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Donnerstag, 14. April 2016

Schäuble und die Halbwertzeit ... - nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern ...



Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern ... - diesen Satz musste ich bereits vor 55 Jahren wahrnehmen und im wahrsten Sinne des Wortes "erfahren", als ich mit 14 Jahren die Schriftsetzer-Ausbildung bei einem Zeitungs-Verlag anfing. Damals lag irgendwann der amtierende Papst Johannes XXIII. im Sterben - und dafür stand bereits Tage vor dem eigentlichen Ableben eine EXTRA-BLATT-Titelseite bereit - damals noch ganz in Linotype-Bleizeilen, aber schon fertig "umbrochen" mit "freigeschlagenen" Zeilen für die genaue Todeszeit und -stunde und sorgfältig pietätvoll abgedeckt, um dann schnell "aktuell" bereits vor der Konkurrenz verteilt werden zu können - da war bereits der ganze "Nachruf" schon fertig gesetzt - und die entsprechenden Bilder dazu waren für den Hochdruck auf der Rotationsmaschine in Rasterpunkte geätzt und lagen bereit - und wenn Hegel schreibt, die Zeitungslektüre sei "eine Art von realistischem Morgensegen", dann legt er die metaphysische Bedeutung jener Blätter frei, in die schon am Folgetag die Wurst eingeschlagen wurde.

Bleisatz aus dem Setzkasten nach Gutenberg ...


Und das fand ich heute als Notiz in einem SPIEGEL-online-Kommentar von Sascha Lobo über die Halbwertzeit derzeitiger News-Sequenzen ... Lobo schreibt darin:

"Zugleich gerät Wolfgang Schäuble in den Sog der Panama Papers. Unter seiner Mitwirkung verhinderte die Bundesregierung offenbar ein Transparenzregister von Offshoreunternehmungen. Während die ihm unterstellte Bundesdruckerei - ein hundertprozentiges Staatsunternehmen - mit Offshorefirmen und mutmaßlich verschobenen Millionenbeträgen geradezu jonglierte. Ein Aufklärungsversuch im Jahr 2015 wurde per Anwaltsdrohung niedergerungen, und Schäuble schweigt. Der Mann also, der 100.000 Mark Barspenden für die CDU in einem Hotelzimmer von einem steuerhinterziehenden Waffenhändler entgegennahm und dann leider vergaß. Der Mann, der trotz dieses Umstands nicht müde wird, aller Welt Lektionen in Finanzmoral zu erteilen - dieser Mann hat Offshorefirmen seines eigenen Hauses nicht im Griff und schweigt dazu. Ein Superskandal - beinahe begraben." ...

Denn wegen der Sauerei, die ein sogenannter junger grüner (grün - nicht politisch sondern hinter den Ohren ...) ZDF-Kabarettist über den durchaus unsäglichen Despoten E. aus der T. ablässt, wird flugs eine solch ungeheuerliche und neuerliche Schäuble-Trickserei fast vergessen - bzw. gerät ungerechtfertigter Weise in den Hintergrund ... - ohne jede Schäuble-Konsequenz : Was früher noch ein "Abjrund von Landesverrat" war (Adenauer damals über die SPIEGEL-Abhöraffäre) ist heute ein Dreizeiler bzw. eine 100 Silben-Sequenz in den Frühnachrichten, ein paar Stunden später schon wieder abgelöst, durch eben die berühmte "Sau, die alle Augenblicke neu durchs Dorf getrieben wird" ...

Da wird auch nicht mehr innegehalten - da findet kein Atemholen - keine Zäsur - keine korrekte Konsequenz auf die jeweiligen News mehr statt: das geht nur noch wie bei Olli Kahn bereits 2001: "WEITER - IMMER WEITER"...

Sascha Lobo schreibt dann: "Natürlich kann, soll, darf über Böhmermann diskutiert werden und über Erdogan noch viel mehr. Mir geht es hier explizit nicht darum, über Wichtigkeit oder Unwichtigkeit von Themen zu urteilen. Sondern um den Eindruck, dass das immer tiefere Zusammenwirken von sozialen und redaktionellen Medien eine Sensationalismusspirale in Gang gesetzt haben. ... Es geht nicht mehr um die eine explosive Nachrichtendetonation, sondern um eine möglichst lange Kette von Explosionen."

nachrichtenmüll
Und nun tritt meine Neigung zur "Verschwörungstheorie" auf den Plan: Ich werde den Verdacht nicht los - selbst vom Setzkasten voller schwerer Gutenberg-Bleilettern vor 55 Jahren heutzutage vor einem superschnell agierenden multimedial zu fütternden PC-Desktop hockend - dass diese jeweiligen Nachricht-Sequenzen auch genauso rasch mit entsprechend programmierten "Apps" bei bedrohlichem oder "staatsgefährdenden" Nichtgefallen" und "In-die-Quere-Kommen" rasch mit neuen "Sensationsmeldungen" übertüncht werden - im Einklang mit den jeweils "kulturell" und medial Agierenden genauso wie mit den Medien und der Werbewirtschaft selbst - und mit dem wohlgesetzten aber strategisch gut platziert abgesetzten "#hashtag" in die sozialen Netzwerke ... Da geht es dann um die "Deutungshoheit" und um das "Alleinstellungsmerkmal" ...: wie im Aschenputtel beim "Rucke-die-guh - Blut ist im Schuh" ...

Wenn es solche entsprechenden "Apps" wider Erwarten noch nicht geben sollte - könnten sie in den Algorithmen-Schmieden von Silicon Valley sicherlich ausgetüftelt werden ... - ein kleines Hinweis-Honorar bitte dann an mich ... ;-))

Ach ja - ... und wie war das doch mit dem Schäuble ... ??? - S!