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Dienstag, 27. Dezember 2016

Weihnachten mit "Schneckentraum" in Bielefeld

Dechant Klaus Fussy predigt in der Bahnhofshalle in Bielefeld

Euch ist heute der Heiland geboren

Die Weihnachtsgeschichte führt die Menschen Heiligabend an ganz unterschiedliche Orte



Michael Schläger | WESTFALEN-BLATT | Dienstag 27.12.2016 | Seite 9

Bielefeld (WB). Es war die wichtigste Nachricht des Tages, die in der Heiligen Nacht von den Kanzeln der Stadt – und auch an ganz ungewöhnlichen Orten – verkündet wurde: die Weihnachtsgeschichte: 


Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt werde.

Pastor Herbert Bittis lässt im Filmhaus die Kraft der Bilder wirken
So beginnt im Lukas-Evangelium die Erzählung von Jesu Geburt. Ein Plot, wie er besser in keinem Drehbuch stehen könnte. Aber auch eine Handlung, die im weiteren Verlauf wahrlich nicht nur positive Wendungen enthält, meint Pastor Herbert Bittis von der Katholischen Kirchengemeinde St. Johannes Baptist. Seit zwei Jahren richtet er gemeinsam mit Gemeindereferentin Regina Beissel in der Reihe »Gast und Haus« Gottesdienste an ungewöhnlichen Orten aus. An Heiligabend wählten beide das Filmhaus an der August-Bebel-Straße.

Dort boten sie kein Popcorn-Kino. Die Predigt wurde durch den Kurzfilm »Schneckentraum« ersetzt, die Geschichte von Julia und Oliver, die durch Olivers tragischen Tod nicht zueinander kommen können. Warum lässt Gott so etwas zu? Diese Frage steht auf einmal im mit 43 Gottesdienstbesuchern besetzten Kinosaal.





Materialien und Interpretationshilfen zum Film: click here

Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

Pastor Michael Geymeier von der
Heilsarmee dankt den Spendern
»Keinen Raum in der Herberge«, keine Wohnung, kein Obdach. Das hatten in der Heiligen Nacht auch einige Besucher des Gottesdienstes in der Halle des Bielefelder Hauptbahnhof nicht. Dort mischten sie sich mit Alkoholikern, Junkies, Flüchtlingen, Reisenden, Neugierigen, Christen, Moslems, Menschen, die fern jedes Glaubens sind. Eine bunte Gemeinschaft auf Zeit im »Bahnhof Bethlehem«. In dem sprachen Dechant Klaus Fussy vom Dekanat Bielefeld-Lippe der Katholischen Kirche und Pastor Michael Geymeier von der Heilsarmee.

Gabi Roeder hat die Gulaschsuppe gekocht - Ansgar Brinkmann verteilt
sie an die Gottesdienstbesucher
Auf den in der Bahnhofshalle aufgestellten Biertischbänken nahmen die Gottesdienstbesucher Platz, spendeten am Ende von Fussys Predigt Beifall. Genau so ungewöhnlich wie die Dose Bier, die dabei mancher vor sich hatte. Nach dem »O du fröhliche«, das in der Halle seine besondere Kraft entfaltete, gab es eine gemeinsame Tafel. Wärmende Gulaschsuppe von fleißigen Helfern serviert, unter ihnen auch der »weiße Brasilianer« Ansgar Brinkmann. »Ich bin gern dabei«, sagte der Ex-Fußballprofi. Schon zum dritten Mal teilte er Heiligabend Essen in der Bahnhofshalle aus.

Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.

Maria Klocke musiziert in der Begegnungsstätte (Foto: Christina Falke)
Diese Botschaft der himmlischen Heerscharen hatten bereits am Nachmittag die Senioren im Begegnungszentrum der Diakonie für Bielefeld an der Kreuzstraße zusammen gebracht. 70 meist ältere Menschen waren dort zu Kaffee und Kuchen versammelt. Sie hörten eine weihnachtliche Andacht, sangen gemeinsam Lieder. Der festlich geschmückte Raum bot den richtigen Rahmen für alle, die an diesem Abend nicht allein bleiben und lieber in Gemeinschaft feiern wollten.

Möglich gemacht hatte die Weihnachtsfeier der Verein »Bielefelder Handel hilft«. Von den Spenden wurden auch Weihnachtspäckchen gepackt, in denen die Gäste des Abends Gebäck, Kaffee und andere kleine Aufmerksamkeiten fanden. Franca Maria Di Mineo, Hauswirtschafterin in der Begegnungsstätte, und die zahlreichen Helfer waren mit Eifer bei der Sache.

Lasst uns gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.

