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Donnerstag, 15. Dezember 2016

und die musik spielt dazu ...

Musikhochschule Detmold

Ex-Rektor mit brauner Vergangenheit

Musikhochschule Detmold: Bielefelder Historiker legt erste Ergebnisse seiner Forschungen über Martin Stephani (* 2. November 1915 in Eisleben; † 9. Juni 1983) vor. Die komplette Aufarbeitung erscheint im Frühjahr 2017 als Buch

Von Dirk-Ulrich Brüggemann

Fast ein Jahr lang hat sich der Bielefelder Historiker Hans-Walter Schmuhl mit der NS-Vergangenheit des langjährigen Rektors der Detmolder Hochschule für Musik, Martin Stephani, beschäftigt. Jetzt liegt ein erstes Zwischenergebnis dieser wissenschaftlichen Untersuchung vor. 23 Jahre lang war Martin Stephani Chef der renommierten Detmolder Musikhochschule. Der Alt-Rektor der Hochschule war 1983 verstorben.

Stephani, der am 2. November 2015 genau 100 Jahre alt geworden wäre, leitete auch den Musikverein Bielefeld und stand viele Jahre am Pult des Landesjugendorchesters NRW. In der NS-Zeit war Stephani auch schon in musikalisch verantwortlicher Position tätig. Vermutungen und Spekulationen zur Vergangenheit Stephanis im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit im SS-Führungshauptamt können nun durch Forschungsergebnisse ersetzt werden.

Historiker H.W. Schmuhl - dgppn.de
Hans-Walter Schmuhl gilt als ausgewiesener Kenner für die Zeit des Nationalsozialismus. Für seine Untersuchungen hat er Quellen in Bundesarchiv in Berlin und Koblenz genutzt, sowie Archive der Universität der Künste in Berlin, dem Hessischen Staatsarchiv, dem Stadt- und Universitätsarchiv Marburg besucht. Dokumente aus Privatbesitz hat er ebenfalls ausgewertet.

Aus Schmuhls dem Senat der Hochschule vorgelegtem Bericht geht hervor, dass die Versetzung von Martin Stephani von der Wehrmacht zur Leibstandarte Adolf Hitler der Waffen-SS im Mai 1941 auf Initiative des Kommandeurs der Leibstandarte, SS-Obergruppenführer (Generalleutnant) Sepp Dietrich, erfolgte. Stephani fügte sich der Versetzung nur widerstrebend.

Willkommen war ihm dagegen die Möglichkeit eines Wechsels in das Musikreferat im SS-Führungshauptamt. Er verzichtete auch auf einen Arbeitsurlaub im tschechischen Olmütz, wo man ihm die Stelle eines Städtischen Musikdirektors in Aussicht gestellt hatte.
Martin Stephani 1973 -
stock|photo|alamy (Ausschnitt) - coloriert
Stephani war bis zum Ende des Krieges, zuletzt im Rang eines SS-Obersturmführers (Oberleutnant), als Musikreferent der Waffen-SS im SS-Führungshauptamt tätig. Der privaten Korrespondenz aus dieser Zeit ist zu entnehmen, dass Stephani sich mit den Herrschaftszielen des nationalsozialistischen Deutschlands identifizierte und seine künstlerische Tätigkeit mit dem Symphonieorchester der Waffen-SS als Beitrag zur Erziehung zu einer "wahrhaft nationalsozialistischen Weltanschauung" verstand. [Hervorhebung & Einschub S!: Martin Stephani leitete nach dem Krieg verschiedene Jugendorchester ! ...]

Im Senat der Hochschule für Musik besteht Konsens darüber, dass erste offene Fragen und damit verbundene Spekulationen nun durch Fakten ersetzt worden sind. "Der Senat erkennt die großen Verdienste von Professor Stephani für die Hochschule und die bis heute andauernde Bedeutung seines Wirkens an. Der Senat sieht jedoch kritisch, wie Ideologien und Weltanschauungen - auch und gerade im Hinblick auf kulturelles Denken und Handeln - auf Lebensentwürfe Einfluss nehmen können. Die Causa Martin Stephani zeigt erneut, dass Musik nicht unabhängig von Gesellschaft und Politik besteht", heißt es in der offiziellen Stellungnahme.

