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Freitag, 18. Dezember 2015

weihnachten ist die geburt des gottesreiches - in uns - jeden augenblick neu - die tempelaustreibung als impuls für die woche



da feiern wir die geburt dieses jesus von nazareth, der der überlieferung nach als uneheliches kind einer jungen frau namens maria in einem viehverschlag irgendwo - vielleicht in bethlehem, in den heutigen palästinensischen autonomiegebieten - zur welt kommt. diese junge frau maria lebt mit einem älteren mann zusammen, mit dem sie späterhin noch weitere kinder bekommt und großzieht.  
durch meine persönliche "theologische brille" gesehen kommt überall und zu jeder stunde irgendwo ein kind gottes zur welt - vielleicht ist also immerzu weihnachten - auch immer dann - wenn ich gott in mir als existent wahrnehme, der mich führt, der mich leitet, der verzagtheit vertreibt und der mir in jedem moment immer wieder neu mein leben schenkt ... 




jesus ist bereits von kindesbeinen an darauf bedacht, gegen verkrustete vorschriften und auslegungen der damaligen altjüdisch-dogmatischen tempelaristokratie neue lebens- und glaubensparadigmen zu formulieren. jesus nennt dazu den im bisherigen judentum andauernd zürnenden, dräuenden, strafenden und herrschsüchtigen gott nun liebevoll und zärtlich "papa" ("abba") - bildet mit diesem gott, diesem vatergott, auch eine art symbiose: "ich und der vater - ich und mein papa - sind eins" (joh. 10,30) - und schöpft aus dieser unmittelbaren verbindung und nähe seine kraft - und holt damit diesen bis dahin vertikalen nach ganz oben abgedrifteten "fernen" gott mit diesen handfesten jeweils die eigene person betreffenden und wegweisenden schriftauslegungen aus den fernen "himmeln" hinab mitten unter uns auf die erde - in die welt - ganz radikal also auf die horizontale - face to face - auf die gleiche ebene - "von angesicht zu angesicht" - und so sogar in jesus und damit in uns menschen hinein und in unsere beziehungen - ... aus dem gebet "zu" gott wird ein dialog "mit" gott - ohne mittler - im direkten "draht" auf du und du ... - "rufst du noch - oder kommunizierst du schon" würde der spruch dazu wahrscheinlich bei ikea heißen ...
jesus formuliert nach meiner übertragung also in lukas 17,20-21 dazu: seht doch selbst, dieser "herrliche reichtum gottes" - dieses "reich gottes", das wir ja gemeinhin in die himmel - in einen imaginären st.-nimmerleinsort ins (n)irgendwo verorten - "es ist nicht da oder dort und wir müssen es auch nicht erwarten - es ist bereits mitten unter uns und geht und fasst uns alle an" - und geschieht in jedem augenblick in unserem zusammenleben hier auf erden ... - und wir beten ja im vaterunser: ... dein reich komme bzw in einer anderen übersetzung aus dem aramäischen urtext: dein königreich breite sich aus - gott - der uns tatsächlich "reich" macht - werde also größer in uns ... - gott nehme seinen platz ein - gott beziehe seinen standpunkt in uns - beschenke uns mit seiner "gewiss"heit, die wir von kleinauf unser "gewissen" nennen ...
und bei dieser so radikalen lehre schart sich allmählich eine gruppe von frauen und männern um ihn, denen er intensiv die heiligen schriften nach seinem verständnis auslegt - und er entwickelt in diesem zusammenhang auch sogar eine diesbezügliche kraft, oftmals schwierige meist psychosomatische erkrankungen anderer menschen spontan zu heilen mit gebeten, taktilen und rituellen be-handlungen und "handauflegungen" zur "kraftübertragung" aus dem geist seines glaubensverständnisses heraus, weshalb man ihn auch im volksmund als "heiland" bezeichnet ...

überhaupt kann man die symbiose jesu zu seinem "papa" - unserem gott - nicht mit dem "verstand" erfassen ("ich fass' es nicht" ...) - sondern ich muss mich von ihm "berühren" lassen - angerührt sein: vielleicht ein imaginäres "handauflegen" - hand anlegen ... - mit jesus "handfest" in "berührung" kommen ...

