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Mittwoch, 18. Oktober 2017

rote linie

rote linie | S!NED!|art

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auswanderung und einwanderung




JULIAN NIDA-RÜMELIN

„Recht auf Auswanderung, kein Recht auf Einwanderung“

Von Marcel Leubecher | welt.de

Der Philosoph Julian Nida-Rümelin warnt vor zu starker Konzentration unserer Solidaritätsressourcen auf Migranten. Mit einer Summe in Höhe der Flüchtlingsaufnahmekosten könne man etwa den Hunger weltweit ausrotten.


DIE WELT: Herr Professor Nida-Rümelin, Sie sprechen sich aus kosmopolitischen und humanitären Gründen gegen offene Grenzen aus, wie kommen Sie dazu?

Julian Nida-Rümelin: Kosmopoliten halten Grenzen streng genommen für illegitim, weil sie es ablehnen, dass der Geburtsort die Lebenschancen einer Person bestimmt. Sie sagen, wenn jemand sein Leben an einem anderen Ort verbringen möchte, ist es sein gutes Recht, dorthin zu ziehen. Nun sind die meisten Anhänger des Kosmopolitismus nicht so dogmatisch, dass sie die Grenzenlosigkeit von heute auf morgen für realisierbar halten, sie setzen sich aber für möglichst wenig Grenzziehung und Abweisung ein.

Die Gegenposition dazu nehmen in der politischen Philosophie die Kommunitaristen ein, für sie ist der Zusammenhalt durch die Zugehörigkeit der Menschen zu politisch oder kulturell verfassten Gemeinschaften derart zentral, dass das Recht auf globale Freizügigkeit hintanstehen muss. Das aus philosophischer Sicht Besondere meiner Position ist, dass ich gegen offene Grenzen aus einer kosmopolitischen Perspektive argumentiere.

DIE WELT: Welche kosmopolitischen Gründe sprechen für diese Begrenzung der Freiheit?

Nida-Rümelin: Es gibt ein kosmopolitisches Interesse an staatlicher Gestaltung unserer Lebensbedingungen. Wir alle, und mit „wir“ meine ich die Weltgesellschaft, haben ein Interesse, dass Regierungen von ihren jeweiligen Bürgerschaften kontrolliert werden und in der Lage sind, staatliche Solidarstrukturen zu etablieren.

Sozialstaatlichkeit setzt voraus, dass sich die Bürgerschaft auf Regeln verständigt, nach denen Sozialrechte zugewiesen werden, nach denen Steuermittel erhoben und eingesetzt werden, um mehr Gerechtigkeit zu schaffen. Das alles setzt die Existenz einer abgegrenzten Bürgerschaft voraus, die die politischen Geschicke ihres Landes gestaltet.

DIE WELT: Dies ist aber auch mit starker Migration möglich.

Nida-Rümelin: Ja, viele Länder profitieren von starker Zuwanderung, aus meiner Sicht könnte die Welt sogar mehr transkontinentale Migration als heute vertragen. Ich lehne aber eine Welt der offenen Grenzen ab, wie sie von Marktradikalen und vielen Linken gefordert wird, weil die allgemeine Auflösung der politischen Verantwortung in einem globalen Markt, nicht nur der Güter und Dienstleistungen, sondern auch der Arbeitskräfte, mit der politischen Gestaltung nicht vereinbar ist.

Außer man entscheidet sich für eine Weltstaatskonstruktion. Diese ist aber nicht nur völlig unrealistisch, sondern auch gefährlich. Ich stimme Immanuel Kant zu, der 1795 in seiner Schrift „Zum ewigen Frieden“ davor gewarnt hat, dass ein solcher Weltstaat despotisch werden könnte.

