es da ein eigenartiges ächzen & stöhnen im gebälk, das sich die gelernte naturwissenschaftlerin immer mal wieder gönnt - und womit sie hoffentlich nur die hardliner in cdu und csu um des guten stimmergebnis willen umgarnen wollte - sie redet da wieder einmal so ein unausgegorenes zeugs: "wer bei uns schutz sucht, muss unsere gesetze und traditionen achten und er muss deutsch lernen", sagt die kanzlerin - und fügt dann allen ernstes hinzu: "multikulti führt in parallelgesellschaften und: multikulti bleibt damit eine lebenslüge."

ähhh - wie denn jetzt ... ??? auf der einen seite ruft sie im sinne des wohl gerade deshalb geschassten alt-bundespräsidenten wulff aus: "der islam gehört zu deutschland" ... - und sie weist in der rede gestern weise darauf hin, deutschland müsse ein weltoffenes und vielfältiges land bleiben..."es kommen keine menschenmassen, sondern es kommen einzelne menschen zu uns", betonte sie - also einzelne menschen, die entweder christen oder muslime, sunniten oder schiiten, kurden, türken oder araber sind ... - wovon jede volksgruppe ihre traditionen mitbringen wird, ihre musik, ihre tänze, ihre literatur, ihre kunst, ihren tee und ihre speisen ... - die - und das gehört auch zu einem "offenen land" - ihre sitten hier weiterleben wollen - und solange deutsche bzw. "uropäische" gesetze davon nicht berührt werden -  das auch - hergottnochmal und ingottesnamen und inschallah - tun sollen ...

fünfeinhalb jahre ist es inzwischen her, da angela merkel schon einmal festgestellt hat: "der Ansatz für multikulti ist gescheitert. absolut gescheitert." ... 

dass multikulti gescheitert sei, sagte sie auf dem deutschlandtag der jungen union damals; und dass "der islam zu deutschland" gehöre, beim treffen mit dem türkischen außenminister kurze zeit später ... doch diese beiden aussagen stehen unvereinbar nebeneinander, wie auch jetzt ihre appelle, jeden einzelnen flüchtling mit seinem einzelschicksal zu sehen - und gleichzeitig auszurufen: multikulti führe in parallelgesellschaften und multikulti bleibe damit eine lebenslüge ... die muslime bringen ja nicht bloß ihr jeweils eigenes credo mit - nein - die religionen bilden den kern einer eigenen kultur...

ja - und wie ist das mit uropa und den abgeordneten in brüssel: für mich ist das doch ein zusammengewürfeltes multikulti-parlament ... - jedenfalls wenn multikulturalismus eine "lebenslüge" bleibt, muss sich dieses parlament ganz rasch wieder auflösen - und die u muss sich wieder auflösen - so - wie es ja verschiedene osteuropäische staaten bereits andeuten in ihrem tun: die vorteile einsacken - aber die pflichten - z.b. die aufnahme von flüchtlingen - großzügig vernachlässigen ... - ja da spricht man ganz offiziell und quasi als entschuldigung von "mentalitäts-problemen" zwischen den mitgliedsstaaten: das ist dann doch "multikulti" in "rein-kultur" [sic!] - wenn man das im wahrsten sinne des wortes auch so formulieren darf ...

wer heute mit offenen augen durch deutschland geht, wird feststellen, dass deutschland bereits bis in die letzten winkel multikulturell geprägt ist, bis in die kleinststädte hinein: die moscheen in den vorstädtischen industrieparks und auf den ausgewiesenen gewerbeflächen ... - wenn da im sommer mitten im staub draußen gebetet wird - auf knien und in den typischen unterwürfigen körperhaltungen: und da ist gott bzw. allah mitten im leben anwesend - im alltag - oft genug in unscheinbaren gebäuden - oft in ehemaligen gaststuben oder hallenbetrieben - und ist nicht nur der christlich-abendländische sonntags-gott in gotischen prachtbauten mit glockengeläut und weihrauch und weihwasser und bach-orgel und trompetenklang ...  wir können das gut oder schlecht finden - und man kann den multikulturalismus als chance begreifen oder als gefahr sehen – oder als beides...

