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Freitag, 29. Januar 2016

bergpredigt-gesumse: impuls für die woche ...


 
... Da es augenblicklich ohnehin schon genug Hohn und Hass in unserem Land gibt, hat die Unwort-Jury entschieden, es solle in der Rückschau auf das Jahr 2015 ein Hohn-und-Hass-Wort erster Güte an den Pranger kommen. Kenner der spitzmäuligen Sprachbelehrung wissen allerdings, dass der Gutmensch bereits genüsslich durch die Achtzigerjahre getrieben wurde; damals allerdings eher von genervten Altlinken, die das Apfelbäumchen-Bergpredigt-Gesumse von Neulinken wie Dorothee Sölle, Hoimar von Ditfurth und Franz Alt nicht mehr hören wollten. Wie so viele Spottworte war auch der Gutmensch zu Anfang ein origineller Neologismus, den man selbstgefälligen Moralisten um die Ohren fliegen lassen konnte. Heute, so sieht es offenbar die erzürnte Unwort Jury, wandelt sich das spöttische G-Wort zur Hassvokabel, mit der man jene menschenfreundliche Haltung diffamieren kann, die in der Flüchtlingsfrage der pegidagestützten Intoleranz gegenübersteht. ...
Süddeutsche Zeitung, Mittwoch, 13.01.2016, S.1: "Das Streiflicht" über "Der Gutmensch ist zum Unwort des Jahres gewählt worden ...." (Auszug)

S!: regenbogen


tja - da komme ich ja gar nicht umhin, dieses zitat aus der "sz" zwei wochen verspätet hier weiterzureichen ...
- und wieder fällt mir dazu der olle dröge aber superweise altbundespräsident gustav heinemann ein, mit seinem zitat im zusammenhang mit ausschreitungen gegen springer-einrichtungen nach dem anschlag auf rudi dutschke vom 14. april 1968:
"wer mit dem zeigefinger allgemeiner vorwürfe auf den oder die vermeintlichen anstifter oder drahtzieher zeigt, sollte daran denken, dass in der hand mit dem ausgestreckten zeigefinger zugleich drei andere finger auf ihn selbst zurückweisen." dieses zitat damals konnte sich auf den springer-konzern beziehen ... - ... ebenso wie auf die gewalttäter, die die auslieferungsfahrzeuge des springer-verlages damals in brand setzten...

und hier zu dieser sz-kolumne fällt mir dieser satz ein, weil ich mein starkes unbehagen spüre, wenn die sz hier so tut, als berichte sie eine allgemeine meinung von irgendwelchen imaginären "genervten altlinken", die "das apfelbäumchen-bergpredigt-gesumse von neulinken wie dorothee sölle, hoimar von ditfurth [man schlage mal die verbindung zu seiner tochter jutta ditfurth ...] und franz alt nicht mehr hören wollten"... - aber die tatsächliche zitaten-quelle zu diesen ungeheuerlichen abqualifizierungen dieser "bergpredigt"-ideen und personen werden nicht mitgeliefert und bleiben uns verborgen - was bei mir den eindruck erweckt, als habe die/der verfasser(in) der sz-kolumne hier nur seine/ihre eigene einstufung mal eben so weitergeben wollen:
"gesumse" - "bergpredigt-gesumse": desto länger ich mir diese begriffe anschaue, um so wütender werde ich - und ich habe in den letzten tagen ein paar mal irgendwo den satz gehört: "wer wütend ist, hat keine angst mehr" ... - 
es hört sich für mich so an, als trauere die/der sz"streiflicht"-autor/in nun da hinterher, dass dieser "originelle" "gutmensch"-"neologismus" aus seiner zum klammheimlichen kichern und für das kabarett einsortierten manuskripten-schublade für eben dieses allgemeine "bergpredigt-gesumse" als "unwort" zum allgemeingut-gebrauch auch der k(n)ackbraunen scene mutiert wurde - an die "öffentlichkeit" gezerrt wurde ...


