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Montag, 22. Februar 2016

clausnitz - bautzen - nichtsnutz - nutznieß ...


schlagzeilen zeit-online ...

meine alte frau mutter sagte immer: es gibt so'ne und so'ne - es gibt solche und sowelche ...


clausnitz, bautzen - sprechen sie mal diese orte in urtümlichem sächsisch aus, falls sie das auch nur ansatzweise beherrschen - mit diesem breiten bräsig-flächigen "au"-laut in der mitte ... - da kommt ganz automatisch einem das "aua - tut das weh" in den sinn: was ist da los bei unseren sächsischen landsleuten - ja nicht erst seit heute ... - und jetzt auch noch afd und damals die nsu???

mir als bekennendem westdeutschen geburtsbürger, der schon 69 jahre ununterbrochen im westen lebt - und aufwuchs und alt wurde und sich hier sozialisierte - will es natürlicherweise nicht gelingen - ohne schlummernde vorurteile und dem erfahrungsschatz früherer ddr-besuche und grenz-kontroll-schikanen - eine einigermaßen objektive lagebeurteilung hinzubekommen:

ich nehme immer wieder gern meine erklärungsversuche für dieses anderssein vieler ostdeutscher "schwestern & brüder" zur hilfe - und ich meine, leider fehlt den landsleute dort "drüben" eine deutsche demokratische republik-pubertätszeit - ein inneres und äußeres auflehnen und abrechnen mit der elterngeneration und den nazi-gräueltaten zur rechten zeit, wie wir das hier im westen in form der sogenannten "68er" miterleben durften und darin irgendwie biographiebestimmend verstrickt wurden - und das ganze fand nicht nur in der brd statt - sondern cohn-bendit in paris - und andere in wien - der beat in london - die beatniks in den usa (gegen den vietnam-krieg u.a.) usw. waren mit uns - und damit wurden wir teil einer weltweiten, grenzenüberspringenden und prägenden indentitätsidee und einem internationalen zusammengehörigkeitsgefühl - nicht richtung osten - sondern ausschließlich richtung westen - süden - vielleicht noch norden-skandinavisch - global: deutschland, das war und das ist mein zufälliger geburtsbedingter aufenthaltsort ... - mangels geeigneter sprachkenntnisse fällt es mir schwer, mich irgendwoandershin zu bewegen und sozial zu verwurzeln - zu "wohnen" ...

wer wie ostdeutschland von einer ns-diktatur in die nächste sed-diktatur mündet - hat danach das nach-luft-schnappen vergessen: man sehnt sich wieder erneut nach einer diktatur, weil man nicht weiß, was eigentlich eigenständiges verantwortlichsein für sich selbst ist - man wartet auf irgendeinen prinzen, der durch die dornenhecke kommt und die prinzessin wachknutscht - aber der kommt nicht - und man muss sich selbst auf den patt machen - und genau davor hat man schiss - vor der eigenständigkeit - und typen, die 3416 kilometer in badelatschen rennen mit sack und pack, um endlich in frieden zu leben, die machen angst - denn die nehmen ihr schicksal selbst in die hand - und danken allah - den die ostdeutschen auch unter dem namen "gott" nie kennengelernt haben - also kirchensteuer - die sparen wir - wir sind nämlich echt clever ... ...

auch wenn die "68er" durch viele historiker (die ihnen oft selbst zugehörig waren) inzwischen - "erwachsen geworden" oftmals verleumdet werden und in den dreck gezogen: für mich war diese zeit die zeit des echten "erwachens" und erwachsens: aus kinder werden leute - was hänschen tut macht hans nimmermehr - aus der trizone heraus nun globale verantwortung mit übernehmen - und - last but not least"mein herz schlägt links" ...

lichtgrenze: kennzeichnung des mauerverlaufs in berlin ...: gefühlte, gemeinte, gekennzeichnete und bewachte grenzen - in mir und vor mir und um mich herum ...

unsere jugendsehnsüchte waren asien (bhagwan und zen), die usa, wir bereisten frankreich, italien, spanien, die niederlande, luxemburg, dänemark, das ehemalige jugoslawien noch ... - ich fühle und denke uropäisch bzw. international - und ich weiß. das die nationalstaatsgrenzen, die nationalen identitäten usw. erst ein paar jahrzehnte alt sind in dieser form - und keinesfalls gottgegeben und "natürlich" gewachsen sind - und wieder vergehen werden - ein kommen und gehen - wie alles leben ... "nichts ist so beständig wie der wandel" ... . ich hatte bis vor kurzem jahrelang ein patenkind in pakistan und nun einen paten in rwanda/africa ...

als enkel eines waschechten wirtschaftsmigranten (mein opa zog es vor 100 jahren aus ungarn über die usa zurück nach deutschland, wo seine ahnen herkamen ... - vor 400 jahren ...) habe ich nichts gegen flüchtlinge und einwanderer aller art, hautfarbe, konfession, geschlecht, sexueller orientierung - und mal ganz ehrlich: fremdheit spüre ich in den ostdeutschen ländern auch in wahrnehmung dieser aktuellen entwicklung dort immer noch eher als im tatsächlichen "ausland" - ich fahre 3-4 x jährlich in die niederlande - und das spüre ich kaum noch als "fremdheit" - außer die sprache vielleicht - aber sächsisch und bayrisch verstehe ich auch nicht viel besser ... - und ich begegne viele niederländer im sauerland, die sich dort auch recht "heimisch" eingerichtet haben ... - wenn ich in den harz oder nach berlin fahre, spüre ich dagegen das überfahren der alten "demarkationslinie" immer noch sehr deutlich ...

also - da muss ein teil dieser republik "in der jugend" einen echten schaden erlitten haben - das "aufwachsen" war eben entscheidend zu den sensiblen entwicklungsphasen nicht problemfrei und irgendwie massiv belastet - und gleicht damit frappant einer "kollektiven" aber durchaus "gängigen" psychotherapie-anamnese: teile sachsens - wie teile bautzens und teile clausnitzens müssten dringend auf die couch eines seelenklempners - um einige weiße flecken in der persönlichkeit zumindest notdürftig zu kitten ...: es sind nicht die flüchtlinge hier, die nicht auszuhalten sind ... - es sind dunkeldeutsche, die ne schacke haben ...

nur leider - es ist so schwer mit einer "therapie" - denn dazu gehört immer ein "wollen" - ein "gesundwerdenwollen" - eine sehnsucht nach "normalität" - und die sieht im osten eben mehrheitlich - aus den genannten gründen - anders aus als im westen ...
die osteuropäischen länder polen, ungarn - also der gesamte frühere "warschauer pakt" - all diese staaten und menschen haben da mehrheitlich diese fremdenfeindliche schacke, die durchaus nicht "leicht" und "vorübergehend" ist ... - schade ... - aber ich werde und will mich in dieser hinsicht deswegen nicht verändern ... -

und wenn die da brüllen: "wir sind das volk" ... - und diesen 89er schlachtruf derartig beugen und missbrauchen - möchte ich mir tatsächlich ein neues - ein anderes volk wählen - und bin gar nicht stolz, ein deutscher zu sein ... (war ich übrigens noch nie - habe eher mehr minderwertigkeitskomplexe - und ich würde mir bei weltmeisterschaften nie nie nie einen schwarz-rot-goldenen lappen ans auto pappen ... - der dann womöglich vom fahrtwind in die hundescheiße abgeknickt wird: welch ein hehres symbol ...)

- wenn du verstehst was ich meine 
- und chuat choan 
- vielleicht wird's ja doch wieder 
- nichts wird so heiß gegessen wie's gekocht wird 
- S!