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Dienstag, 12. Januar 2016

unworte des jahres 2015 von S!NED! ...




also - 2 stunden bevor das "unwort des Jahres" 2015 kreiert wird: möchte ich hier für mich meine unworte präsentieren:
  • nationalstaat
  • grenzkontrolle
  • migrationshintergrund
dieses trio sind meine unworte des jahres - denn an denen hängt unser ganzes derzeitiges und vergangenes politisches dilemma ... wir haben mühsam alle gelernt - nicht mehr westdeutsche sondern gemeinsam mit der ddr einfach deutsche zu sein - genauso haben wir es gelernt, uropäer zu werden und mit dem uro zu bezahlen und über nationalgrenzen einfach hinwegzufahren - wir haben gelernt: vor dem gesetz seien alle menschen gleich - und wir haben eine ganze menge internationale rechtssvorschriften bzw. uropäische normen ...

und nun beginnen wir wieder zu sortieren: nach "nationalitäten", nach "glaubens"kriterien (muslime, aleviten, schiiten, sunniten) usw. usf.)

wenn also die polizei das intus hat, dass alle menschen vor dem gesetz gleich sind - und sie nur noch nach tätern, tätergruppen und tatsachen ausschau halten, schimpft man plötzlich darüber, dass sie "verschweigen", dass es sich um menschen mit "migrationshintergrund" und um "flüchtlinge" mit gehandelt hat - also jetzt sollen sie wieder sortieren und brandmarken, wenn sie die massen noch gar nicht auseinanderdividieren konnte, die da ihr süppchen gekocht haben - bald wäre es an der zeit, wieder gelbe "stern-sticker" ans revers verpflichtend anzustecken, weil es politisch gerade zu den neujahrstreffen opportun ist und um der kanzlerin mit ihrem "wir schaffen das" eins auszuwischen ...

und das alles hängt an diesen vermaledeiten immer mal wieder in mode kommenden nationalstaaten und grenzziehungen und passvorschriften: deshalb müssen flüchtlinge im mittelmeer ertrinken, weil sie in schlauchbooten "illegal" eine relativ kurze strecke überwinden müssen, bei der sie vom regulären fähr- und ausflugsschiff auf der gleichen strecke mit hunderten von ausflugsgästen an bord - aber alle mit u-pässen - überholt werden ...

alles dreht sich immer um diese von menschen erdachten "nationalgrenzen": das deutsche reich - adolf hitler - das dritte reich - bundesrepublik und ddr - die todesgrenze - die verminte grenze - herr orbán - herr kaczynski - slowakei - tschechien - ukrainekonflikt - syrien - kurdistan - ohne grenzen und nationalstaatideen im kopf würde es all diese selbsternannten möchtegernherrscher und konflikte gar nicht geben ...

diese nationalstaaten und infolgedessen nationalgrenzen sind noch gar nicht soooo alt - vor allem sind sie uns genetisch keinesfalls eingepflanzt und sie bestehen nur im kopf - dem kopf, von dem francis picabia (1879-1953) sagt, der wäre rund, damit unser denken die richtung wechseln könnte ...


... unser kopf ist rund ...

der nationalstaatsgedanke entstand erst gegen ende des 18. jahrhunderts und wurde durch napoleon in uropa verbreitet. bis heute zieht er sich durch die geschichte - zuvor musste eine unzählige kleinstaaterei von fürstentümern und herrschaftshäusern überwunden werden - aber das waren eigentlich nur die zahlstellen, die miete und pacht und besitz verwalteten ... - was heutzutage vielleicht mit "steuern" gleichzusetzen ist - mit "staatsetat" und "budget"-verteilung je nach interessenlage der herrschenden parteien usw.

