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Mittwoch, 1. Juni 2016

Glaubensverlust - Jesuanische Wende | impuls für die woche



Wir glauben an den einen Gott,
der Himmel und Erde geschaffen hat
und uns Menschen zu seinem Bild.
Er hat Israel erwählt,
ihm die Gebote gegeben
und seinen Bund aufgerichtet
zum Segen für alle Völker.

Wir glauben an Jesus von Nazareth,
den Sohn der Maria, den Christus Gottes.
Mit ihm kam Gottes Liebe 
zu allen Menschen,
heilsam, tröstlich und herausfordernd.
Er wurde gekreuzigt unter Pontius Pilatus,
aber Gott hat ihn auferweckt
nach seiner Verheißung,
uns zur Rettung und zum Heil.

Wir glauben an den Heiligen Geist,
der in Worten und Zeichen an uns wirkt.
Er führt uns zusammen
aus der Vielfalt des Glaubens,
damit Gottes Volk werde aus allen Völkern,
befreit von Schuld und Sünde,
berufen zum Leben in Gerechtigkeit und Frieden.
Mit der ganzen Schöpfung hoffen wir
auf das Kommen des Reiches Gottes.

Amen.

(Als Credo, bei dem das von Halbfas konstatierte „Loch“ zumindest teilweise aufgefüllt ist, verweise ich auf diesen Text, den ich im EG Kurhessen-Waldeck gefunden und in meiner früheren Gemeinde immer einmal statt des Apostolicums habe sprechen lassen ...)


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Blatt E.A., 69 x 69 cm - als "Offene Tischgemeinschaft" ...

Jesuanische Wende als Hoffnung für die Kirchen
Zur Schrift von Hubertus Halbfas, „Glaubensverlust. Warum sich das Christentum neu erfinden muss“, Patmos Verlag 2011

Eckart Emrich, Zweibrücken - Pfälzisches Pfarrerblatt


Hubertus Halbfas: Glaubensverlust,
Buchcover, Patmos
Aufmerksam wurde ich auf dies Buch, als ich in meinem Jahresbegleiter für 2014 „Weltverbunden leben“ just für den Reformationstag den folgenden Abschnitt daraus zitiert fand: „Die Wahrheit eines Christentums, das der Reich-Gottes-Verkündigung Jesu folgt, ist aus sich überzeugend. Diese Wahrheit muss nicht geglaubt, nicht bewiesen und nicht verteidigt werden. Sich auf sie einzulassen, verlangt kein Verstandesopfer, sondern Sensibilität, Mitmenschlichkeit und Mitgefühl für alles Leben. Das Christentum, das sich in dieser Rückbesinnung auf die Reich-Gottes-Thematik zu sich selbst bekehrt, ist eine Größe, die sich heute selbst noch nicht kennt. Der Weg zu dieser Selbstfindung wird schwer und irritierend sein, weil damit auf viel Zubehör, das sich in zweitausend Jahren angesammelt und Patina angesetzt hat, aus Notwendigkeit und Einsicht verzichtet wird.“ (S.29) – Sätze, die mich vor Freude durchatmen und das Buch gleich bestellen ließen!

Hubertus Halbfas, jetzt 82, war Professor für Katholische Theologie und Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Reutlingen. Für Protestanten ist er auch deshalb ein besonders glaubwürdiger Gesprächspartner, weil er seit den 60er Jahren konstant dafür eintritt, dass Kirche die Ergebnisse der historisch-kritischen Bibelforschung keinesfalls totschweigen, sondern sie pädagogisch effizient der jungen Generation vermitteln soll. Hierfür nahm er den Entzug der kirchlichen Lehrerlaubnis in Kauf, und ließ sich danach auf eigenen Antrag auch wieder laisieren.

Die zwölf Kapitel auf 120 Seiten haben meine Vorfreude gerechtfertigt. Zunächst gebe ich einen

Überblick über die Inhalte

Anfangs umreißt Halbfas die gegenwärtige Glaubenskrise, wie sie für Deutschland in den Shell-Jugendstudien von 2000 und 2010 erfasst ist. Sein Befund: Die Glaubensinhalte verdunsten in allen Generationen, weil die traditionelle Glaubenssprache („verkalkt, abgestanden, verschlissen“; 16) nicht mehr verstanden wird. Dem ist mit kosmetischen Maßnahmen nicht mehr beizukommen.

