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Samstag, 10. Dezember 2016

mit was lässt sich dieses geschlecht vergleichen? - inspiration





was war das für mich als blogger und meinen themen hier wieder einmal für ein merk- und denkwürdiger tag: da benennt die gesellschaft für deutsche sprache "postfaktisch" zum wort des jahres 2016 - und kurze zeit später nehme ich die brandrede vom vortag wahr, die der freiburg-trainer christian streich gegen die grassierende fremdenfeindlichkeit und seine angst zu den zuständen in der gesellschaft bei einer pressekonferenz geäußert hat - 

und zu diesen ja irgenwie miteinander verwandten themen stoße ich am abend im "evangelium tag für tag" (link - dort auf den 09.12. gehen) auf das folgende "zu-fällige" motto, das dann den tag abschließen sollte: 
"Mit wem soll ich aber dieses Geschlecht vergleichen? Es ist den Kindern gleich, die auf dem Markt sitzen und rufen den andern zu: Wir haben euch aufgespielt und ihr habt nicht getanzt; wir haben Klagelieder gesungen und ihr habt nicht geweint. Denn Johannes ist gekommen, aß nicht und trank nicht, und sie sagen: Er ist von einem Dämon besessen. Der Menschensohn ist gekommen, isst und trinkt, und sie sagen: Siehe, dieser Mensch ist ein Fresser und Weinsäufer, ein Freund der Zöllner und Sünder! Und doch ist die Weisheit gerechtfertigt worden aus ihren Werken." (matthäus 11, 16-19 - luther 2017)
also auch jesus kannte bereits "implizit" diesen begriff des "postfaktischen": wie man es auch dreht und wendet, man kann es niemals allen recht machen weil jeder aus seiner perspektive etwas anderes sieht - und all die tatsächlichkeiten und fakten und wahrheiten werden in einem ganz bestimmten sinne von jederfrau und jedermann interpretiert oder verdreht - oder werden nicht mal wahrgenommen und ignoriert ...: wer fastet und sich nachhaltig "bio-ökologisch" und vielleicht sogar schon "vegan" wie eben dieser johannes der täufer ernährt - zu seiner zeit sicherlich ein radikaler "grüner" - der wird verdächtigt, von einem "dämon" besessen zu sein - der isst nicht "richtig" - und wer sein "licht nicht unter den scheffel stellt" - und fröhlich lebt und mitfeiert im gemeinsamen mahl und kein trübsal bläst - wie jesus und seine freundinnen und freunde das taten, der ist "ein fresser und weinsäufer, ein freund der zöllner und sünder" - und heute würde man von bestimmten menschen sicherlich mutmaßen: "ein freund der flüchtlinge und ausländer" - i-gitt-i-gitt ...


wir denken ja oft genug: "schlimmer kann es nicht mehr kommen ... so unmöglich wie heutzutage war es noch nie" - aber lesen gleichzeitig in diesen 2000 jahre alten texten die bereits fast gleiche problematik: die kinder spielen auf - aber niemand tanzt mit - und wenn die kinder leid erfahren und klagen und weinen oder im mittelmeer ersaufen, bekümmert das niemanden und man hastet im alltag fort und fort - und hält das für "normal" ...

es ging also schon damals nicht um die "fakten", um die wahrheiten und tatsachen, sondern es wurde auch nach gruppenzugehörigkeit je nach "gefühl" und "zeitgeist" re-agiert - was man im wahrsten sinne des wortes nicht "wahr-nehmen" wollte, wurde eben aus dem fokus ausgeblendet - und der gesichtskreis entsprechend willkürlich verkleinert: "was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß" ...

und heutzutage: die mehreren tausend toten flüchtlinge im mittelmeer nach der "erfolgreichen" schließung der balkanroute - und in freiburg die trauer eines vaters um seine tochter, die zuvor beide dort flüchtlinge betreut hatten - und der deshalb nun auf der trauerfeier für seine dann gewaltsam getötete tochter in unwissenheit zum vermeintlichen täter u.a. auch für eine organisation sammeln ließ, die geld für eben diese flüchtlinge spendet ... 

aber - welch tragische verstrickung: der verdacht der täterschaft fällt ein paar tage nach der trauerfeier für das opfer ausgerechnet auf einen jungen mann aus afghanistan ... - und nun wird dieser verzweifelte vater doch tatsächlich im nachhinein als krankhaft - mit "pathologischer realitätsverweigerung" behaftet - von einem afd-landtagsabgeordneten aus mecklenburg-vorpommern  bei twitter beschimpft und verunglimpft ... - ja - bei so viel tumber postfaktizität: mit wem soll man "dieses geschlecht" - dieses gesindel - vergleichen: also beim klagelied des vaters um sein kind und der anschließenden tragischen verquickung halten manche nicht einmal inne und reagieren stattdessen schadenfroh mit abfälligen kommentaren in ihren "sozialen" netzwerken ...



und der trainer christian streich wird aufgrund seiner brandrede nun verhöhnt in den entsprechenden kommentaren in einschlägigen medien: ihm wird jede zivilcourage abgesprochen - dass er sich überhaupt äußert zu dem fall, sei eine anmaßung als fußballlehrer und ein "missbrauch" der pressekonferenz zum vorbericht für ein fußball-"spiel" - und das äußern mal so nebenbei ein paar aufgehetzte permanent-kommentarschreiber anonym, die tagsüber bestimmt ganz "seriösen" berufen nachgehen - aber ein fußball-trainer darf nur über fußball reden - und hat die opfer in freiburg in der nachbarschaft tunlichst zu beschweigen ...

und immer noch stellt sich die frage: mit was lässt sich dieses geschlecht - dieses gesindel - vergleichen? S!