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Das Wesentliche bleibt für die Augen unsichtbar - etwa die genetische Vielfalt der Menschen | Copyright: Jean-Luc Dubin. Musée de l´Homme

Montag, 22. Januar 2018

68-er

S!|art: 68-er

"Bürger lasst das glotzen sein - kommt herunter, reiht euch ein!"
Im Zuge der 68er-Bewegung entsteht eine Protestkultur, die spätere Jahre prägt. Hier eine Demo im April 1973 in Bielefeld -
Bildunterschrift unter der Original-Bildquelle für die Arbeit oben: Bild: www.westfalen-blatt.de

tja - bis zum zum silvestertag, 23.59 uhr, werden wir immer mal wieder "50 jahre 68-er" thematisieren, feiern, verdammen, hasserfüllt, neidvoll oder wehmütig zurückblicken können - je nach persönlicher couleur.

mit jahrgang 1947 kann ich mich ja mit fug und recht "68-er" schimpfen - wurde ich doch 1968 "volljährig" ... - erwachsen vor dem gesetz - mit 21 jahren damals ... - und vor dem gesetz sollten von nun an ja alle gleich und gleicher sein ... - doch da gab und gibt es noch manche offene oder versteckte hierarchie, die es einzuebnen gilt ...

tatsächlich materiell und pekuniär - ökonomisch - haben die 68-er mit all den lauthals vorgetragenen "wir-sind-alle-gleich"-parolen leider nur herzlich wenig erreicht: 
  • der internationale verbund von verschiedenen hilfs- und entwicklungsorganisationen namens oxfam hat in diesen tagen mitgeteilt, dass deutschland bei der vermögensverteilung nach litauen die zweithöchste soziale ungleichheit in der urozone aufweise. das vermögen des reichsten prozents der deutschen bevölkerung sei zuletzt um 22 prozent, das der ärmeren hälfte nur um drei prozent gewachsen. ein arbeiter müsse im schnitt 157 jahre arbeiten, um das jahreseinkommen eines dax-chefs zu erzielen. oxfam nennt deutschland ein "ungleichland"
insofern konnte mit den 68-ern von einer tatsächlichen "revolution" keine rede sein - auch keiner gesellschafts-revolution, lieber herr dobrindt: eher im gegenteil: das globale neoliberale kapital hat sich in den vergangenen 50 jahren weltweit gegen alle "aufweichtendenzen" durch "linke" störer mit viel know-how und getrickse zusammengerottet und fröhlich und stickum ihre geschäfte weiter getätigt - und jeder partei ein paar tantiemen für wohlverhalten und stillehalten rübergereicht ...

aber ich bekenne mich trotzdem dazu, unverhohlen und gern und "stolz", ein 68-er zu sein. diese jahre haben mich persönlich geprägt und befreit. von stund an wusste ich, ich muss mich zu wort melden oder muss mich mit meinem bild profilieren (... ein bild sagt ja mehr als 1000 worte ...), wenn ich was zu sagen oder auszudrücken habe, wenn ich wahr-genommen werden will, sonst können meine belange nicht berücksichtigt werden - sonst komme ich nicht vor ...

die 68-er jahre stehen für be-freiung - in vielerlei hinicht: 
  • sexualität,
  • innerpsychische blockaden - hin zu psychoprophylaxe (d.h. nicht, dass man andauernd beim seelenklempner zubringen muss ... - eher ist es eine persönliche nachreifung - für das ...
  • ... frau- und mannsein, für 
  • emanzipation der sozialberufe (die aber mit diesem etikett versehen heutzutage wieder deutlich vernachlässigt werden - im gesellschaftlichen ansehen und in der dotierung), 
  • kriegsdienstverweigerung und friedensdienst,
  • "ziviler ungehorsam", 
  • umweltschutz und 
  • kampf gegen die atomlobby - 
  • allerorten beginn demokratischer strukturen, 
  • abrechnung mit der elterngeneration - besonders in bezug auf das "dritte reich", 
  • revolution in der musik - 
  • und - und - und ... - um nur einiges zu nennen - und vielleicht bewusst nicht ökonomisch - 
es gibt nämlich wichtigeres: nämlich beispielsweise den nächsten "lieben" - wie sich selbst - sich selbst erfahren und kennenlernen - um dann unvoreingenommen und mit empathie und voller neugier auf andere zuzugehen -  auch auf "fremde" mit anderen hautfarben und herkunftsländern und -orteund anderen religionen (unsere gegner nennen uns dann ja "gutmenschen" - wahrscheinlich ist "schlechtmenschen" für sie erstrebenswerter)...

gewiss gab es leider auch radikalste und kriminelle auswüchse - etwa in der mordserie der raf - aber nicht jede inszenierte provokation von rudi dutschke, fritz teufel oder joseph beuys oder joschka fischer bedeuteten die revolution - sondern hielten oft der gesellschaft lediglich den spiegel vor: unter den talaren war und ist nämlich immer noch der muff von tausend jahren ...

und wenn herr dobrindt heutzutage von einer "konservativen revolution" gegen "die 68-er" sogar in der angesehenen "welt" herumschwadronieren darf - dann kann ich nur mit irgendetwas schütteln - und wenn es auch nur mein kopf ist ...: mal sehen, welchen schutzbunker ich dann aufsuche, wenn sie losbricht, die "'rudi'-dobrindt-revolution": denn vorsicht: wehe wenn sie losgelassen werden ...

aber er ist ja 23 jahre jünger als ich: das ist eben seine (ziemlich späte) art, sich gegen seine elterngeneration aufzulehnen: das ist dobrindtsche spätpubertät oder schon seine midlife-crisis, weil er sooooviel ja auch noch nicht geschafft hat mit seinen imitationsgehabe - aber in bayern nennt man karneval ja auch fasching, da muss man eben auch mal den narren geben - wie man anderswo den schützenkönig geben muss, um "ansehen" zu erhaschen: klatschmarsch ... täräää ... -  so oan schmarrn deaf ma ned east nehma ... 

auf alle fälle: mit den 68-ern gingen die fenster auf - und es kam frische luft rein ... - leider vergisst man heutzutage oft die tägliche lüftung aller räumlichkeiten - und leider meinen viele, frischluft wäre eine schädliche zugluft ... - besonders auch in bayern ... S!