was ist denn die deutsche kultur bzw. die uropäische kultur heutzutage: wir erleben ein multikulturelles urbanes durcheinanderleben in berlin wie in paris, in madrid wie in athen und rom - was in dieser immer gleichen fülle fast schon wieder eintönig wird ... ich schaue jeden sonntag im tv-sender "arte" (multikultureller koop-sender zwischen frankreich und deutschland - und das seit 25 jahren ...) mit viel anregungen und mit viel gewinn z.b. die multikulti-kultursendungen mit dem titel "metropolis", die uns einen eindruck vermitteln können von der bereits bestehenden vielfalts-kultur im herzen europas ... - ein europa , dass sich ja vom nordkap bis zur nordgrenze der sahara erstreckt und von island bis in die türkei ... - und schon ohne die jetzt ankommenden flüchtlinge ein fruchtbarer schmelztiegel multikulturellen lebens bildet ... - angela merkel selbst jettet ja von hauptstadt zu hauptstadt und von kontinent zu kontinent ... - ist das etwa kein "multikulti" ... ??? 

und doch werden gleichzeitig mit dem aufblühen der kulturellen vielfalt durch die neoliberalen global operierenden großkonzerne und die überall gleichen handelsmarken und verkaufsketten die individuellen ausfransungen aber auch wieder eingeebnet: "wie gewonnen - so zerronnen" ... denn wenn man z.b. über die bahnhofstraße in bielefeld läuft oder den einkaufsstraßen größerer uropäischer städte, muss man sich oftmals erst "theoretisch" vergewissern, wo man sich im moment eigentlich tatsächlich befindet: von den markennamen und den auslagengestaltungen ist das bereits hier und da wieder eine einheitskultur geworden - und das internet beschwört wiederum multikulti - führt aber auch zu immer manipulierbareren multiplikatoren - man könnte das netz ja auch multikulti-net nennen: world-wide-web: www. - mehr multikulti geht ja eigentlich nicht - und das läuft in jedem haushalt - auf jedem handy - immerzu - tag & nacht - und mit der webcamera ist der orient immer nur ein click von hier entfernt - und asien und lateinamerika ebenfalls ...

liebe frau merkel: bitte machen sie ihre äuglein richtig auf - und mit ihnen ihre partei(en): wir leben alle bereits "multikulti" - und das ist kein "schimpfwort" sondern tatsache: von wegen gescheitert ... - aber jeder hat (noch???) die freiheit, den kanal anzuwählen, der ihm genehm ist, es wird bei multikulti eben nicht mehr wie in unserer kindheit "das gegessen, was auf den tisch kommt", sondern jeder wird endlich "selig nach seiner fasson" - wie der Alte Fritz (1712-1786) schon aufschrieb: 

"Die Religionen Müßen
alle Tolleriret werden
und Mus der Fiscal nuhr
das Auge darauf haben
das keine der anderen
abruch Tuhe, den hier
mus ein jeder nach
Seiner Faßon Selich
werden     Fr."

und hinter diesen sätzen aus dem 18. jahrhundert sollte auch mutti merkel nicht zurückgehen - und auch nicht die cdu/csu - ansonsten wird man mit afd und konsorten rasch verwechselbar ..., die sich immer noch in viel älterem dunst suhlen ...

schaut man sich nämlich in der geschichte und auf dem globus um, ist der multikulturalismus die regel, nicht die ausnahme. wir alle stammen ab von menschen, die in früheren generationen gewandert sind - flüchtlinge waren - wir alle haben irgendwie und irgendwo unseren "migrationshintergrund" - im dem sinne, dass man von einem kulturkreis, so es den überhaupt jemals gab - in einen anderen gesiedelt ist ... die große reiche dominierende usa müsste bei multikulti-getöse eigentlich laut lachen - denn ihre "amerikanische kultur" ist eine multikulti-kultur - und vielleich gerade 300 jahre alt, nachdem man die alten ureinwohner dort "mit aller gewalt" integriert bzw. "entsorgt" hat ... das habsburger reich war ebenso multikulturell wie das reich der osmanen; der versuch damals der ultranationalistischen neuen staaten auf dem balkan, ihr gebiet auf kosten dieser reiche zu vergrößern, führte schließlich in die großen kriege dieser welt ...




nicht wir sind durch den multikulturalismus bedroht, sondern die engstirnigen, rückwärtsgewandten, antimodernen, intoleranten aspekte in unserem lande:  deutschland wird der gewinner des multikulturalismus sein. wir haben nichts zu befürchten – außer der furcht. 
ja - bekennen wir endlich: ich bin ein multikulti ... - wir sind multikulti ... - und wenn im kindergarten nun ein "lichtfest" statt einer "adventsfeier" stattfinden soll, halte ich das auch für bescheuert, denn der lichterbrauch in der weihnachtszeit ist nicht unbedingt eine "christliche" erfindung - der weihnachtsmarkt, auf dem papa hinterher ein "döner" mit einem fladenbrot ist, mama aber lieber bei rotkohl mit ente und klößen bleibt, und dazu schmeckt beiden ein roter retsina ... - wenn sie verstehen was ich meine ...

und chuat choan - wird schon wieder
S!