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Freitag, 2. Dezember 2016

Otto Dix (125)

Schonungsloser Realist

Vor 125 Jahren wurde Otto Dix geboren – Kunst gegen Militarismus

Unbequem, sperrig, berüchtigt: Mit verstörenden Kriegsbildern und schonungslosen Porträts entlarvte Otto Dix das Deutschland des 20. Jahrhunderts. Vor 125 Jahren wurde er in der Nähe von Gera geboren.


Wahrheitssuche. Dix-Selbstbildnis aus dem Jahr 1942. -FOTO: KUNSTMUSEUM STUTTGART


»Die Neue Sachlichkeit, das habe ich erfunden«, soll Otto Dix für sich reklamiert haben. Sein monumentales Triptychon »Großstadt« im Kunstmuseum Stuttgart vereint die Facetten seiner beißenden Gesellschaftskritik wie kein zweites Werk. Dix scheut sich nicht, rohe Gewalt, nackte Angst und die Not des Proletariats sowie die aufgestaute Lebensgier einer Großstadtbourgeoisie abzubilden. »Dix suchte das Typische seiner Zeit in den Extremen«, fasst Direktorin Ulrike Groos zusammen.

Im Kaiserreich in Dresden ausgebildet, sei er zum »berüchtigten Malerstar der Weimarer Republik« avanciert, sagt Olaf Peters vom Institut für Kunstgeschichte der Uni Halle-Wittenberg. Seine dadaistischen und schonungslos wirklichkeitsnahen Kriegsbilder seien skandalisiert worden. »Seine Porträts galten als zu entlarvend und sein zunehmend altmeisterlicher Stil wurde von linken Kritikern als reaktionär verunglimpft.« In Abkehr von Expressionismus und Dadaismus wollte Dix die Weimarer Republik so zeigen, wie er sie sah.

Otto Dix wurde 1891 in Untermhaus bei Gera geboren und starb im Sommer 1969 mit 77 Jahren in Singen am Bodensee. Der Realist und Expressionist ist der einzige deutsche Maler der Gegenwart, der sowohl in der DDR als auch in der Bundesrepublik ausstellte und offiziell anerkannt wurde. Obwohl er im Westen lebte, reiste er regelmäßig nach Dresden, wo er ein Atelier hatte. Später war es sein ausdrücklicher Wunsch, dass Stuttgart Standort seines Hauptwerks »Großstadt« wird. Dort porträtiert er gleichermaßen Dirnen, Verbrecher und Spießbürger.

Mehr als 400 Arbeiten umfasst die Geraer Sammlung. Der 300 Werke umfassende Bestand des Kunstmuseums Stuttgart gilt als weltweit bedeutendster Fundus – mit dem »Selbstbildnis als Soldat« und dem »Bildnis der Tänzerin Anita Berber«.

Viele Dix-Werke sind Anklagen gegen Krieg und Militarismus. Besonders der Erste Weltkrieg, dessen Gräuel Dix als Soldat an der Front erlebte, hinterließ tiefe Spuren. Dix malte ausgemergelte Strichmädchen, vergnügungssüchtige Großstadtmenschen zwischen Luxus und Elend, aber auch Selbstmörder. 1934 verhängten die Nazis ein Ausstellungs- und Malverbot. Viele seiner Werke wurden aus den Galerien verstoßen, als »entartete Kunst« diffamiert und verbrannt. Dix ging in die innere Emigration. »Ich sitze immer zwischen den Stühlen«, soll er über sich selbst gesagt haben. »Er war einer der ersten Künstler, der die Schrecken des modernen Krieges und die zerrissene Nachkriegsrealität in seinen Werken festgehalten hat«, betont Ulrike Groos. Viele Werke klagten die Sinnlosigkeit des Krieges, seinen falschen Heroismus und die technisierte Wucht der Vernichtung an. Dix sei aber auch ein begnadeter Porträtmaler gewesen.

Zum 125. Geburtstag gibt es bundesweit zahlreiche Ausstellungen. So zeigt die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf vom 11. Februar bis 14. Mai eine große Schau mit dem Titel »Otto Dix – Der böse Blick«. In Friedrichshafen beginnt heute eine große Retrospektive mit mehr als 400 Arbeiten im Zeppelin-Museum (bis zum 17. April). Ebenfalls heute wird in Gera das Geburtshaus mit einer Sonderausstellung zu den Silberstiftzeichnungen wiedereröffnet. (Text: dpa - WESTFALEN-BLATT)



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