DIE WELT: Kant fordert darin aber ein Weltgastrecht …

Nida-Rümelin: Mit der völkerrechtlichen Verbindlichkeit der Genfer Flüchtlingskonvention haben wir eine Konkretisierung dieses Welthospitalitätsrechts. Kant spricht aber nicht von einem Recht auf Einbürgerung in einem anderen Land, sondern von der Pflicht, den aufnahmebegehrenden Menschen als Gast aufzunehmen, also zeitlich befristet. Oder modern gesprochen: ohne Integrationsperspektive. Mein Recht, jeden zu heiraten, den ich heiraten möchte, schließt nicht die Pflicht jedes Menschen ein, mich zu heiraten. Diese Asymmetrie gilt auch in der Staatenwelt: Ich habe ein Recht auf Auswanderung, ich habe aber kein Recht auf Einwanderung.

DIE WELT: Zementieren wir damit globale Ungleichheit?

Nida-Rümelin: Nein, die Steuerung der Wanderungsbewegungen ist entscheidend. Die planlose Migrationspolitik der Europäer führt dazu, dass Regionen in Ostafrika, aber auch in Europa, etwa in Montenegro, durch die Abwanderung vieler junger Menschen veröden.

Es kann nicht sein, dass wir hier durch schlechte Bezahlung oder vernachlässigte Ausbildung in vielen sozialen Berufen ein Nachwuchsproblem schaffen und dann in Osteuropa, Südamerika oder Afrika Krankenschwestern und Pflegekräfte abschöpfen, die allerdings in ihrer Heimat dringend benötigt werden. In dem diskutierten neuen Einwanderungsgesetz im Interesse der deutschen Wirtschaft sollte zugleich eine Kompensation der Herkunftsstaaten für die Ausbildungskosten festgelegt werden.

DIE WELT: Wie kompensieren wir einen armen Staat für einen nach Deutschland ausgewanderten Ingenieur?

Nida-Rümelin: Dazu hat die Politikwissenschaftlerin Gillian Brock schlaue Vorschläge erarbeitet: An einer Kompensation sollten sich alle beteiligen, die von dem Transfer profitieren. Zuerst profitiert natürlich die migrierende Person. Weil sich deren Realeinkommen meist vervielfacht, kann man guten Gewissens einen Teil dieser Verbesserung abschöpfen und in das Ausbildungssystem des Herkunftslandes zurückfließen lassen. Zweitens profitiert der neue Arbeitgeber. Er bekommt dadurch eine Arbeitskraft, die er sonst nicht oder zu höheren Kosten hätte. Und drittens profitiert der Staat, der damit ein Ausbildungs- und Demografie-Defizit behebt.

DIE WELT: Tragen wir durch Aufnahme aus den Armutsregionen aber nicht auch zur Milderung der Weltarmut bei?

Nida-Rümelin: Inzwischen ist durch viele Untersuchungen belegt, dass unter den Transkontinentalmigranten, also jenen, die aus armen in reiche Weltregionen auswandern, meist nicht die Ärmsten ihrer Staaten sind. Die zehntausend Dollar für die Reise nach Europa können die Ärmsten nicht aufbringen. Laut UN sind 720 Millionen Menschen weltweit chronisch unterernährt, zuletzt mit steigender Tendenz, 1,2 Milliarden Menschen leben von weniger als einem US-Dollar Kaufkraft, über zwei Milliarden von weniger als zwei US-Dollar Kaufkraft am Tag, diese kommen aber nicht nach Europa oder in die USA, sondern meist Menschen aus der unteren Mittelschicht. Die sympathische Idee, dass wir mit der Einwanderung die globale Armut bekämpfen, entspricht nicht der Realität.

DIE WELT: Aber die meisten über das Asylsystem einreisenden Migranten sind, verglichen mit uns Deutschen, arm dran – und können die Segnungen unseres Staates gut gebrauchen.

Nida-Rümelin: Da haben Sie völlig recht und verweisen auf ein echtes ethisches Dilemma, vor dem wir stehen. Das Prinzip der Gleichbehandlung verlangt von uns zum einen, dass wir unsere Anstrengungen auf jene richten, die unsere Hilfe am nötigsten haben. Das sind im Weltmaßstab die eine oder zwei Milliarden ärmsten Menschen, also diejenigen, die von ein oder zwei US-Dollar Kaufkraft leben. Angesichts begrenzter Ressourcen müssen wir vor allem diesen absolut Armen helfen und nicht jenen, die im Vergleich zu Mitteleuropäern arm sind.

