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Mittwoch, 23. März 2016

Erika Steinbach (CDU-Menschenrechtsbeauftragte[!!!]) und ihre fremdenfeindliche Propaganda - ...

Dies ist das Foto, das Erika Steinbach (C!DU-Menschenrechtsbeauftragte [!!!] - bis 2014 Präsidentin des Bundes der Vertriebenen [!!!] - im Volksmund auch "Flüchtlinge" genannt) postete - und das es wegen seiner zweifelhaften Absurdität und fremdenfeindlich rassistischen Botschaft bis in die Tagesschau brachte ... - und nun ist Fiete Stegers vom NDR ZAPP der Sache mal nachgegangen ...

Ausgegraben: Der Ursprung des Steinbach-Bildes
von Fiete Stegers, NDR.de

Wie würden Sie sich fühlen, wenn ein Bild Ihrer Kinder ungefragt im Netz verwendet wird, um Angst vor Überfremdung zu schüren? ZAPP hat den Ursprung eines an sich harmlosen Fotos recherchiert, das unter anderem von der CDU-Politikerin Erika Steinbach per Twitter verbreitet wurde. Die Betroffenen sind empört. Inzwischen hat sich auch Erika Steinbach gemeldet - per Twitter.

Das von Erika Steinbach weiterverbreitete Foto zeigt die überraschte Begegnung einer großen Gruppe von indischen Kindern mit einem einzelnen blonden, hellhäutigen Kind - in Kombination mit der Überschrift "Deutschland 2030" suggeriert es allerdings, dass dann dunkelhäutige Menschen in Deutschland die Mehrheit der Bevölkerung stellen. ZAPP begab sich auf die Suche nach dem Ursprung des Fotos: Welche Situation zeigt es wirklich? Wer hat das Foto gemacht? Und vor allem: Was sagen die Betroffenen dazu, dass das Bild für politische Stimmungsmache verwendet wird? Steinbach selbst hatte das Foto nach eigenen Angaben "per Mail erhalten" und einfach weiterverbreitet.

Eine erste Internet-Recherche ergab: Das Motiv kursiert schon seit Jahren in ähnlicher Form im Netz: Mit Parolen wie "Italien 2030" oder "Russland 2050" wird das Bild auf Websites und Social-Media-Profilen aus verschiedenen europäischen Ländern benutzt, um Stimmung gegen Migranten zu machen. Neben der Schrift sind in einigen Varianten - darunter auch der von Steinbach verbreiteten deutschen Fassung - zwei Köpfe von Kindern wenig geschickt durch andere ersetzt worden. Dass es sich insgesamt um eine Montage handeln könnte, hielten von ZAPP befragte Experten zwar theoretisch für möglich, sahen aber keine Hinweise darauf. Bereits Ende Januar 2012 wurde das Foto auf verschiedenen Internet-Seiten verbreitet, die witzige oder bemerkenswerte Bilder sammeln, ohne sich groß um Urheberrechte zu scheren. Woher aber hatten diese das Bild? Nach der Publikation des Recherche-Zwischenstandes rief ZAPP zur Mithilfe auf und bat um Hinweise.

Nutzerhinweise führten zur Quelle

Verschiedene Nutzer meinten, sich an eine Reportage oder ein Blog über eine Familie auf Weltreise oder einen Bericht über Albinos in Indien zu erinnern - kein Treffer. Nur dass das Foto höchstwahrscheinlich in Südindien entstanden sein musste, meinten Landeskenner. Dann brachten Nutzer uns auf die richtige Spur: Zwei russischsprachige Foren nannten als Ort der Aufnahme ein Kinderheim in Indien. In einem davon gab es einen Link zur Foto-Community eines amerikanischen Magazins.