wie eh und je: schafherde in der wüste bei bethlehem ... - foto: meingruss.at


"bergpredigt-gesumse" - mir lässt dieser begriff keine ruhe:
ich habe es andernorts schon einige male erörtert, dass das bei jedem gottesdienst von den großen "christlichen" glaubensgemeinschaften allgemein vorgetragene "apostolische glaubenbekenntnis" das tatsächlich überlieferte leben jesu und seine ureigene glaubens- und lebensphilosophie gänzlich ausblendet und sträflich vernachlässigt - also das herzstück des christlichen glaubens überhaupt - das eigene persönliche bekenntnis des "ich glaube" ... - in dem es sich nur auf die geburt und den tod jesu und seinen interpretationen und folgen bezieht:
...denn nach "geboren von der jungfrau maria ..." kommt direkt: "gelitten unter pontius pilatus ...": kein wort - kein satz zur bergpredigt [... und deren ...-"gesumse" ... - weil eben schon im 5. jahrhundert - als dieses "apostolische" bekenntnis entstand [von den "aposteln" steht da nicht eine silbe drin ...] - die durch und durch vom paulinischen denken unterwanderten kirchen eben dieses jesus-"gesumse" auch nicht im bekenntnis des "glaubens" beten wollten ...] - keine zeile zur "reich-gottes-lehre mitten unter uns" - kein satz zur "goldenen regel" - matth. 7,12: „alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen!“ - kein wort zu markus 12,29ff: „ ... du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft - als zweites kommt hinzu: du sollst deinen nächsten lieben wie dich selbst - [ich wieder hole noch einmal unterstreichend: ..."wie dich selbst" ...].“
aber all dieses "gesumse" hat ja trotzdem zu einem nicht unerheblichen teil dazu beigetragen, dass wir heute von einem "christlichen abendland" faseln können und von unseren "werten":
  • die einen, um muslime daraus auszusperren und abzuwehren - 
  • die anderen, um mit einem solchen "apfelbäumchen-bergpredigt-gesumse" als sogenannte oder beschimpfte "gutmenschen" ihre hilfsbereitschaft für die "nächsten", für fremde und nachbarn aus dem globalen dorf zu untermauern - und [leider] auch rechtfertigen zu müssen ...
all diese selbstverständlichen werte werden plötzlich in frage gestellt - und kommen auf den prüfstand - auch bei den parteien mit dem "c" im namen. ich bin gespannt, wann mal irgendwer den tatsächlichen mut hat, dieses "c" in den parteinamen mit einer erweiterten "gebrauchsmusterschutz-klage" oder so etwas ähnliches erfolgreich anzufechten ... - zeit wäre es ...

amerikanischen delegierte des internationalen friedens-kongresses der frauen, der in den haag im jahre 1915 stattfand - Quelle: wikimedia-commons


also - die inzwischen auch schon wieder als "alt-linke" zu bezeichnenden menschen, die als jesu-
jünger(innen) der theologie und den gedanken einer dorothee sölle und den aktionen eines hoimar von ditfurth und eines franz alt noch immer folgen - und die für so etwas wie "frieden schaffen - ohne waffen" oder "liebe deinen nächsten - wie dich selbst" oder die neben den östlichen meditationstechniken an ein "reich gottes - jetzt!" und an ein neues zeitgemäßes reform-"update für den glauben" im hier & jetzt - [also nicht nur damals - vor 2000 jahren] ...glauben und eintreten, sind die schlechtesten nicht - und diese "gutmenschen" und "spinner" halten ewige allerwichtigste menschliche werte hoch ... - und eben nicht diese eintagsfliegen wie sie zur zeit überall umherschwirren ... - um sich hinterrücks beim geldzählen ins fäustchen zu lachen ...
wenn sie verstehen, was ich meine - und chuat choan -wird schon wieder - kein "gesumse" wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird ... - S!