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Dienstag, 1. November 2016

Lessing: Religion Jesu und die "christliche Religion" ...





„Folglich sind die Religion Christi und die christliche Religion zwei ganz verschiedene Dinge.“ – Gotthold Ephraim Lessing, Die Religion Christi (1780)

Die „Religion“ Jesu und die „Religion“ der christlichen Kirche sind durchaus nicht identisch. Das hat wohl erstmals und in großer Klarheit Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) erkannt. Er geht sogar so weit zu behaupten, dass „die Religion Christi und die christliche Religion zwei ganz verschiedene Dinge“ sind. 1784, drei Jahre nach seinem Tod, erschien im „Theologischen Nachlass“ ein Fragment, aus dem hervorgeht, dass er in völlig neuer Weise das Christentum auf die Lehre seines Stifters selber zu gründen suchte. Scharf hebt er die „Religion Christi“ (so der Titel seiner Thesen; wir würden heute formulieren: „Die Religion Jesu“) von der „christlichen Religion“ ab, die „ihn selbst als solchen zu einem Gegenstande ihrer Verehrung macht“. Die acht Paragrafen dieses knappen, aber überaus bedeutsamen Fragments lauten:


§ 1
Ob Christus mehr als Mensch gewesen, das ist ein Problem. Dass er wahrer Mensch gewesen, wenn er es überhaupt gewesen; dass er nie aufgehört hat, Mensch zu sein: das ist ausgemacht.

§ 2
Folglich sind die Religion Christi und die christliche Religion zwei ganz verschiedene Dinge.

§ 3
Jene, die Religion Christi, ist diejenige Religion, die er als Mensch selbst erkannte und übte; die jeder Mensch mit ihm gemein haben kann; die jeder Mensch um so viel mehr mit ihm gemein zu haben wünschen muss, je erhabener und liebenswürdiger der Charakter ist, den er sich von Christo als bloßen Menschen macht.

§ 4
Diese, die christliche Religion, ist diejenige Religion, die es für wahr annimmt, dass er mehr als Mensch gewesen, und ihn selbst als solchen, zu einem Gegenstande ihrer Verehrung macht.

§ 5
Wie beide diese Religionen, die Religion Christi sowohl als die Christliche, in Christo als in einer und eben derselben Person bestehen können, ist unbegreiflich.

§ 6
Kaum lassen sich die Lehren und Grundsätze beider in einem und eben demselben Buche finden. Wenigstens ist augenscheinlich, dass jene, nämlich die Religion Christi, ganz anders in den Evangelisten enthalten ist als die Christliche.

Rembrandt: Jesus von Nazareth

§ 7
Die Religion Christi ist mit den klarsten und deutlichsten Worten darin enthalten;

§ 8
Die Christliche hingegen so ungewiss und vieldeutig, dass es schwerlich eine einzige Stelle gibt, mit welcher zwei Menschen, so lange als die Welt steht, den nämlichen Gedanken verbunden haben.


Es ist unbekannt, in welcher Form Lessing die – in der von ihm gern benutzten thesenhaften Form niedergeschriebenen – Gedanken, die das Christentum – auf ungewohnte Weise – in seinem Uranfang, nämlich bei seinen „Stifter“ zu erfassen suchen und die die Konsequenzen einer historischen Betrachtungsweise, wie er sie leidenschaftlich verfolgte, ganz klar erkennen lassen, veröffentlichen wollte.

Karl Lessing druckte das Fragment erstmal 1784 im „Theologischen Nachlass“. Er datierte das heute nicht mehr vorhandene Manuskript auf 1780; diese Datierung erscheint als nicht unwahrscheinlich.
(Helmut Göbel in: Gotthold Ephraim Lessing, Werke in drei Bänden. Band III: Geschichte der Kunst, Theologie, Philosophie, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2003, 809)

Quelle: www.reich-gottes-jetzt

der amtierende papst hat es erkannt: "Dankbar erkennen wir an, dass die Reformation dazu beigetragen hat, die Heilige Schrift mehr ins Zentrum des Lebens der Kirche zu stellen. Durch das gemeinsame Hören auf das Wort Gottes in der Schrift hat der Dialog zwischen der Katholischen Kirche und dem Lutherischen Weltbund, dessen fünfzigjähriges Bestehen wir feiern, wichtige Schritte zurückgelegt," predigte er beim treffen mit dem lutherischen weltbund in lund (schweden) - und machte damit öffentlich, was ja viele hinter vorgehaltener hand schon wussten: so viel bibelfestigkeit wie die protestanten haben die katholischen geschwister nicht ...

noch immer wird die bibel während der messe geküsst und in die höhe gehalten, als sei es eine geheime zu verehrende reliquie ... und nach jedem satz fällt man in einen singsang: "wort-des-lebendigen-gottes" -  aber martin luther hat diese bibel ins deutsche übersetzt, damit alle menschen sie lesen können ...- und nicht nur "geweihte" und schriftkundige - und es ist klar, dass diese schrift auch nur das politisch durchwirkte machwerk einiger antiker redakteure und schriftkundigen ist, die die diktierten theologischen ergüsse eines paulus oder anderer menschen (!) gegen knete zu pergament gebracht haben ... - zumeist in aramäisch - nicht in griechisch und latein ...

und dabei kam dann endlich das heraus, was gotthold ephraim lessing 1780 formulierte: die mit dogmen gepflasterte "christliche religion" hat mit der religion und philosophie des jesus von nazareth nicht allzu viel zu tun: man nennt sich christlich - aber es ist kein jesus drin ...

wir sehen das ja im gemeinsamen glaubensbekenntnis: da werden die eckdaten von jesu leben angesprochen: geboren - gestorben - begraben - "auferstanden" - "aufgefahren" - von dort wird er kommen ... - zu richten ...: von der bergpredigt steht im glaubenbekenntnis nichts, von jesu liebe, von seinen gleichnisreden - nothing ...

"christus" ist eine erfindung des paulus von tarsus, der jesus selbst nie kennenlernte - aber um ihn herum rasch ein theologisches machwerk zusammenzimmerte, mit richtern und strafe, und buße und furcht - und baute jesus in dieses gebäude quasi als schöffe mit ein ... - das wurde aus machtgründen gern von der alten kirche in rom aus machtgründen angenommen ...

jesus hat von seinem vater nie als den strafenden rachsüchtigen gott gesprochen - er nannte ihn zärtlich " abba - papa" - und deshalb kann paulus sühneopfer-lehre nur so etwas von falsch sein: jesus sei bewusst vom Vater in den tod getrieben worden zur vergebung aller menschlichen sünden - und nun gutt iss ... wir kriegen und schlachten und beichten - fertig ... 

das hat nichts mit dem liebenden jesu und seinem liebenden vater gemein: natürlich ist damit nicht gemeint: wir haben uns alle lieb ... - aber respekt, demut und so etwas wie ehrfurcht - und friedfertigkeit ... - und die abrechnung mit dem teufel mammon und all seinen erscheinungen ... - wenn ihr versteht was ich meine ... S!