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Das Wesentliche bleibt für die Augen unsichtbar - etwa die genetische Vielfalt der Menschen | Copyright: Jean-Luc Dubin. Musée de l´Homme

Samstag, 24. Februar 2018

kahn: das leben des menschen

Abb.: medium.com
In seiner Lehrtafel »Der Mensch als Industriepalast« erklärte Dr. Fritz Kahn den menschlichen Körper. Das großformatige Motiv stammt von 1926 und lag seiner fünfbändigen Serie »Das Leben des Menschen« bei. Das Format ist so gewählt, dass der menschliche Körper lebensgroß wiedergegeben wird. Die organischen Funktionen verglich Kahn – vom großen technischen Fortschritt seiner Zeit inspiriert – mit industriellen Vorgängen oder alltäglichen Bürosituationen, um komplizierte Abläufe einfach darzustellen. Eine Pionierleistung des modernen Informationsdesigns, die junge und alte Entdecker gleichermaßen beeindruckt und zu einer Reise durch den Körper einlädt!

Tja - ich glaube diese Vorstellung geistert immer noch in einigen Köpfen herum, dass nämlich Biologie ähnlich funktioniert wie der Diesel aus Papas Garage ... Doch wie beim Diesel kommen wir auch beim Menschen auf immer neue und zunächst unerklärliche Phänomene und vielleicht Langzeitschäden bzw. vielleicht auch in anderen Zusammenhängen auf Langzeitnutzen. 

Kahn hat zum Beispiel offensichtlich noch nicht viele gewusst vom "Bauchhirn" und vom "Mikrobiom", wie ich es neulich im Zusammenhang mit dem ZEIT-Aufsatz von Dr. Andreas Weber noch einmal angesprochen habe - und wie es sich in dem ARTE-Video dort darstellt - aber eben auch in den umfassenderen biophilosophischen Zusammenhängen, die Weber anspricht ...

All diese Zusammenhänge haben mit "Technik" und "Maschine" weniger zu tun. Es sind komplexe biologische Abläufe, die aber nicht mechanisch "immer gleich" sind - im Sinne des "man nehme ..." - sondern immer wieder anders - als psychosomatische Prozesse - eben als vitales und fortschreitendes Leben ...

Eine andere spannende Frage ist es, ob in Betrieben und im Büro eine andere Hierarchie sich herausgebildet hätte, wenn man die "Vergleichs-Tafeln" von Kahn zu Beginn der allgemeinen Industrialisierung und Mechanisierung mit ihrer innerbetrieblichen Organisation so gar nicht gekannt hätte - und von einem anderen "inneren Sosein" ausgegangen wäre ...

Beim Anblick der Tafel frage ich mich ja schon - was war zuerst: "Huhn oder Ei" - bzw. die Industrialisierung und deren Organisationsabläufe als "Vorbild" für Kahn zur grafischen Konzeption der medizinischen Lehrtafeln - oder umgekehrt: die Organisation der Betriebe letztlich dann so ähnlich zu gestalten wie die erdachten Abläufe im Körper - vielleicht auch, weil man innerpsychisch und unbewusst abhängig war von einer solchen angenommenen menschlichen Signatur und Prägung als Denkablauf-"Vorgabe" ...

Die derzeitigen Zusammenhänge in der computergesteuerten Informationstechnik sind ja auch wieder prägend für unsere derzeitigen Ablaufvorstellungen mit digitalen Datenverarbeitungsfunktionalitäten im Arbeitsalltag - etwa: der Kollegen X sollte mal "seine Festplatte löschen" und "ein anderes Programm hochladen" usw.

Innere Betriebsstrukturen und Abläufe sowie Fragestellungen der betrieblichen "Identity" liefen vielleicht völlig anders ab ... - und auch das "Große & Ganze" des herrschenden globalen Systems eines neoliberalen Turbo-Kapitalismus wäre vielleicht ganz anders aufgebaut und vernetzt, wenn nämlich im übertragenen Sinne "die Taktgeber des Lebens" mehr in Nabel- und Sonnengeflechtnähe in der Mitte des Körpers als miteinanderverflochtene "Teamleistungen" (eines "Mikrobioms" etwa) verortet wären, statt einzig im Kopf - im dortigen Gehirn. - Ja - wir sprechen ja schon länger allgemein auch von einem "Nabel der Welt" und nähern uns somit einer solch verorteten Denke an ...  

Und so ergeben sich ja vielleicht auch spannende und neue Fragen in der "Organisationsberatung" ...-S!