Kapitel III erläutert die grundlegende These: „Die Wahrheit des Evangeliums Jesu ist etwas anderes als die Wahrheit einer Glaubenslehre.“ Hier macht Halbfas aufmerksam auf das „Loch im Glaubensbekenntnis“, d.h. dass in den zentralen Bekenntnisformulierungen der Kirche das irdische Wirken Jesu überhaupt nicht vorkommt, sondern ersetzt ist „durch Christusdeutungen“ (18). Diese Verdrängung des historischen Jesus folgt der Glaubenslehre des Paulus, für den (nach seiner visionären Bekehrungserfahrung) nur noch Jesu Kreuzestod und Auferstehung wichtig scheinen. Damit erfährt „das Wort Evangelium (...) eine vollständige Bedeutungsverschiebung. An die Stelle der Reich-Gottes-Botschaft Jesu tritt die Verkündigung des Gekreuzigten und Auferstandenen“(21). Paulus spricht denn auch mehrfach von „meinem Evangelium“ (22), dessen Kennzeichen die Forderung ist, dass Christen den Kreuzestod und die Auferstehung Christi für die eigene Person  gläubig annehmen. Damit ist die Scheidung der Menschheit in Glaubende und Nichtglaubende gesetzt – für Zeit und Ewigkeit...

Im Kontrast dazu sieht Halbfas Jesu ursprüngliche Gottesbotschaft als egalitär, verkörpert in der „provokanten offenen Tischgemeinschaft, die Symbol und Realisation seiner Lehre war“. Denn das Reich Gottes sei für ihn „keine jenseitige Welt“ gewesen, „sondern eine Lebensweise in der Welt der Menschen“ (19). Dieses Verständnis sei am klarsten in jenen Schriften erhalten, „die im palästinischen Bereich entstanden sind: die Spruchquelle Q und das Thomasevangelium. Diese Evangelien tradieren die Reich-Gottes-Verkündigung Jesu, in der es keines Sühnetodes bedarf, um die Menschen mit Gott zu versöhnen“ (22). Damit sei das Evangelium Jesu „im eigentlichen Sinne (...) keine Lehre, sondern ein Lebensmodus, der nicht argumentativ bewiesen werden muss, weil er seine Überzeugungskraft aus sich selbst besitzt“ (23).

Paulus jedoch habe diese Lebensweise gegen eine theologische Lehre eingetauscht, und da jede Lehre Gegenmeinungen hervorruft, „nimmt das Interpretieren, Räsonnieren, Verpflichten und Verketzern kein Ende“ (23). Weitere Stationen auf dem unheilvollen Weg der Dogmenbildung folgen vor allem nach der Konstantinischen Wende, die der Kirche seit 312 Reichsgeltung verschafft und in der Folge dazu führt, dass mörderische Verfolgungen nun im Namen der christlichen Lehre erfolgen – eine unheilvolle Umkehrung der Rollen! Instrument dabei ist das Kirchenrecht, der Codex Iuris Canonici, der die Ummünzung dogmatischer Setzungen in juristische Verfolgungspraxis ermöglicht, institutionalisiert in der „Heiligen Inquisition“, die im Vatikan weiter fortbesteht unter dem Namen „Glaubenskongregation“.

Halbfas zitiert zustimmend den italienischen Philosophen Gianni Vattimo: „Die einzige uns durch die Heilige Schrift offenbarte Wahrheit, die im Laufe der Zeit keinerlei Mythisierung erfahren kann (...), ist die Wahrheit der Liebe“ (26f). Er selbst urteilt: Das „Christentum des Codex Iuris Canonici, dessen Recht nicht einmal die Persönlichkeitsrechte respektiert, wie sie vor weltlichen Gerichten gelten, (...) dieses Christentum ist zu keiner Zeit das Salz der Erde, die Stadt auf dem Berge, das Licht der Welt gewesen.“(27)