»Die Geschichte sehen« – das wollten schon am frühen Nachmittag zahlreiche Eltern mit ihren Kinder. In den meist übervollen Gotteshäusern wurde vielerorts ein Krippenspiel gezeigt. Die kleinen Marias und Josephs, die dort aufgeregt agierten, taten nichts anders als der Evangelist Lukas in der Weihnachtsgeschichte: die frohe Botschaft unter die Menschen bringen.

Fotos (4): F. Starke und Christina Falke (1) - WB

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es ist ein kreuz mit den leeren kirchen - aber das ist ja vielleicht auch eine der möglichen bearbeitungsstrategien und antworten auf diesen "blinden fleck": nicht die menschen gehen in die kirchengebäude, sondern die kirche kommt mitten unter die menschen ... -

und statt der predigt läuft da zunächst einmal ein nachdenkenswerter zeitlos aktueller kurzfilm (s. "schneckentraum"-video oben) - hier z.b. zu der problematik nonverbaler ausdeutbarer kommunikationsformen der beginnenden liebe - in der man vor lauter "eingangs"-rituale "nicht zu potte kommt" - mit einem nicht leichtverdaulichen tragischen schluss: statt eines "happy"-ends mit emotionaler kurzzeitwirkung ein tragisches und etwas abruptes ende ohne jeden tatsächlichen realen anfang eines miteinanders, das allerdings nachhaltiger mit vielen fragezeichen auch an mich eher im gedächtnis bleiben wird als die schönfärberischen varianten in der sonstigen medialen auseinandersetzung mit zwischenmenschlichen problemen. 

ins volk zu gehen ist sogar sehr "ur-christlich", denn jesus besuchte die menschen jeglicher couleur vor ort und hielt mit ihnen mahl und feierte - und in den urchristen-gemeinden fanden die gottesdienste und andachten ja in den wohnstuben statt. auch heute gibt es ja zumeist bei den evangelikalen christen die "hauskreise" zur gemeinsamen andacht und zur bibellese.

in der apostelgeschichte 7, 48-50 sagt stephanus ganz eindeutig: 48 Aber der Höchste wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind, wie der Prophet spricht (Jesaja 66,1-2): 49 »Der Himmel ist mein Thron und die Erde der Schemel meiner Füße; was wollt ihr mir denn für ein Haus bauen«, spricht der Herr, »oder was ist die Stätte meiner Ruhe? 50 Hat nicht meine Hand das alles gemacht?« - und jesus versichert: Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen. (matthäus 18,20) ...

und die mangels masse verkauften kirchen - z.b. in bielefeld wurde eine ausrangierte und "entweihte" kirche in ein restaurant umgewandelt mit dem beziehungsreichen namen: "glückundseligkeit" - ist also gar kein großes manko und keine blasphemie, sondern liegt quasi im trend: allerdings - wer aus der kirche austritt wird jetzt also vielleicht auf der straße oder im bahnhof wieder eingeholt ... - aber man darf dann auch einfach weitergehen und das alles links liegen lassen, wenn einem nicht danach ist ... - 


aber schon jesus gab in einem gleichnis der kirche die richtung bei abtrünnigen schäflein vor: Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eins davon verliert, lässt er dann nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voll Freude auf die Schultern, und wenn er nach Hause kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir; ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren war (lukas 15,4-7). 

und oftmals sind es pure "schwellenängste" und persönliche bequemlichkeit, die die kirchen entleeren - mit "unglauben" oder atheismus hat das weniger zu tun ...

"glückundseligkeit" - ein restaurant in einer ehemaligen kirche in bielefeld - das ist das paradox: kirche stellt sich im öffentlichen raum - und die leerstehenden kirchen werden "weltlich" bevölkert ... - foto: hp "glückundseligkeit"

die "amts"kirche verliert durch solche projekte - von denen es ja immer mehr gibt in beiden großen "volks"kirchen - auch etwas von ihrer unnahbarkeit, ihrer "amtlichkeit", von dem behördenhaften, von ihrer hehren "abgrenzung" - vom "hohen dom" und der ehrwürdigen aber vielleicht muffeligen kathedrale - und gewinnt etwas an tagesaktualität und realem jetzt-leben ... sie tritt herab und ist als "reich gottes" "mitten unter uns", wie jesus das schon vor über 2000 jahren in lukas 17,20-21 beschrieben hat: Das Reich Gottes kommt nicht mit äußeren Zeichen; man wird auch nicht sagen: Siehe, hier!, oder: Da! Denn sehet, das Reich Gottes ist mitten unter euch. - 

kirche zum anfassen - als begegnung mitten im alltag - und mit dieser entwicklung bekommt auch sogar ein permanenter verkaufsoffener sonntag eine ganz neue bewertung ...

und für das beten empfiehlt jesus ja schon immer: 5 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. 6 Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten.
7 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. 8 Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet. (matthäus 6, 5-8) S!