Andererseits haben wir ein Gleichbehandlungsgebot gegenüber allen Menschen, die in unserem Land leben. Deswegen haben europäische Verfassungsgerichte entschieden, dass die Leistungen für Asylbewerber nicht unter den Sozialhilfeanspruch für Einheimische gesenkt werden dürfen, weil dies mit der Menschenwürde unvereinbar wäre.

Beide Gleichbehandlungsgebote sind völlig vernünftig, geraten aber in Konflikt miteinander. Weil wir die Leute, die hier herkommen, wesentlich besser behandeln als jene, die es am nötigsten hätten. Unsere Willkommenskultur ist großartig, sie nutzt aber nur jenen, die wir zu Gesicht bekommen, und nicht den in den Lagern gebliebenen Frauen, Alten und Kranken.

DIE WELT: Sollten wir nachhaltiger mit unseren Solidaritätsressourcen umgehen?

Nida-Rümelin: Eindeutig, ja, allerdings bin ich kein Konsequentialist, begründe also meine Position nicht utilitaristisch, sondern deontologisch, weswegen ich auf das ethische und rechtliche Verrechnungsverbot hinweise: Ich darf den Schwerkranken in der Klinik nicht sterben lassen, auch wenn sein Tod fünf Menschen, die auf Spenderorgane warten, das Leben retten würde. Trotzdem müssen wir eine verantwortliche Politik betreiben, wenn wir eine Verbesserung der Situation der Ärmsten dieser Welt herbeiführen wollen.

Es wäre einigermaßen bizarr, unsere Solidaritätsressourcen in erster Linie auf jene zu konzentrieren, die transnational migrieren. Weltweit leben 720 Millionen chronisch Unterernährte, die UN schätzten 2008, dass 30 Milliarden jährlich ausreichen, um den Hunger auf der Welt auszurotten. Wir bekommen keine genauen Angaben zu den tatsächlichen Aufnahme- und Integrationskosten.

Einen Hinweis gab aber die Europäische Kommission mit ihrem Vorschlag, dass die EU-Staaten, die nicht zur Aufnahme der beschlossenen Anzahl von Flüchtlingen bereit sind, sich an den Integrationskosten mit 250.000 Euro für jeden nicht aufgenommenen Flüchtling beteiligen. Dies liegt in der Höhe der Schätzungen ökonomischer Experten. Bei einer Million Zugewanderten sind das 250 Milliarden, mit 350 Milliarden könnte nach wissenschaftlichen Schätzungen sogar die extreme Armut – das bedeutet eine Kaufkraft von unter einem US-Dollar am Tag – weltweit abgeschafft werden.

DIE WELT: Warum stehen sich die Befürworter und Gegner starker Zuwanderung derart unversöhnlich gegenüber?

Nida-Rümelin: Weil Sie einander nicht zuhören, aber auch weil sie unterschiedliche Erfahrungen machen. Die obere Mittelschicht profitiert von starker Zuwanderung, sie nimmt gerne billige haushaltsnahe Dienstleistungen in Anspruch – jemanden, der kocht, bügelt oder den Garten in Ordnung hält. Die Menschen in den besseren Stadtvierteln erleben aber selten, was es bedeutet, wenn sich die Wohnbevölkerung in den weniger begünstigten Vierteln deutlich verändert. Manche sind so schizophren, dass sie ihre Kinder aus den öffentlichen Schulen nehmen, weil sie sagen, da spricht ja kaum noch jemand ordentlich Deutsch, gleichzeitig aber offene Grenzen befürworten.

Diejenigen, die von den sozialen, kulturellen und teilweise ökonomischen Folgen starker Zuwanderung am stärksten betroffen sind, gehören in der Regel den unteren Einkommensgruppen an, solche mit und ohne Migrationshintergrund. Das ist ein objektiver Konflikt von Interessenlagen, da sollte man nicht voreilig Rassismus vermuten, so wichtig die Kritik an Islamophobie und Ausländerhass ist.