Und tatsächlich: Dort hatte ein Nutzer aus Australien das Bild am 24. Januar 2012 hochgeladen. Wenige Tage danach fand es sich auf einer Liste der schönsten Community-Bilder und von dort offenbar seinen Weg ins Netz. Und das, obwohl die Community-Website explizit darauf hinweist, die Urheberrechte der Fotografen zu achten und mit einem technischen Trick das Herunterladen der Fotos erschwert - wohl auch deshalb verbreitete es sich im Netz in deutlich reduzierter Qualität. Die Angaben zum Aufnahmeort und zur verwendeten Handy-Kamera neben dem Foto sind plausibel. Laut Beschreibung zeigt es das Kind einer australischen Familie beim Besuch eines Kinderheims in Chennai.

Australische Familie machte das Foto in Indien

ZAPP gelang es, zu der Familie, die nicht namentlich genannt werden möchte, Kontakt aufzunehmen. Ein von ihnen benutztes Internet-Profilbild bestätigt: Sie sind die Eltern des blonden Jungen. Die Familie hatte ihren damals 18 Monate alten Sohn nach eigenen Angaben 2011 bei einem Besuch des Kinderheims fotografiert. "Wir sind sehr traurig, dass das Bild für solche Propaganda verwendet wird. Wir hatten genau das Gegenteil im Sinn", sagte die australische Familie gegenüber ZAPP. Hochgeladen hätten sie das Foto, "in der Hoffnung, dass das Kinderheim von der Aufmerksamkeit dort profitieren würde". Während eines Indien-Urlaubs hätten sie dort Spenden übergeben, erzählt die Mutter. "Das Foto entstand in einem sehr schönen Moment voller Liebe und Freude. Er zeigt das Miteinander verschiedener Kulturen und von Menschen, die verschiedene Sprachen sprechen", erinnert sich der Vater. "Das auf eine negative Weise zu verwenden, unterstützen wir auf gar keinen Fall."

Eltern und Kinderheim zeigen sich bestürzt

Auch eine Vertreterin des Avvai-Kinderheims kann die Echtheit gegenüber dem ARD-Studio Südasien bestätigen: "Ich erkenne unsere Kinder auf dem Foto wieder. Wir sind sehr bestürzt und verärgert." Erst durch die Recherche von ZAPP hat sie davon erfahren, dass das Foto der Kinder ohne ihr Wissen seit mehr als vier Jahren im Umlauf ist. "Als ich gehört hatte, wofür das Foto meiner Mädchen missbraucht wurde, konnte ich den ganzen Abend nichts mehr machen. Ich habe mir die ganze Zeit nur die Frage gestellt: Warum macht jemand so etwas? Ich habe mir sowohl Sorgen um meine Kinder gemacht, aber auch darüber, wie Inder in der Welt gesehen werden." Und der Vater des australischen Jungen meint: "Dass ein so schönes, vorurteilsfreies Aufeinandertreffen von Kindern in solcher Weise verdreht wird, zeigt, wie arm Rassismus ist."

Erika Steinbach äußert sich - auf Twitter

Erika Steinbach hat auf die Anfrage von ZAPP bis kurz vor der Sendung nicht geantwortet. Aber sie twittert. In einem Tweet schreibt sie: "Schlechte Recherche! Habe das Bild nicht 'garniert'. Ein besorgter Vater hat es mir in dieser Fassung gemailt!". Damit bezieht sie sich auf einen Artikel im "Stern". Hätte sie die Originalquelle des "Stern"-Artikels recherchiert - also diesen Artikel -, dann wüsste sie, dass ZAPP das auch nicht behauptet hat. Und sie legte nach, mutmaßt, es würde den Journalisten an Arbeit fehlen. Und wundert sich darüber, wofür Journalisten ihre Zeit aufwenden. Wir wundern uns auch - und zwar darüber, dass sie sich über recherchierende Journalisten wundert. Das ist unser Job. Und Originalquellen sollte jeder am besten vorm Tweeten lesen.
... und hier der NDR-Clip zur Recherche: