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Sonntag, 11. Dezember 2016

Sexualbegleitung - was ist das denn ... ???


tja - ich habe bis vor rund 8 jahren insgesamt 40 lange jahre in heimbereichen bei und mit geistigbehinderten menschen gearbeitet ...

es waren immer institutionen christlicher prägung, bei denen ich angestellt war, und da wurde sexualität aus dem alltagserleben der klientel weitestgehend ausgesperrt bzw. verschwiegen ...

allerdings haben wir auf eigeninitiative schon vor ca. 35 jahren einmal einen "wohngruppen-elterntag" zum thema "sexualität" in einem haus für schwerstmehrfachbehinderte kinder und jugendliche durchgeführt - und unsere hausleitung - eine diakonisse - gab dazu ein für damalige verhältnisse sehr offenes und liberales statement ab - wir waren also in gewissem sinne unserer zeit voraus ...

ansonsten gab es da wohl eher so eine art verdeckte wisper- und nischenkommunikation zu diesem thema damals unter der mitarbeiterschaft - etwa mit folgenden inhalten: 
  • stellt euch vor: in den niederlanden soll es tatsächlich aktive "sexualbegleiterinnen" und "sexualbegleiter" geben ... - 
  • und aus dem hause x fahren an jedem freitag bewohner in die stadt zu einem bordell - und werden da von einer mitarbeiterin hin begleitet, aber davon darf die leitung nichts erfahren ...  
  • es wurde oft abgewogen, unter welchen umständen wohnbereichs-mitarbeiterinnen und -mitarbeiter der klientel beim masturbieren behilflich sein dürfen, damit die/der bewohner(in) zum ersehnten orgasmus gelangt ... - besonders welche rechtlichen problematiken da hineinspielen (sexuelle nötigung, abhängigkeit, missbrauch u.a.m.)
  • einige hau-ruck-9x-kluge-sozialarbeiterinnen setzten dann ohne vorwarnung zu einem "aufklärungswochenende für paare" den "pro-familia"-utensilienkoffer ein - allerdings suchte danach dann eine der beteiligten behinderten frauen den dort vorgeführten holzpenis zum üben des kondomüberstreifens bei ihrem freund anschließend in "real life" in seiner hosentasche: "wo hast du den versteckt?" ... 
  • alle wussten, dass es wohl nachts selbstständige rege zwischenmenschliche besuche zwischen einzelnen "fitten" bewohnerinnen und bewohnern gab - das war nichts spektakuläres ... - da bekamen allerdings die frauen meist ohne ihr konkretes wissen die pille zur verhütung verschrieben, kondome wurden (noch) nicht verteilt ...
  • hin und wieder kam es auch zu sexuellen übergriffen, die sogar auch vor gericht verhandelt werden mussten, aber meist straffrei ausgingen aufgrund der vorliegenden behinderungen ...
  • oft bis in die 70er-/80er jahre wurden sogar jegliche sexualpraktiken zwischen dem behinderten klientel rigoros unterbunden - zum teil von schaurigsten geschichten begleitet ...
insgesamt spielte sexualität der behinderten klientel untereinander kaum eine angemessene rolle - das lag (und liegt ...) auch an einer zumeist wenig sinnlich-erotischen und sexualität oft ausklammernden heilpädagogisch "jobmäßig"-professionellen und "sachlichen" begleitung durch das wohnpersonal - zumeist nicht ausgewogen auf beide geschlechter verteilt - da hier mangels geeigneter weitergehender berufsaussichten zumeist frauen als "quereinsteigerinnen" und leider deutlich weniger männer tätig werden, was insgesamt dann nur wenig beispielgebend für diesen erotisch-sinnlichen lebensaspekt gelebt werden kann.

dieses wenig familiäre und leibferne und insgesamt zwar bis in intime bereiche reichende aber berührungsarme klima in den wohngruppen schaffte insgesamt so oft eine regelrechte asexualität ... 

jedenfalls wurde eine alltäglich geistlich-religiöse tagesausrichtung und einübung von der mitarbeiterschaft wesentlich selbstverständlicher gelebt und erwartet - worauf dann oft regelrecht überstülpend und vereinnahmend mit weitaus mehr eifer und anerkennung und "fachlichkeit" hingewirkt wurde ... 

von daher begrüße ich den folgenden in meinen augen immer noch nicht selbstverständlichen und mutigen bericht in "bento", dem jungen "spiegel"-angebot, wo nun ganz unverblümt eine "sexualbegleiterin" vorgestellt wird. 

der mensch ist ein ganzheitliches wesen - selbst kinder haben "sexuelle" gefühle - und natürlich auch menschen mit verschiedenen behinderungen. und diese "ganzheitlichkeit" ist uns mit der schöpfung mitgegeben - und sollte von daher bedacht und umfassend reflektiert werden, auch schon in den einschlägigen ausbildungen für begleiter und pfleger ...

der bento-beitrag zeigt meines erachtens eine positive entwicklung an, heraus aus der porno- und schmuddelkiste ...

auch beim stichwort "inklusion" reicht der mensch ja nicht nur vom kopf bis zum bauchnabel abwärts - sondern auch weiter unten existiert er durchaus - und hat gefühle, die augelebt werden wollen ... - alles andere - eventuell sogar eine medikamentöse sexuelle "ruhigstellung", ist unmenschlich ... S!



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