© WeltN24 GmbH. Alle Rechte vorbehalten.


ich habe hier in diesem beitrag zum ersten mal intelligente argumente gelesen für eine begrenzte einwanderung und für nur bedingt "offene grenzen". ich hoffe, dass herr nida-rümelin öfter in talkshows und bei anhörungen durch die bundestagsparteien vertreten ist, um seine ansichten auch dezidiert vortragen zu können ...

Dienstag, 17. Oktober 2017

bildungstrends

Es ist etwas faul im Staate ...

Die am vergangenen Freitag veröffentlichte IQB-Bildungsstudie zeigt, wie stark sich das Niveau der Grundschüler deutschlandweit verschlechtert hat. Der Bonner Kinderpsychiater Michael Winterhoff gibt nicht nur den Lehrern die Schuld.


nach Getty Images/AGrigorjeva


Mit dem vom Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) veröffentlichten „Bildungstrend 2016“ wurden zum zweiten Mal nach 2011 die Fähigkeiten der Viertklässler im Lesen und Zuhören, in der Rechtschreibung und der Mathematik überprüft. Knapp 30.000 Schülerinnen und Schüler an 1.508 Grundschulen und Förderschulen in Deutschland haben im Mai und Juni 2016 an den halbtägigen Tests teilgenommen.

Deutschlands Viertklässler haben sich innerhalb der vergangenen fünf Jahre im Schnitt in Mathematik, beim Zuhören und in Rechtschreibung verschlechtert. Die Lesekompetenz ist dagegen im vergangenen Jahr auf ähnlichem Niveau geblieben wie 2011.

Die dramatische Verschlechterung der Grundschüler, vor allem in Mathe und Deutsch liegt Kinderpsychiater Michael Winterhoff zufolge vor allem an Helikoptereltern, einer fehlenden Frustrationstoleranz der Kinder und unserem Laissez-faire Bildungssystem. In einem Interview mit der "Welt" rechnet er mit Politik und Eltern ab.

Helikoptereltern

Kinder zur Eigenständigkeit erziehen und ihnen durch klare Ansagen dazu verhelfen, sich in der Gesellschaft zurechtfinden zu können - das schaffen laut Winterhoff nur die wenigsten Eltern. „Ich habe Mütter und Väter, die für ihr Kind fühlen, für ihr Kind denken, für ihr Kind gedanklich in die Schule gehen – die viel beschriebenen Helikoptereltern. Diese Eltern sind gar nicht in der Lage, ihr Kind anzuleiten. Kinder brauchen ein klares Gegenüber, um sich emotional und sozial entwickeln zu können“, sagt er.

Durch die fehlende Sozialkompetenz finden sich laut Winterhoff Kinder nur schwer im Klassenverband oder anderen Gruppen zurecht. Was früher selbstverständlich war, hat sich in den letzten Jahren zum Problem entwickelt. Dazu sagt Winterhoff: „1995 waren die Kinder mit drei kindergartenreif, mit sechs schulreif und mit 16 ausbildungsreif. Ich habe heute Kinder, die sind mit zehn derart auffällig, dass ich mir gar nicht vorstellen kann, dass die überhaupt in einer Gruppe klarkommen – in der Schule nicht und bei einem Arbeitgeber schon gar nicht.“

Laissez-faire Bildungssystem

Der Bonner Kinderpsychiater bemängelt nicht nur die fehlende Anleitung der Eltern, sondern auch den Laissez-faire Stil in Schulen und Kindergärten. „Für mich als Psychiater stellt es eine Katastrophe dar, dass wir unser Bildungswesen vor 15 Jahren umgestellt haben. Seitdem gilt in Kindergarten wie Schule: alles offen, alles frei. Das Kind soll alles von alleine machen, alles von alleine erkennen. Und dabei hat man gar nicht gesehen, dass sich so niemals die Psyche entwickeln kann. Kinder brauchen dringend einen Unterricht,der auf den Lehrer bezogen ist. Sie müssen lernen, dass es Personen gibt, die besser sind als sie. Sie müssen lernen, was Frust bedeutet“, sagt Winterhoff im Interview mit der "Welt".

