"

Das Wesentliche bleibt für die Augen unsichtbar - etwa die genetische Vielfalt der Menschen | Copyright: Jean-Luc Dubin. Musée de l´Homme

Mittwoch, 16. Mai 2018

nothing - nüscht - nix - kannste mal sehen ...

Ei­sen­bahn­fried­hof in Un­garn: "Wir kön­nen nicht si­cher sein, dass wir die Ers­ten wa­ren."

(SPIEGEL-DAILY - CLICK ON THE PICTURE)



Interview mit dem Geobiologen 
Dirk Schulze-Makuch: 

Sind die Dinosaurier ins All geflogen?


VON OLAF STAMPF
Ressortleiter Wissenschaft und Technik DER SPIEGEL


  • Schul­ze-Ma­kuch, 54, ar­bei­tet an der TU Ber­lin. Der As­tro­bio­lo­ge er­forscht dort Me­tho­den, um au­ßer­ir­di­sche Le­bens­for­men auf­zu­spü­ren. In sei­nem neu­en Buch "The Cos­mic Zoo. Com­plex Life on Many Worlds" er­grün­det er un­ter an­de­rem, wel­che Spu­ren eine in­dus­tri­el­le Hoch­kul­tur hin­ter­lie­ße.


SPIEGEL: Herr Schul­ze-Ma­kuch, las­sen Sie uns ein klei­nes Ge­dan­ken­ex­pe­ri­ment an­stel­len: An­ge­nom­men, schon die Di­no­sau­ri­er hät­ten Häu­ser ge­baut, könn­ten wir da­von heu­te noch ir­gend­wel­che Über­res­te fin­den?

Schul­ze-Ma­kuch: Das ist eine span­nen­de Fra­ge. Die Ant­wort lau­tet: sehr wahr­schein­lich nicht. Wenn lan­ge vor un­se­rer Zeit ir­gend­ei­ne tech­ni­sche Zi­vi­li­sa­ti­on exis­tiert hät­te, wäre es na­he­zu un­mög­lich, Hin­ter­las­sen­schaf­ten da­von zu ent­de­cken. Wir kön­nen also nicht hun­dert­pro­zen­tig si­cher sein, dass wir die Ers­ten auf der Erde wa­ren, die eine In­dus­trie be­trie­ben ha­ben.

SPIEGEL: Gibt es denn tat­säch­lich ir­gend­wel­che Hin­wei­se, dass die Di­no­sau­ri­er schlau­er wa­ren, als wir an­neh­men?

Schul­ze-Ma­kuch: Nein, aber un­ter­schät­zen darf man die­se Bies­ter na­tür­lich auch nicht. Die ver­mut­lich in­tel­li­gen­tes­ten al­ler Di­no­sau­ri­er stamm­ten aus der Fa­mi­lie der Troodons. Sie hat­ten ein un­ge­wöhn­lich gro­ßes Ge­hirn. Wenn man sich die Arme und die Hän­de der Troodons an­schaut, hät­ten sie theo­re­tisch durch­aus in der Lage sein kön­nen, Werk­zeu­ge zu be­nut­zen.


Troodon


"Selbst Betonkonstruktionen zerfallen irgendwann"

SPIEGEL: War­um wäre es so schwer, Über­res­te ei­ner vor lan­ger Zeit un­ter­ge­gan­ge­nen in­dus­tri­el­len Hoch­kul­tur zu fin­den? Blei­ben Ge­bäu­de, Brü­cken, Bahn­glei­se oder Ma­schi­nen nicht ewig in der Land­schaft ste­hen?

Schul­ze-Ma­kuch: Kei­nes­wegs. Neh­men Sie nur un­se­re ei­ge­nen Hin­ter­las­sen­schaf­ten. Wenn man lan­ge ge­nug war­ten wür­de, blie­be von all un­se­ren schö­nen Städ­ten nichts mehr üb­rig. Holz ver­rot­tet, Me­tall ver­ros­tet, und auch Kunst­stof­fe wer­den von Bak­te­ri­en auf­ge­fres­sen, wie wir in­zwi­schen wis­sen. Übe­r­all dort, wo Mi­kro­ben an Ma­te­ri­al her­an­kom­men, fin­den un­wei­ger­lich Zer­set­zungs­pro­zes­se statt. Selbst Be­ton­kon­struk­tio­nen zer­fal­len ir­gend­wann.

SPIEGEL: Wir spre­chen na­tür­lich über sehr lan­ge Zeit­räu­me ...

