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Sonntag, 29. Januar 2017

tatsächliche erinnerungskultur

Lebensläufe haben ein langes Gedächtnis. Persönliche Biographien ebenso wie die gemeinsame Geschichte. Was sich an Erfahrungen in ihnen aufbewahrt, kann im Laufe der Zeit überlagert, vertuscht, verdrängt oder totgeschwiegen, nicht aber ungeschehen gemacht werden.  

Erinnern ist mehr als bloßes zur Kenntnis nehmen. Wer sich erinnert oder erinnert wird, dem werden Ereignisse und Erfahrungen persönlicher und kollektiver Vergangenheit ins Gedächtnis gerufen, seien sie freudvoll oder schmerzlich. 

Er-innern, so sagt es das Wort, geht uns innerlich an, es betrifft uns. Manches Erinnern erfordert Mut und Beharrlichkeit. Manches Erinnern ist eine Pflicht, die uns der Wille zur Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit gegenüber Schuld und Versagen auferlegt. ...

„Das Denken an vergangene Angelegenheiten“, schreibt Hannah Arendt, „bedeutet für menschliche Wesen, sich in die Dimension der Tiefe zu begeben, Wurzeln zu schlagen und so sich selbst zu stabilisieren, so daß man nicht bei allem Möglichen – dem Zeitgeist, der Geschichte oder einfach der Versuchung – hinweggeschwemmt wird“.

Dr. Hartmut Traub, Auszug aus dem Redemanuskript zur Gedenkfeier für die Opfer der NS-"Euthanasie" am 27.01. 2017 im Deutschen Bundestag




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