Ändert sich in Zukunft nichts daran, sieht Winterhoff schwarz: „Immer mehr Heranwachsende sind nach Schulabschluss nicht im herkömmlichen Sinne arbeitsfähig. Es fehlt ihnen an Arbeitshaltung, Sinn für Pünktlichkeit, Akzeptanz von Strukturen und Abläufen. Wenn das so weitergeht, steuern wir auf einen riesigen Fachkräftemangel zu – und die Situation, dass wir in ein paar Jahren jede Menge Menschen haben, die dem Staat auf der Tasche liegen.“

Fehlende Frustrationstoleranz

Der Psychologe warnt nicht nur vor den Folgen fehlender Empathie. Ein großes Problem sieht er auch bei der Frustbewältigung von Kindern, „Wir haben heute massenhaft Heranwachsende, die keine Frustrationstoleranz haben, die eigene Bedürfnisse nicht hintenanstellen können, die nicht in der Lage sind, sich in andere Personen hineinzuversetzen. Der Staat muss dringend handeln, wenn wir nicht eine ganze Generation von Narzissten heranziehen wollen.“

Migration ist kein Grund für die allgemeine Verschlechterung

Kinder, die sich nicht in Gruppen integrieren können oder unter einer mangelnden Frustrationstoleranz leiden, kommen laut Winterhoff aus allen Bevölkerungsschichten. „Ich kann nur sagen, dass ich viele Patienten habe, die gar kein Migrationsproblem in der Schule haben. Wenn wir nur die Situation der Migrantenkinder abfedern müssten, wäre ich ja als Kinderpsychiater froh und würde gar nichts sagen. Aber wir haben heute das Problem, dass Kinder aus allen Schichten, auch aus der bürgerlichen Schicht, weit von einer Schulreife entfernt sind. Und damit ein Unterricht immer weniger möglich ist“, so Winterhoff.
Quelle: focus.de

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da wird ja so gern das fremdwort "inklusion" angeführt, wenn es darum geht, gleichaltrige schüler mit verschiedenen entwicklungsvoraussetzungen in einem klassenverband gemeinsam in einer institution zu fördern und zu bilden. und man dachte immer an behinderte kinder oder kinder mit migrationshintergrund, die hierzu besonders integrationsbedürftig seien.

nun berichtet aber ein kinderpsychiater von seinen schlimmen erfahrungen an der edukationsfront - und er fällt ein vernichtendes urteil, das einem aufmerksamen beobachter der situation im alltäglichen rundherum nicht übertrieben erscheint.

während alle parteien vom "flüchtlingsproblem" schwadronieren - und der ganze wahlkampf fast nur damit bestritten wird, wird das erziehungsproblem unserer kinder und jugendlichen einfach verdrängt und ausgeblendet - es wird als "ländersache" bezeichnet und dadurch marginalisiert, da dort ja jedes bundesland für sich allein "kämpft" und das problem in 16 tortenstücke zerschnitten ist - und haushalts"experten" und laienhaft zuständige staatssekretäre und zusammengewürfelte arbeitsgruppen daran - unabhängig voneinander - mit erlassen und "versuchen" herumdoktern - jedes land nach seiner fasson - und natürlich auch, um dem eigenen berufsstand "kollegial" so wenig aufzubürden wie möglich - und knete einzusparen, wo es eben geht ...

die eigentliche "inklusion" ist also das gebot der stunde und dieser begriff ist deutlich aufzublähen - auch im alltäglichen bewusstsein der öffentlichkeit und der politik, besonders auch in den dafür bereitgestellten bildungs-budgets: für alle schichten und schülergruppen und orientierungen und den jeweiligen persönlichen möglichkeiten - denn die durchschittlich begabten und integeren kinder sind nur noch die immer weiter abschmelzende spitze eines aus den tiefen wassern ragenden eisbergs - von dem 7/8el unterdurschschnittlich unter der oberfläche dahindümpelt ...-S!


eisberg mit hervorragender spitze ... - nach gallery-world-wallpaper

Kloppen Sie das einfach in die Tonne ...