Kapitel IV, „Die Sprache des Glaubens verhindert Glauben“, ist dem katholischen „Weltkatechismus“ gewidmet, dessen Erarbeitung 1985, also 20 Jahre nach dem Abschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils, durch Papst Johannes Paul II. mittels einer Bischofssynode angestoßen und in der Folge unter der Leitung von Kardinal Joseph Ratzinger, damals Präfekt der Glaubenskongregation, erstellt wurde. Er sollte die Grundlage einer neuen Weltevangelisation sein, hat sich aber laut Halbfas als wirkungslos erwiesen, denn: er entfaltet nicht wirklich das geschichtliche Leben Jesu, ignoriert auch weiterhin die Erkenntnisse der (seit 1964/Vaticanum II immerhin auch in der Katholischen Kirche verbal anerkannten!) historisch-kritischen Bibelexegese weitestgehend, und folgt dafür gemäß alter Tradition mit den sogenannten „Mysterien des Lebens Christi“ dem liturgischen Kirchenjahr. Auch sonst bemüht er sich, die geschichtlich entstandenen Dogmen als unanfechtbar darzustellen (z.B. Mariologie, Ineinssetzung von Reich Gottes und Kirche). Halbfas urteilt daher abschließend: „Der Weltkatechismus der römischen Glaubensbehörde verrät angesichts des Standes heutiger Theologie kein sauberes Denken und zeigt, dass es in dieser Institution Vermögen und Freiheit für solche Vermittlung nicht gibt“ (38).

Nicht nur die Glaubenssprache, auch die liturgische Praxis sei „in (...) Formelhaftigkeit erstarrt“, beklagt Kapitel V „Unerkannter Austausch“ am Beispiel der Eucharistiefeier. Hatte Jesus seine Reich-Gottes-Verkündigung durch die Praxis einer offenen Tischgemeinschaft symbolisch wirksam unterstrichen, so erfolgte bald nach seinem Tod in den hellenistischen Städten eine „Einschnürung und Umdeutung“ (41), wobei auch hier wieder Paulus entscheidend formuliert: Die Mahlfeier soll vor allem den Tod Jesu verkündigen, der „für unsere Sünden“ gestorben ist. „Was aber das Leben Jesu bestimmte, blendet er aus. Das ‚Loch’ im Glaubensbekenntnis hat hier seinen Ansatz“ (42). Außerdem konstatiert Halbfas, dass die sogenannten Einsetzungsworte zum Abendmahl anachronistisch formuliert sind und mit Sicherheit nicht von Jesus stammen, sondern „ihm aus anderen Denkhorizonten einer bereits kultisch gewordenen Praxis in den Mund gelegt“ wurden (41). Daraus entwickelte sich nach der platonischen Denkfigur von Urbild und Abbild die Vorstellung einer realen Gegenwart Jesu in der Eucharistie. Und der Zelebrant, der diese Wesensverwandlung von Brot und Wein durch die „konsekratorischen“ Worte vollzog, wurde dadurch über alle anderen Teilnehmer erhoben (42).  Zusammenfassend plädiert Halbfas zur Rückkehr zum historischen Jesus und seiner egalitären Mahlpraxis, die „den Willen Gottes in den Alltag dieser Welt einschreibt“ (45).

Kapitel VI ist überschrieben in Anlehnung an Nietzsche: „Jesus starb, wie er lebte, wie er lehrte – nicht um die Menschen zu erlösen, sondern um zu zeigen, wie man zu leben hat.“ Somit ist die Deutung seines Todes als Sühnopfer durch Paulus „schwach fundiert“, und man kann sie auch „religionsgeschichtlich (...) nur als Rückschritt verstehen“ (48f). Jesus fordert nirgendwo Sühne, sondern Einsicht und Umkehr. Gegenüber dem alttestamentlichen Opferbetrieb der Priester steht er in der Linie der Propheten, die „verlangten (...), die eigenen Beziehungen zu den Mitmenschen und zu Gott zu läutern (52). Gefragt sind Liebe und Barmherzigkeit, der Sühnopfergedanke dagegen belastet und verzerrt das Gottesbild (50).