Schul­ze-Ma­kuch: In der Tat, die Di­no­sau­ri­er bei­spiels­wei­se sind vor 66 Mil­lio­nen Jah­ren aus­ge­stor­ben. Nach ei­ner ähn­lich lan­gen Dau­er wür­den sich kei­ne Spu­ren mehr von Ber­lin, New York oder To­kio fin­den las­sen. Eine denk­ba­re Aus­nah­me: ver­schüt­te­te U-Bahn-Tun­nel, die un­ter der Erde vom Zer­fall ver­schont blie­ben. Aber auch das wäre nur dann mög­lich, wenn die­se nicht all­zu häu­fig mit Grund­was­ser in Be­rüh­rung kä­men – das ist aber ein sehr un­wahr­schein­li­ches Sze­na­rio.

SPIEGEL: Schwer vor­stell­bar, dass Wol­ken­krat­zer ein­fach so vom Erd­bo­den ver­schwin­den.

Schul­ze-Ma­kuch: Mag sein, aber der Zer­fall schrei­tet un­wei­ger­lich vor­an – und zwar meist schnel­ler als ge­dacht. Neh­men Sie das Denk­mal von Mount Rushmo­re, wo die Köp­fe be­deu­ten­der ame­ri­ka­ni­scher Prä­si­den­ten aus dem Berg­mas­siv ge­schla­gen wur­den. Die­se be­rühm­ten, 1941 fer­tig­ge­stell­ten rie­si­gen Skulp­tu­ren be­ste­hen aus Gra­nit­ge­stein. Doch schon heu­te, nach nur we­ni­gen Jahr­zehn­ten, sind die Ge­sich­ter schlech­ter zu er­ken­nen als frü­her. Denn auch Gra­nit ver­wit­tert.

SPIEGEL: An wel­chen Stand­or­ten wä­ren die Chan­cen am größ­ten, dass et­was von uns er­hal­ten blie­be?

Schul­ze-Ma­kuch: Recht gut wer­den Bau­ten in der Wüs­te kon­ser­viert. Des­we­gen ste­hen die Py­ra­mi­den der al­ten Ägyp­ter im­mer noch. Aber die­se Mo­nu­men­te sind auch erst ein paar Tau­send Jah­re alt. Nach ei­ni­gen Hun­dert­tau­send Jah­ren wer­den wir die Py­ra­mi­den nicht mehr von na­tür­li­chen Ge­steins­for­ma­tio­nen un­ter­schei­den kön­nen. Oder sie sind ganz ver­schwun­den – zu­mal sich in so lan­gen Zeit­räu­men die Kli­ma­zo­nen ver­schie­ben. Auch die Sa­ha­ra war frü­her grün. Zu den we­ni­gen Wüs­ten, die auf der Erde be­reits seit vie­len Jahr­mil­lio­nen exis­tie­ren, ge­hö­ren die chi­le­ni­sche Ata­ca­ma­wüs­te und die Wüs­te Gobi – aber so­gar dort gab es schon feuch­te­re Pe­ri­oden als heu­te.

SPIEGEL: Un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen wer­den Din­ge kon­ser­viert?

Schul­ze-Ma­kuch: Wie ge­sagt: Je tro­cke­ner die kli­ma­ti­schen Ver­hält­nis­se, des­to bes­ser. In der Wüs­te von Ari­zo­na ha­ben wir ver­stei­ner­tes Holz oder Fuß­ab­drü­cke von Di­no­sau­ri­ern ge­fun­den. Aber in Wahr­heit kom­men sol­che Ver­stei­ne­run­gen recht sel­ten vor.

SPIEGEL: Ist es so ge­se­hen nicht er­staun­lich, dass wir heu­te über­haupt ver­stei­ner­te Kno­chen der Di­no­sau­ri­er ent­de­cken?

Schul­ze-Ma­kuch: Ge­gen­fra­ge: Wie oft sto­ßen wir wirk­lich auf Di­no­sau­ri­er­kno­chen? Wenn man be­denkt, dass die­se im­po­san­ten Ge­schöp­fe 170 Mil­lio­nen Jah­re lang die­sen Pla­ne­ten be­herrsch­ten – hun­dert­mal län­ger als wir Men­schen –, fin­den wir ver­dammt we­ni­ge Über­res­te von ih­nen.

Handys versteinern nicht

SPIEGEL: Wenn Kno­chen kon­ser­viert wer­den, und sei es noch so sel­ten – könn­te das nicht auch mit tech­ni­schen Ge­rä­ten pas­sie­ren? Wird man in fer­ner Zu­kunft ver­stei­ner­te Han­dys fin­den?