"gegründet zu sein 
in einer größeren Liebe 
ist quelle 
menschlicher liebeskraft
und herzstück 
jesuanischer spiritualität" ... 

monika renz: 
der mystiker aus nazaret, 
kreuz verlag 2013 


gemeinsames mahl in einer dortmunder multikulti-wg - foto: spiegel-tv








desgleichen ist das gemeinsame mahl, das einnehmen der speise mit jesus mehr als eine pure physische sättigung ... jesus erinnert uns daran, dass die genießbare speise immer direkt von gott geschenkt und somit materielle segenskraft ist - und dass deren genuss immer auch ein ganz praktisches einverleiben seiner kräfte und energien und seines geistes sind, die uns am und im leben halten und uns mit ihm und anderen in verbindung bringen ... ein echter vor allen dingen auch geistlich-ganzheitlicher aus-tausch mit gott - in gemeinschaft mit anderen - über alle unterschiede hinweg und durch die zeitlichen dimensionen (was war - was ist - was wird sein) hindurch ...

aufgrund dieser radikalen neuorientierung im glauben an gott eckt jesus immer mehr bei der damaligen jüdischen tempelaristokratie und anderen "rechtgläubigen" an, die ihn schließlich festsetzen lassen und der gerichtsbarkeit der römischen besatzungsmacht überstellen, wo er als "aufwiegler und unruhestifter" ("ruhe ist die erste bürgerpflicht"!!! ...) zum tod durch die marterung an einem damals üblichen rasch aufgerichteten holzkreuz verurteilt und abgestraft wird.



als einige tage später ein paar frauen aus seinem umkreis das grab besuchen und pflegen wollen, finden sie nur noch eine leere grabkammer vor ... - so wenigstens die subjektive überlieferung von mund zu mund, von generation zu generation als erzählung - viele jahrzehnte später dann ganz subjektiv zu papier gebracht ...

und nun betritt nach etwas längerer irr- und kampfeszeit aber nach jesu tod ein gewisser paulus von tarsus die glaubensbühne dieser welt, ein griechisch gebildeter vielleicht anfallskranker intellektueller, der zum teil gegen die jüdischen zeitzeugen jesu eine mit griechischem philosophieduktus verbrämte glaubensdiktion predigt und schriftlich oft in briefen und sendschreiben formulieren lässt, die das tatsächliche leben und die geschehnisse und die glaubensphilosophien um jesus von nazareth, nämlich den bisher entfernten gott mitten in und unter die menschen zu verorten, kaum mehr wahrnimmt und sein eigenes credo formuliert, in dem jesus eigentlich nur noch peripher auftritt ...

denn kaum hat jesus für seine schar den "herr"gott aus den himmeln gezerrt - und ihn befreit in den alltag ins leben - mit seiner liebe und seinen sehnsüchten und auch fehlbarkeiten - aber in die herzen der menschen auf erden - befördert paulus ihn mit seiner griechisch beeinflussten theologischen denke wieder dorthin und sperrt ihn unantastbar dort ein - wo er eben seiner meinung nach ein für alle mal auch hingehört: ins nebulös vor sich hin brütende "jenseitige" nichts ...

die tatsächlichen lebensberichte über jesus mit seiner "handfesten" lebenspraktischen glaubensphilosophie werden nun mit den sehr verkürzenden adaptionen dieses paulus von tarsus und seinen getreuen nach vielen jahrzehnten von den unterschiedlichen skriptorien entsprechend redaktionell bearbeitet und "irgendwie passend" vermixt von den schreibschülern zu papier gebracht, wo jedoch auch nur subjektiv wahrgenommenes hörensagen notiert wird - von der jeweiligen aktuellen umwelt und den lehrmeinungen der schulen beeinflusst ... - und erst ein paar hundert jahre späterhin nimmt man diese bis dahin gelebten und atmenden textpassagen und friert sie dogmatisch ein zum "kanon des 'neuen testamentes'"...

wenn gott uns den einzig echten und tatsächlich lebenden "reichtum" immerzu mit und in dieser welt weiter"reicht" - wie jesus das verständlich für jeden menschen formuliert hat - und gott damit aus den himmeln und tempeln endlich "befreit" zum leben mit und unter uns menschen, dann können auch wir von diesem überfluss - unserem "gewinn" - anderen weiter"reichen" - und so zu einer im modernen management-slang sogenannten "win-win"-situation kommen - denn wir alle haben oft mehr als genug (mit dem tatsächlichen "reich(tum) gottes" ist natürlich nicht nur der "schnöde mammon" bezeichnet - sondern er umfasst viel viel mehr - nämlich "sein" und "erhalten" allen lebens im weitesten sinne ...)

paulus hat dieses eigentlich einfach zu verstehende den menschen gegebene göttliche weiter"reichen" und sich "schenken" auf "augenhöhe" nach jesuanischem verständnis ex cathedra theologisch-akademisch in seinen briefen wieder zurück "in die himmel" vertikalisiert und zur hehren göttlichen "begnadigung" aus dem jenseits hochstilisiert, die den von natur aus "sündhaften" menschen "erlöst" in einer großzügigen "heilstat" - ja paulus hat den gewaltsamen kreuzesmord an jesus dann zum "sühneopfer" für die gesamte menschheit als von gott eingefädelten "heilsplan" zur "aussöhnung" mit der menschheit von nun an bis in alle zeit erkoren - eigentlich nach jesuanischem verständnis - und für mich heute - unfassbar - aber wohl irgendwie etymologisch dem griechischen götterhimmel geschuldet, um dem weltbild der mittelmeervölker zu entsprechen, die paulus ja aus eigenem antrieb und mit viel imponiergehabe "missionieren" wollte ... 