Kapitel VII „Die Gottesbotschaft Jesu ist egalitär. Sie sprengt alle Trennungen und führt in die Völkerwelt“ unterstreicht, wie es Jesus kaum um Juden oder Nichtjuden geht, „sondern generell um Menschen (58). Im Sinn der Goldenen Regel argumentiert Jesus allgemein-menschlich, so z.B. in den großen Gleichnissen vom Samariter oder vom Verlorenen Sohn. „Für den Erzähler und Weisheitslehrer Jesus ist Gott eingeschrieben in die Alltäglichkeit des menschlichen Lebens. Damit sei (mit dem katholischen Neutestamentler Paul Hoffmann) „letztlich jedem Erwählungsglauben der Abschied gegeben“ (59).

In den beiden folgenden Kapiteln geht es Halbfas um Verständigung mit den außertheologischen Wissenschaften: VIII „Theologie ist Anthropologie. ‚Gott’ verstehen wir nur soweit, als wir uns selbst in der von uns begriffenen Welt verstehen“ (63ff), und IX „Das neuzeitliche Denken 'kennt keine Fakten, die zwar in der Geschichte stehen, aber nicht aus der Geschichte stammen'“ (mit Ernst Troeltsch, S.74ff).

Auf Basis dieser Darlegungen folgt mit Kapitel X „Wahrheit verlangt Wahrhaftigkeit“ nochmals massiv die Abrechnung mit der (vor allem katholischen) „Unredlichkeit im Umgang mit der Lehre“, die im „Machtwille(n) zur Absicherung einer Weltansicht“ wurzle und „der vielleicht wichtigste Grund für die Glaubenskrise“ sei (80). Die protestantische Bibelexegese kommt hier natürlich gut weg, zu den Ethik-Themen Sexualität und Ehe allerdings findet Halbfas, die evangelische Kirche habe sich da nicht genügend von der katholischen distanziert und sei damit gleichermaßen vom Vertrauensverlust betroffen (91).

Im vorletzten Kapitel XI „Reformunwillig und reformunfähig?“ beleuchtet Halbfas noch einmal kritisch die negative Langzeitwirkung des Pontifikats von Johannes Paul II. (erst kürzlich heilig gesprochen!) sowie auch von Benedikt XVI.. Seine düstere Analyse mündet in den Satz: „Doch ohne Systembruch gibt es kein Überleben“(100). – Die Ablösung von Benedikt durch Franziskus erfolgte erst nach Erscheinen des Buches.

Kapitel XII „Wege aus der Sackgasse“ bewegt sich naturgemäß in Andeutungen. Auch für Protestanten interessant sind die Hinweise auf das Erzbistum Poitiers in Frankreich, wo Erzbischof Albert Rouet seit über zehn Jahren sehr ungewöhnliche Wege begeht. Angesichts des katastrophalen Priestermangels setzt er entschieden auf das Potential der Laien. In Abkehr vom Modell Pfarrgemeinde (die ja immer riesiger definiert wird) wird die Gründung von Örtlichen Gemeinden freigegeben. Bedingung sind dabei fünf Verantwortliche, die die leitende Equipe bilden und alle wesentlichen Funktionen einer christlichen Gemeinde zu organisieren haben. Folge: „Im Erzbistum Poitiers wird in jeder örtlichen Gemeinde jeden Sonntag Gottesdienst gefeiert“ (111). – In diesem Zusammenhang appelliert Halbfas: „Die reformatorischen Kirchen würden der Catholica im Übrigen erhebliche Hilfe entgegenbringen, wenn sie ihrerseits weniger ‚Pastorenkirche’ wären“ (112).

Weitere Anregungen sind: In die Gottesdienste meditative Elemente einbauen; eine Gebetssprache, die nicht länger Gott einen Bittenkatalog vorträgt, sondern zum eigenen Engagement anleitet. Abendmahlsfeiern gestalten, die von der bisherigen Anlehnung an das vermeintlich „letzte Abendmahl“ (sowohl evangelisch als katholisch) abgehen und sich stattdessen an der offenen Tischgemeinschaft Jesu als Symbol des Reiches Gottes orientieren. Und: Die Christologie neu entdecken als Entwurf einer allgemeinen Anthropologie, in Anlehnung an den Mystiker Meister Eckhart.