nationalstaatsideen haben also immer etwas mit "macht" zu tun, wonach der mensch anscheinend genetisch strebt - oder was wir von der mutterbrust und kindertagesstätte eingetrichtert bekommen - was wir erlernen: setz dich durch, nimm was du kriegen kannst, nimm einen standpunkt ein - und der zaun um unser grundstück müsste auch mal wieder gestrichen werden - aber der nachbar mäht seinen rasen viel zu wenig und das unkraut ... und im sommer am strand, da bauen wir wieder strandburgen - und wehe, da läuft jemand durch ... - und morgens um 4 uhr - bevor er ins bett geht - legt heinz schon immer das handtuch auf die strandliege am hotelpool - wir haben ja schließlich "all inclusive" gebucht ... - so ist das eben ...haste was - biste was ... - in diesem "christlichen" abendland ... - wenigstens dem namen nach - aber die tatsächliche "philosophie" jesuanischen denkens wird mit füßen getreten - auch von den kirchen und sekten und glaubensgemeinschaften christlicher prägung usw., die in machtanhäufen und frauenunterdrückung und konfessionsdenken und reichtümer bilden unübertroffen sind - und in den spitzfindigkeiten von definitionen, ob jesus leiblich im abendmahl vorhanden ist, oder ob es sich nur um ein andenkenmahl - eine geistige anwesenheit - handelt ... - deswegen wurden schon die hugenottenkriege mitte bis ende des 16. jahrhunderts geführt mit zigtausend opfern, aber natürlich auch immer einhergehend mit machtpolitischem kalkül der herrschaftshäuser ...

wenn francis picabia recht hatte - dass unser kopf rund ist, damit unser denken die richtung wechseln kann - dann wäre es höchste zeit das nationalstaatsdenken endlich einzudämmen - mit all dem was immer daran hängt ... wir waren schon auf einem guten weg: mit dem internet, dem www., der uropäischen union, dem uro usw. - aber in letzter zeit kommt wieder überall dieses sandburgendenken auf und dieses förmchenpillerspiel ... - es sind holz- und betonköpfe von gestern ... - denen es auf eine kurze episode ankommt, so lange sie leben, weil sie oft aus kleinsten verhältnissen "groß" geworden sind - und mit verantwortung so schlecht umgehen können ... - sie vergessen ihre eigene herkunft - und die migrationsgeschichten in ihrer "sippe" ... - und die ersten menschen, die man als solche bezeichnen könnte, kamen alle aus afrika nach uropa und nahmen den gleichen weg wie die "flüchtlinge" heute: alles schon mal da gewesen ...

IN THE YEAR 2525
Zager & Evans

Deutscher Text:

Im Jahr 2525,
falls die Menschheit überhaupt bis dahin überlebt,
ist sie hoffentlich schlauer.

Im Jahr 3535 braucht man sich keine Gedanken mehr darüber zu machen, ob man die Wahrheit sagt oder lügt:
Alles, was man denkt, tut, sagt,
hängt jeweils von der Pille ab, die man morgens einnimmt.

Im Jahr 4545 kann man getrost auf Zähne und Augen verzichten:
Es gibt nichts mehr zum Kauen,
und es schaut einen auch keiner mehr an...

Im Jahr 5555 baumeln die Arme schlaff am Körper.
Auch die Beine haben nichts mehr zu tun,
das erledigen alles Maschinen.

Im Jahr 6565 braucht keiner mehr zu heiraten:
Man holt sich seinen Sohn oder seine Tochter einfach aus einer großen Glasröhre...

Im Jahr 7510 -
wenn Gott wieder mal vorbeischauen will, wäre jetzt ein guter Zeitpunkt.
Vielleicht sieht er sich dann um und sagt:
"Ich glaube, es wird allmählich Zeit fürs Jüngste Gericht!"

Im Jahr 8510 schüttelt Gott sein gewaltiges Haupt und sagt entweder:
"Schön, wie weit es der Mensch doch gebracht hat!"
Oder aber:
"Lass uns Tabula Rasa machen und noch mal von vorn anfangen!"

Im Jahr 9595 -
ich frage mich ernsthaft, ob der Mensch dann noch existiert.
Er hat der Erde alles genommen und nichts zurückgegeben.

Dann sind 10000 Jahre vergangen.
Der Mensch hat Milliarden von Tränen vergossen, ohne zu wissen, wofür.
Jetzt ist die Zeit seiner Herrschaft über die Erde vorbei.
Aber durch die ewige Nacht funkelt Sternenlicht von unendlich weit her.
Vielleicht ist es dort gerade gestern...

Im Jahr 2525
Falls noch Menschen leben.
Wenn noch Frauen leben, dann werden alle Rätsel gelöst sein.