"von hinten durch die brust ins auge" - könnte man diese theologische verkomplizierung oder auch "verschlimmbesserung" nennen, die aber immer noch konjunktur hat und den großen kirchen anscheinend bis dato weltweit die kassen füllt, obwohl jesus ja schon den tempel in jerusalem tatsächlich ausgemistet hat mit den worten: das haus gottes solle keine "räuberhöhle" sein ...  

p.s.: der begriff "weiter-reichen" ist doch in diesem zusammenhang eigentlich viel treffender - anstatt diesem in sich etwas hochmütig daherkommenden begriff des um "spenden" bettelns oder des "sünden-ablass" er"kaufens" durch tatsächliche oder imaginäre zahlungen - allerdings ganz im paulinischem geist (= "die götter gnädig stimmen" durch taten und besondere verehrung) ...

... jedenfalls setzt sich die paulinische glaubensrichtung ab dem 4. jahrhundert immer mehr durch - auch im inzwischen etablierten kirchlichen klerus zu rom und seinen dogmenverkündigungen - und auch in den im laufe der späteren jahrhunderte wiederum davon vielfältig abgespaltenen "christlichen" konfessionen und gruppen ...




selbst das bei jedem gottesdienst von den großen "christlichen" glaubensgemeinschaften allgemein vorgetragene "apostolische glaubenbekenntnis" - also das herzstück des persönlichen glaubens überhaupt - das eigene persönliche bekenntnis des "ich glaube" ... blendet das tatsächlich überlieferte leben jesu und seine glaubens- und lebensphilosophie gänzlich aus, in dem es sich nur auf die geburt und den tod und seinen interpretationen und folgen bezieht: 
...denn nach "geboren von der jungfrau maria ..." kommt direkt: "gelitten unter pontius pilatus ...": kein wort - kein satz zur bergpredigt - zur "reich-gottes-lehre mitten unter uns" - kein satz zur "goldenen regel" - matth. 7,12: „alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen!“ - kein wort zu markus 12,29ff: „ ... du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft - als zweites kommt hinzu: du sollst deinen nächsten lieben wie dich selbst. kein anderes gebot ist größer als diese beiden.“
so gesehen sind die sogenannten "christlichen" kirchen also eigentlich "paulinische" kirchen und haben mit dem, was von jesus im neuen testament überliefert ist, in ihren theologischen kernaussagen und konsequenzen nur noch wenig gemein ... - wie auch der ehrentitel "christus" selbst (= der gesalbte gottes) für diesen jesus aus nazareth hauptsächlich im theologiegebäude des paulus kreiert wird ... 

die großen "christlichen" kirchen feiern die geburt jesu zu weihnachten, tod und "auferstehung" zu ostern (= das leere grab) und die ausgießung des heiligen geistes zu pfingsten: aber es gibt kein großes kirchliches fest oder ritual zum gedenken an das "leben" jesu: etwa ein regelmäßiges "bergpredigt-fest" oder ein regelmäßiges kirchliches "friedensfest" - oder ein großes "integrations-festmahl" mit (nicht für) arme, kranke, mittellose menschen und - aktuell - flüchtlingen ... - oder eine art "gleichnis-börse", die auf eine verständliche gleichnishafte darstellung komplizierter glaubensinhalte abhebt ... - nach art des „speakers corner“ im englischen hyde-park etwa - allerdings sind die meinung-blogs einzelner menschen im internet vielleicht die moderne zeitgemäßere form dafür ...

 -  in dieser hinsicht - nämlich jesu leben mit in den alltag hineinzunehmen - ist vielleicht das immer populärer werdende pilgern einzuordnen - oder ein "wüstentag" oder auch die (straßen-)"exerzitien" - und seit 2003 die immer größer werdende schar beim spontanen außerkirchlichen "weihnachtssingen" in den fußballstadien - allein im kölner stadion sind das 2015 bereits 32.000 menschen ... - das alles geht jedoch auf die initiative einzelner menschen und gruppen zurück ... - 

jesu leben passt nicht allein in die gotischen prachtkathedralen und ist kein sonntäglicher lehrvortrag mit posaunen und weihrauch und myrrhe und gold und abfolgeritualen und heiligem geraune mit klingelbeutel und kirchensteuer ... - jesus steht mitten im leben und schenkt sich uns in den straßen, im supermarkt, vielleicht auch neuerdings im internet ...: jesu leben ist mitten in und unter uns ...  