Die komplette Aufarbeitung Schmuhls soll nun im Frühjahr 2017 im Rahmen der von Rebecca Grotjahn herausgegebenen Schriftenreihe "Beiträge zur Kulturgeschichte" im Alli-tera-Verlag in Form einer Monographie vorgelegt werden. Hier soll im Detail die Biographie Stephanis vor und nach 1945, insbesondere auch seine Berufung als Direktor an die heutige Hochschule für Musik Detmold, dargestellt werden.

Professor Martin Stephani bei der Arbeit mit einem Jugendorchester - Quelle: ljo-nrw - coloriert




Text: © 2016 Neue Westfälische, Donnerstag 15. Dezember 2016







da werden über 90-jährige und vom alter gezeichnete ns-täter plötzlich verurteilt, weil sie vor 75-/80 jahren - also im alter von 18-25 zur wachmannschaft eines kz gehörten - da wird eine 88-jährige holocaust-leugnerin zum x-ten mal verurteilt - aber wegen altersgebrechen werden die "strafen" dieser "täter"gruppe wahrscheinlich nie tatsächlich angetreten. 

die justiz in deutschland hat wohl auch einen abermaligen generationswechsel hinter sich - und junge engagierte staatsanwälte klagen "schluss"-endlich nun das an, was mindestens 2 berufsgenerationen ihrer inzwischen ausgeschiedenen alt-kollegen jeweils in all den jahren vertuscht und versäumt haben ...

und auch über 30 jahre nach dem tod des musikprofessors stephani wird nun endlich seine "braune" vergangenheit aufgearbeitet, wo er sicherlich ein zufriedenes schaffen - auch bei jugendorchestern - mit viel anerkennungen und ehrungen (link) und ansehen und ruhm im nachkriegsdeutschland längst hinter sich gebracht hat ...

ich kritisiere nicht, dass man diese verfehlungen nun doch noch benennt und auch ahndet - aber das ist nichts weiter als reine symbolik und erinnerungsaufarbeitung - und hat so gar nichts nichts von "entschuldigung" oder gar "wiedergutmachung" - machen wir uns da nichts vor ... - 

ich möchte vielmehr auf die "unabhängige" justiz und die staatsanwaltschaften und alten historiker- und parteien-seilschaften hinweisen, die 50-/60 jahre lang in der nach-ns-zeit auf dem rechten auge tatsächlich tief blind blieben oder wurden, als man diese ns-aktivisten tatsächlich noch hätte wenigstens enttarnen und unehrenhaft aus den öffentlichen ämtern entfernen und ihre verdienstorden und auch teile ihrer pension aberkennen können, bei deren anrechnung ja sicherlich die aktiven "braunen" amtszeiten im pensionsendbetrag mit eingerechnet werden - oder eben tatsächlich bei entsprechenden vergehen auch anklagen und verurteilen - aber gleichzeitig hat man ja viel lieber mit großem eifer linke straftäter gejagt und mit sondergesetzen ganz spontan und mit viel tam-tam und sonderverfahren abgeurteilt und mit wenig verfassungskonformen berufsverboten belegt aufgrund des "radikalen-erlasses".

warum ereilten dann - wenn überhaupt ein solcher an sich ja sowieso dubioser erlass in kraft gesetzt wird - diese berufsverbote nicht erst recht auch ehemalige nazis und eindeutige ns-bekenner - warum konnten die - z.b. wie stephani - ungestört an "staatlichen" hochschulen auf die jugend losgelassen werden ? - (der gängige originalton damals gegenüber linken "radikalen" gruppierungen: " ... da ist jetzt die ganze härte des gesetzes gefordert - der staat ist nicht erpressbar ..."): wer also verurteilt diese alten skandalösen und justiz- und partei-immanenten "holocaust-leugner", die ja auch in rang und ehren geschwiegen und geleugnet haben und weiter schweigen und leugnen und die akten unter verschluss hielten und halten und deren inhalte aussaßen und aussitzen - wer entlarvt sie und benennt sie??? justiz hat ja wohl immer auch etwas mit "gerechtigkeit" zu tun - und bedarf ebenfalls dringend einer historischen "aufarbeitung" ... S!