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Freitag, 9. Dezember 2016

"Postfaktisch" [ˈpɔstˌfaktɪʃ] ist Wort des Jahres 2016

Bilderrätsel zu "post|fuck|tisch" - S!

[ˈpɔstˌfaktɪʃ]

Gesellschaft für deutsche Sprache

"Postfaktisch" ist Wort des Jahres 2016

Brexit, Trump, Pegida, AfD, Le Pen: Sie profitieren, wenn gefühlte Wahrheiten wichtiger sind als Fakten. Ein tiefgreifender Wandel, fand die Jury des Wort des Jahres.


Der Begriff "postfaktisch" [ˈpɔstˌfaktɪʃ] ist zum Wort des Jahres 2016 gekürt worden. Das gab die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) bekannt. In politischen und gesellschaftlichen Diskussionen gehe es zunehmend um Emotionen anstelle von Fakten, hieß es in der Begründung der Philologen. Immer größere Bevölkerungsschichten seien aus Widerwillen gegen "die da oben" bereit, Tatsachen zu ignorieren und sogar offensichtliche Lügen zu akzeptieren. Insofern stehe das Wort für einen tiefgreifenden politischen Wandel.

Die Gesellschaft wählte das Wort des Jahres erstmalig 1971 aus, seit 1977 sucht die Jury alljährlich aus Tausenden Vorschlägen Wörter und Wendungen heraus, die das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben sprachlich besonders bestimmt haben. 2015 lag der Begriff "Flüchtlinge" ganz vorn. "Postfaktisch" hatte es vor kurzem in der englischen Übersetzung post-truth schon zum International Word of the Year 2016 gebracht.

Auf Platz zwei der Liste der Gesellschaft landete das Kunstwort "Brexit", mit dem der geplante Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) bezeichnet wird. Das vorangegangene Referendum sei zugleich ein "Triumph postfaktischer Politik" gewesen, denn die Befürworter seien mit zum Teil gezielten Fehlinformationen vorgegangen. Auf Platz drei wählten die Experten den Begriff "Silvesternacht", mit dem nach den massenhaften Übergriffen auf Frauen vor allem in Köln nun neue, unerfreuliche Assoziationen verbunden seien.

Für die Auswahl entscheidend ist der Sprachgesellschaft zufolge nicht die Häufigkeit eines Ausdrucks, sondern vielmehr seine Signifikanz, Popularität und sprachliche Qualität. So war die Berliner "Lichtgrenze" zum Mauerfall-Jubiläum das "Wort des Jahres" 2014. Den sprachlichen Nerv der Zeit hatten in den Jahren zuvor – nach dem Urteil der Jury – die Abkürzung GroKo für Große Koalition (2013), die Rettungsroutine (2012) und der Stresstest (2011) getroffen.

Eine andere Jury aus Sprachwissenschaftlern und Journalisten kürt zudem jedes Jahr ein "Unwort". Am 10. Januar wird die Entscheidung für 2016 bekanntgegeben. zeit.de


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ach - ich habe es kommen sehen - ich habe "postfaktisch" geradezu in echt postfaktisch gefühlt (beweis): ich fühlte sein herannahen. die medien hatten es gut und inflationär platziert - immer wieder - und als ich dann endlich wikipedia zu rate zog, was das eigentlich sei, wurde mir auch klar, warum ich das erst nachschauen musste: "postfaktisch" ist quasi selbstredend postfaktisch - ist eigentlich nur ein eindruck, ein anflug, ein gefühl, ist unsachlich (!), eine anstachelung, aber eben keine korrektheit, keine nachprüfung auf den wahrheitsgehalt - es würde einem us-film-kreuzverhör kaum standhalten: ist so mehr aus dem "lamäng" - oder früher sagten wir: "ich hatte es im urin", "da lag was im busche", "ich wusste plötzlich, wo der hase langlief" - ich hatte da so eine unwillkürliche ahnung, da war so ein fingerzeig ...

tja - eigentlich habe ich eine heimliche hochachtung vor solchen "ahnungen" und "annahmen" und "fingerzeigen": und kein geringerer als anselm grün würde diese "hinweise" als "sprache der seele" beschreiben - als dialog mit gott himself ...

aber 2016 wird "postfaktisch" nicht mit unserem himmlischen "godfather" in verbindung gebracht - sondern eher mit seinem gegenteil und dessen konsorten ...

afd und pegida schreien in deutschland "lügenpresse" - weil die gemeldeten "fakten" gar nicht interessieren, sondern sie ihren "postfaktischen" "wahrheiten" - ihren verwirrten gefühlen nacheifern: wenn man ihnen nachweist, dass die anzahl der übergriffe und gewalttaten von asylanten und migranten proportional nicht höher liegen als die der von der "ur-deutschen" bevölkerung begangenen, schreien sie "lügenpresse" - und wenn die polizei ein brutales überwachungsvideo veröffentlicht, auf dem junge männer eine junge frau in berlin-neukölln die treppe zu einem u-bahnsteig heruntertreten, wissen die postfaktisch fühlenden, dass es sich dabei um eine "migranten-gang" handeln muss - ohne dass bereits ein täter davon erkannt wurde...

aber nun gut - ich schätze mal - ganz postfaktisch und in aller bescheidenheit - dass 80 % der in deutschland beheimateten (!) bevölkerung irgendwann in der ahnenkette einen migrantions-fall hatten - und es somit diese postfaktisch angenommenen  braven "ur-deutschen" gar nicht - oder nur sehr selten - gibt -
aber zu diesem geschreibsel hier kann ich mit fug und recht sagen: es ist ein "post" - faktisch in meinem blog ... - oder so ... S!

"postfaktisch" - das schon wieder um-die-ecke-gebrachte wie-wort ... click here