Schul­ze-Ma­kuch: Das ist lei­der nicht zu er­war­ten. Wenn Sie heu­te ir­gend­wo ein Han­dy ver­gra­ben, ver­wit­tert es in im­mer klei­ne­re Tei­le, bis ir­gend­wann nichts mehr da­von üb­rig ist. Al­len­falls mag es im Bo­den eine ge­ring­fü­gi­ge An­rei­che­rung mit Gold, Sil­ber oder sel­te­nen Er­den ge­ben. Kno­chen üb­ri­gens, die aus Kal­zi­um­phos­phat be­ste­hen, sind un­ter be­stimm­ten Um­welt­be­din­gun­gen tat­säch­lich er­staun­lich sta­bil. Wich­tig ist, dass es mög­lichst schnell zu Luft­ab­schluss kommt, bei­spiels­wei­se in­dem ein Le­be­we­sen in ei­nem Sumpf ver­sinkt.

SPIEGEL: Wür­de man nach lan­ger Zeit über­haupt er­ken­nen, dass man auf die Über­res­te ei­nes künst­lich ge­schaf­fe­nen Ge­gen­stands ge­sto­ßen ist?

Schul­ze-Ma­kuch: Das ist ge­nau das Pro­blem. Als jun­ger Stu­dent in Gie­ßen habe ich ein­mal an ei­ner Ex­kur­si­on in Nord­hes­sen teil­ge­nom­men. Plötz­lich ent­deck­ten wir im Bunt­sand­stein den Fuß­ab­druck ei­nes Stie­fels. Jede Ril­le war ge­nau zu er­ken­nen – dum­mer­wei­se in ei­ner Schicht, die mehr als 200 Mil­lio­nen Jah­re alt war. Na­tür­lich konn­te das nicht sein, denn in der Tri­as gab es noch kei­ne Le­be­we­sen, die Stie­fel tru­gen.

SPIEGEL: Und wie war die Er­klä­rung für die­se Ent­de­ckung?

Schul­ze-Ma­kuch: Es gab kei­ne. Wir stuf­ten den ver­meint­li­chen Stie­fel­ab­druck ein­fach als eine na­tür­li­che Struk­tur ein, die nur wie eine künst­li­che aus­sah. Es hat also auch viel mit un­se­rer Er­war­tungs­hal­tung zu tun, wie wir eine Ent­de­ckung in­ter­pre­tie­ren.



"Im Vakuum verwittert nichts"

SPIEGEL: Gibt es wirk­lich nichts, was die Äonen über­dau­ert?

Schul­ze-Ma­kuch: Es gibt in der Tat nur we­nig, was von uns bleibt. Un­ter Um­stän­den wä­ren Spu­ren ei­ner frü­he­ren tech­ni­schen Zi­vi­li­sa­ti­on zu fin­den, wenn die­se En­er­gie aus Atom­kraft ge­won­nen hät­te. Die da­bei er­zeug­te künst­li­che Ra­dio­ak­ti­vi­tät wäre noch nach Jahr­mil­lio­nen vor­han­den; al­ler­dings lie­ße sie sich gar nicht so leicht von der na­tür­li­chen Ra­dio­ak­ti­vi­tät un­ter­schei­den.

SPIEGEL: Das ist al­les?

Schul­ze-Ma­kuch: Nicht ganz. Noch bes­ser wäre es, wenn eine un­ter­ge­gan­ge­ne Zi­vi­li­sa­ti­on Raum­fahrt be­trie­ben hät­te und schon auf frem­den Him­mels­kör­pern ge­lan­det wäre, wo es wie auf un­se­rem Mond kei­ne At­mo­sphä­re gibt; denn im Va­ku­um ver­wit­tert nichts.

SPIEGEL: Be­kannt­lich sind wir auf dem Mond auf kei­ner­lei frem­de Hin­ter­las­sen­schaf­ten ge­sto­ßen ...

Schul­ze-Ma­kuch: ... was be­weist, dass die Di­no­sau­ri­er nicht ins Welt­all ge­flo­gen sind. Und ein klei­ner Trost für uns: Ei­nes im­mer­hin wird auf je­den Fall von der Mensch­heit üb­rig blei­ben – die ame­ri­ka­ni­sche Flag­ge auf dem Mond.

also keine angst - irgendwann sind die geklauten daten von deinem handy und deinem pc ganz in echt verschwunden und verwittert auf nimmerwiedersehen ... - mach dir keinen kopp - aus der sicht wie in diesem interview wird einem sowieso seltsam leicht ums herz: mineralien vergehen, pflanzen und tiere verändern sich - nur "das leben" bleibt bestehen - egal ob der tag dann in stunden gemessen wird - und man sich an den gregorianischen kalender erinnern kann: ... c'est la vie - wie auch immer... - S!