ein bild wie beim abschlussgottesdienst eines kirchentages: das neuartige "weihnachtssingen" - hier im aachener tivoli 2015 - foto dpa

in ansätzen bemüht sich die amtskirche vielleicht in der "stadtkirchenarbeit/city-kirche" z.B. in der ekvw, oder auch auf regional organisierten treffen und "kirchentagen" - die aber auch inhaltlich jeweils maßgeblich auf die initiativen einzelner pfarrer und gruppen vor ort be-ruhen ... ansonsten sind das von kirchlicher seite eben die jeweils alle 2 jahre stattfindenden kirchentage beider großer konfessionen bzw. der freikirchen - dann aber mehrtägig als publikumsmagneten ... - die dann auch wiederum organisatorisch als massenveranstaltungen immer mehr an ihre grenzen stoßen ...

und genau deshalb haben sich aktuell initiativen gefunden, die dem tatsächlichen leben jesu und seiner "reich-gottes"-lehre in den verfassten bestehenden "christlichen" kirchen im alltag wieder mehr raum geben wollen ... - da sind zum beispiel die:
in der letzteren initiativgruppe hat eine arbeitsgruppe zusammengesessen, die sich zum ziel setzte, die jesus-botschaft vom schon gegenwärtigen "reich gottes" einmal ganz ohne christliche oder irgendwie theologische bezüge darzustellen – und das in einfacher und kurzer sprache ... - auch vielleicht als initialzündung für ein credo der menschen, die der kirche fernstehen oder sich gar "atheisten" schimpfen ... : - prüfe selbst - inwieweit das gelungen scheint: 


Es ist nur wenig von Jesus überliefert, was wir als historisch gesichert ansehen können. Dieses Wenige zeigt aber schlüssig, wie er die Welt verstanden hat: Sie ist in ihrer einzigartigen Schönheit so angelegt, dass alle genug haben und ein gutes Leben führen können. Wir brauchen nicht auf irgendeine Vollendung in ferner Zukunft zu warten.

Das Gute dieser Welt beruht auf der Verbundenheit allen Lebens. Wir sind Teil davon: mitten drin. Wir stehen nicht über anderen Lebewesen, sondern auf gleicher Ebene mit ihnen. Was wir nicht erleiden wollen, wollen auch unsere Mit-Wesen nicht erleiden. Wenn wir ihnen schaden, schaden wir mittelbar auch uns. Diese Binsenweisheit haben wir Menschen fortgesetzt missachtet und tun es noch immer. In unserer global vernetzten Welt mit ihrer hoch entwickelten Wissenschaft ist das offensichtlicher und bedrohlicher als je zuvor. So sind die damaligen Auffassungen des Jesus von Nazaret, die er in seinen Worten vom Reich Gottes beschrieben hat, heute im Grunde aktueller denn je.


Wir müssen umdenken. Dazu müssen wir in den Gesamtzusammenhang der Welt hinein finden und von dort her handeln, anstatt uns über die Welt zu erheben. Wir wollen
  • das Welt-Ganze staunend und voller Achtung wahrnehmen,
  • unser Leben und das, was uns leben lässt, dankbar genießen und uns daran freuen,
  • der Gewalt gegen Menschen, Tiere, Pflanzen und die Erde insgesamt widerstehen, ohne selbst gewalttätig zu werden,
  • strukturelle Gewalt überwinden, die durch die Herrschaft von Menschen über Menschen aufgerichtet wird,
  • einander zugewandt und solidarisch zusammenarbeiten,
  • uns der Vorstellung verweigern, dass allein Geld die Welt regiert,
  • prüfen, ob wir tatsächlich brauchen, was wir besitzen oder wollen,
  • alles weiterreichen, was wir nicht mehr brauchen,
  • sorgsam und verantwortlich mit unserer Zeit umgehen, unseren materiellen Möglichkeiten, unserer Kraft und allem anderen, was uns zur Verfügung steht.
Solche Leitlinien ergeben sich wie von selbst, sobald wir unsere Verbundenheit mit der Welt in uns spüren. Nicht mehr und nicht weniger hat Jesus damals wohl sagen wollen.

Quelle: reich-gottes-jetzt.de  


zu meiner weihnachts-titelgeschichte, die ich zu meinen überlegungen zu einer zeitgemäßen spiritualität zusammengestellt und gestaltet habe - hier unten auf das titelbild clicken ... 

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... und jetzt zu einer passenden weihnachtsüberraschung ...


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