Die Relevanz des Halbfas'schen Entwurfs am Beispiel des Reformationsjubiläums

Was erwartet uns im Thesen-Jubiläumsjahr 2017? Ich bin, zumal als Ruheständler, nicht in Vorbereitungs-Aktivitäten eingebunden. Aber was ich bisher aus der Distanz mitbekomme, erweckt nicht gerade eine Vorfreude auf richtungsweisende Neuentdeckungen, sondern eher die Furcht vor gequälten Pflichtübungen, die nichts nachhaltig voran bringen.

Hier bieten Halbfas' Analysen zur Glaubenskrise der Gegenwart m.E. wichtige Ansatzpunkte. Die Bedeutungsverschiebung des Begriffs „Evangelium“ von Jesu befreiender, von charismatischem Handeln begleiteter Reich-Gottes-Botschaft hin zur Theologie des Paulus, die nur noch um Kreuz und Auferstehung kreist, kommt mir in der Tat enorm vor – zumal die paulinische Theologie mit Sicherheit auch auf die Gestaltung der Evangelien sowie deren Rezeption erheblichen Einfluss genommen hat, ähnlich wie im AT die in der Josia-Zeit dominant gewordene deuteronomistische Theologie auch ex post die Endredaktion der „Geschichtsbücher“ ab Exodus geprägt hat. – Halbfas konstatiert (S. 21): „Von den rund 620 Seiten der Bultmannschen ‚Theologie des Neuen Testaments’ sind nur 34 Seiten Jesus und seiner Lehre gewidmet, alles Übrige ist paulinische Theologie.“ Dem entspricht Martin Kählers Charakterisierung des Markus-Evangliums als „Passionsgeschichte mit ausführlicher Einleitung“. Von daher könnte man das Verständnis des Neuen Testaments bis heute durchaus „pauluslastig“ nennen.

Und Martin Luther ist natürlich von der so verstandenen christlichen Glaubenslehre geprägt – und zwar einschließlich seiner reformatorischen Entdeckung der Rechtfertigung sola fide! Seither sind die reformatorischen Kirchen zwar von den Auswüchsen des katholischen Bußinstituts befreit – aber an der Last des „Wir sind allzumal Sünder...“ (Röm 3,23) tragen wir noch heute (fast) alle.

Die Gegenüberstellung von „pauluslastig“ vs. „jesusgemäß“ vermag ich in all ihren Konsequenzen gewiss nicht zu umreißen. Hinweisen möchte ich nur auf die Dominanz des Individualismus als Folge der paulinischen Rechtfertigung des Sünders allein aus Glauben – im Gegensatz zur kollektiven Glaubens- und Lebensfreude etwa in lateinamerikanischen Basisgemeinden. Als Kostprobe empfehle ich das Abendmahlslied EG 229 „Kommt mit Gaben und Lobgesang“ aus Jamaica, zu begleiten möglichst nicht mit Orgel, sondern mit Gitarren und Schlagzeug, und den Kehrvers jeweils wiederholt.

Kardinal Marx hat kürzlich gemeint, die getrennten Kirchen könnten 2017 vielleicht doch gemeinsam feiern – dann aber kein Luther-Fest, sondern ein Christus-Fest. Ich erlaube mir die Modifikation: Ein Jesus-Fest! Beziehungsweise, weil die verbleibende Zeit gewiss nicht ausreichen wird, all das in zweitausend Jahren angesammelte „Zubehör“ samt angesetzter Patina zu entsorgen (siehe das eingangs angeführte Halbfas-Zitat, S.29) – wie wäre es, wenn man sich darauf einigen könnte, sich gemeinsam auf den Weg zu einer jesusgemäßen Kirche zu begeben und das Jahr 2017 darin einzubeziehen?! Ich denke, das wäre der Anfang zu einer neuen, so weit wie möglich gemeinsamen Reformation!








Siehe dazu auch diesen Aufsatz von Claus Petersen zum "Reich Gottes"