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Das Wesentliche bleibt für die Augen unsichtbar - etwa die genetische Vielfalt der Menschen | Copyright: Jean-Luc Dubin. Musée de l´Homme

Mittwoch, 25. April 2018

ELEANOR & COLETTE - ein Psychiatriefilm

ich möchte heute auf das anlaufen eines authentischen doku-films ab 03.05.2018 - zumindest in den einschlägigen programmkinos - hinweisen:



Eleanor & Colette (Originaltitel 55 Steps) ist eine belgisch-deutsche Filmbiografie von Bille August, die im September 2017 im Rahmen des Toronto International Film Festivals ihre Weltpremiere feierte und am 3. Mai 2018 in die deutschen Kinos kommen soll.

Im Film tut sich die unter einer chronischen paranoiden Schizophrenie leidende Eleanor Riese mit der Patientenrechtsanwältin Colette Hughes zusammen, um ein Mitspracherecht bei der Medikation von Patienten mit psychischen Krankheiten durchzusetzen.


click dazu auch hier



Ein ttt-Beitrag dazu wurde ebenfalls gesendet (click here)


Da der Film in Köln mitproduziert wurde, gibt es den folgenden Beitrag in der wdr-"westart" dazu: 


San Francisco in Köln am Rhein? Die Filmfirma Elsani macht's möglich. Chefin Anita Elsani hat die Produktion von "Eleanor & Colette" mit Hilfe der Film- und Medienstiftung NRW in die Domstadt geholt. Gedreht wurde in den MMC Studios und an verschiedenen Orten im Rheinland. Autor/-in: Christof Boy
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ich bin gespannt auf diesen film, der nach einer tatsächlichen begebenheit in szene gesetzt wurde. so oder ähnlich könnte ich mir auch eine fiktive fortsetzung der geschichte meiner tante erna kronshage vorstellen - wenn sie eben noch nicht 1944 in der vernichtungsanstalt tiegenhof/dziekanka in gniezno im besetzten polen von den akteuren der nazi-psychiatrie umgebracht worden wäre. 

ich stelle mir wenigstens vor: erna hätte sicherlich auch gekämpft, wenn man ihr nicht medikamentös und physisch den eigenen willen gebrochen hätte. 

sie bzw. ihr bis zu ihrem 21. geburtstag sorgeberechtigter vater hätten sicherlich unter anderen politischen umständen auch geklagt gegen die bei ihr ausgelösten krampfanfall-serien mit dem synthetischen kampfer-mittel "cardiazol" - die dann späterhin von den berüchtigten elektro-schocks abgelöst wurden - und den damals üblichen barbiturat-überdosierungen, die sie zur ruhigstellung und angeblich zum "spannungsabbau" - in wirklichkeit aber wohl eher aus disziplinarischen gründen - über sich hat ergehen lassen müssen.

als beispielsweise die drei sonoren herren richter und "sachverständige" des mobilen ns-erbgesundheitsgerichtes bielefeld die gerade 20-jährige in gesellschaftlichen konventionen einfach ungeübte landwirtschaftliche haustochter erna kronshage am 29.03.1943 - also vor 75 jahren - ganz mutterseelenallein ohne beistand und fürsprecher - in vielleicht dem hohen großen holzvertäfelten raum im verwaltungs-hauptgebäude in der provinzialheilanstalt gütersloh zwischen 08.40 und 09.00 uhr befragen, um dann über ihre bevorstehende sterilisation nach dem "ns-gesetz zur verhütung erbkranken nachwuchses" in gerade mal 20 minuten zu befinden und zu entscheiden - wird ihre verstörte und verzweifelt unsichere reaktion auf diese makabere szenerie, die sich in einem „unmotivierten auflachen“ bahn bricht - von ihr auf entsprechendes befragen laut protokoll bitter kommentiert mit: „mein lachen ist weinen“...

und diese an sich ja tiefgründige antwort auf ein in dieser situation durchaus verständliches paradoxes aber durchaus gesundes verhalten wird von den drei akademisch gebildeten herren (ein amtsarzt bzw. zwei medizinalräte und ein amtsgerichtsrat) mit als indiz für eine bei ihr angeblich diagnostizierte "schizophrenie" gewertet...

aber erna lacht ja, um nicht losheulen zu müssen, weil sie sich ihrer tränen schämt vor diesen wahrscheinlich in gestelztem fachvokabular herumschwadronierenden und zigarre rauchenden und bohnenkaffee trinkenden männern (erna kannte da in erster linie von zuhause nur den damals volksüblichen "arme-leute-muckefuck" mit frischer kuhmilch - und sprach im alltag ja ihr senner plattdeutsch)  – denen sie da in dieser heiklen und existenziell intimen und im wahrsten sinne des wortes einschneidenden frage ausgeliefert ist...

ernas zwangssterilisation wurde schließlich tatsächlich entgegen dem willen des um das leibliche wohl seiner tochter vehement mit eingaben und widersprüchen kämpfenden vaters in 2. instanz vom "erbgesundheits-obergericht" in hamm angeordnet - und am 4. august 1943 im krankenhaus gütersloh durchgeführt - mit der angekreuzten bemerkung: "die wunde heilte in 7 tagen"...

und doch: erst in den 80er jahren wurden den psychiatrisch erkrankten menschen auch in behandlungssituationen persönliche grundrechte zugestanden ... - in den usa und dann auch in der westlichen hemisphäre insgesamt - also das lag (und liegt vereinzelt) immer noch weltweit im argen ... - S!