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Das Wesentliche bleibt für die Augen unsichtbar - etwa die genetische Vielfalt der Menschen | Copyright: Jean-Luc Dubin. Musée de l´Homme

Mittwoch, 21. Februar 2018

auch noch 1968 - update

S!|art: sezierter frosch nach wollfroschvorlage




even sixty-eight

die papierrüschen sind längst abgerissen

das kopfsteinpflaster ist geschreddert,
nur die krümel knirschen beim gang über
die messing-überzogenen stolpersteine -
mit ihren eingravierungen zum woher - wohin
was weiß ich denn schon & noch



sie schütteln unmerklich den kopf

und verstehen die texte nicht
die auslassungen, in die 
etwas hineingeahnt werden müsste:
nie wieder - schwört man sich hoch & heilig
und ballt die fäuste in der tasche

was wollt ihr denn da noch abwägen

da wird nicht erst noch überlegt
da muss man schnurstracks - ohne zu zögern
drüber hinweggehen: ausblenden, ignorieren: augen zu und durch
ent-schlossen, un-mittel-bar, un-verzüg-lich: mensch nochmal - reißt euch doch einmal zusammen ...

witwen im sarg steckt man weiß-verblümte rosen zu
- unter die gefalteten leichenhände
- mit den pechschwarz abgebrochenen fingernagelrändern:
die kerzen werden wegen brandgefahr ausgepustet
und - herrschaften - das gilt auch im krematorium:
der letzte macht dann bitte das licht aus

sie sezieren mit dem brieföffner jetzt frösche 

die grün-gelb-schwarz-gestreiften
denn seit mai 1945 ist die forschung
am lebenden objekt unterbrochen worden 
wegen fehlendem human-material
und die bücherverbrennung ist auch nicht mehr das was es mal war ...

lasst sie - lasst sie doch schreien 

dann wird der fort-schritt eben warten müssen
die haben in einem leben einfach zu viel zeit - obwohl sie eilen
gefangen in einer blase: ein schritt vor - drei schritte zurück
verschütten sie immer mehr vom abgestandenen kalten kaffee
und dann - dann geht der tanz wieder von vorne los ...

unterm nass-schwarzen pflaster aber - ja da liegt der strand:


sinedi




S!|photocollage