Ex-EKD-Ratsvorsitzender Schneider erhielt böse Post


Der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, der 2014 wegen der Krebserkrankung seiner Frau sein Amt aufgab, wurde damals persönlich angegriffen.

Die Schneider's litten unter den schriftlichen Anfeindungen: "Der Arzt sagte: Kloppen Sie das einfach in die Tonne."


"Mir hat ein Mann geschrieben, der sich für sehr fromm hält: Ich solle doch endlich mal darüber nachdenken, was Gott mir sagen will und womit Gott in meinem Leben nicht einverstanden ist", sagte Schneider der "Zeit"-Beilage "Christ und Welt": "Weil ja schon meine Tochter Meike 2003 an Krebs gestorben sei und nun auch meine Frau vom Tod bedroht sei - und ich offensichtlich mein Amt so schrottig ausgeführt habe."

Er habe auf diesen Brief nicht geantwortet, fügte Schneider hinzu. Auch Anne Schneider berichtete von unangenehmer Post: Manche "schrieben, ich hätte wohl den falschen Mann oder den falschen Lebensstil". Man habe ihr empfohlen, keine Chemotherapie zu machen und Beeren zu essen. Irgendwann habe sie aufgehört, darauf zu antworten: "Mein Arzt sagte: Kloppen Sie das einfach in die Tonne."

Schneider verteidigte seine Entscheidung, sein Amt aufzugeben. Er habe das nicht bereut. "Als die Behandlung bei Anne so gut angeschlagen hat, war all die Zeit, die ich bereitgestellt hatte, zwar gar nicht nötig, aber das konnten wir nicht wissen." Nikolaus Schneider (70) war Pfarrer, Präses der Rheinischen Landeskirche und Ratsvorsitzender der EKD. Anne Schneider (68) war Lehrerin für Religion und Mathematik. Ihre jüngste Tochter Meike starb 2005 mit 22 Jahren an Leukämie. Quelle: evangelisch.de

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durch twitter, facebook & co. werden die guten kommunikationssitten im miteinander verdorben - und das macht auch nicht vor "christen" halt:

da tritt ein nichtfundamentalistischer sondern eher sozialliberal orientierter präses und ekd-ratsvorsitzender von seinen ämtern zurück, um seiner krebskranken frau beizustehen - und wird dafür böse beschimpft - von "viel frommeren" glaubens"geschwistern".

was sind das nur für typen, die sich damit produzieren wollen? 

überhaupt - nach dem aufkommen der rechtslastigen afd- und pegida-bewegungen glauben auch manche ultrakonservative sekten und pietistisch orientierte menschen, die "wahrheit gottes" mal wieder für sich gepachtet zu haben - ohne sich historisch daran zu erinnern, dass es schon einmal eine gleichgeschaltete kirche der "glaubensbewegung deutscher christen“ (dc)" (link) gab: sie glaubten, gott habe adolf hitler zum "erlöser" deutschlands erkoren - sie schwenkten auch haken - k r e u z - fahnen und hoben den rechten arm zum "deutschen gruß": heil ...

hinterher musste die "bekennende kirche" im "stuttgarter schuldbekenntnis" (link) dann stellvertretend abbitte leisten für solcherart verirrungen ...

die afd hatte bei der bundestagswahl einen hohen stimmenanteil von russland-deutschen menschen bekommen, die sich schon in der sowjetunion als deutsche volksgruppe unterdrückt fühlten - und fast ausschließlich den rechten flügeln mennonitisch-pietistisch-konservativer freikirchlicher gemeinden angehörten und angehören - und innerhalb der älteren generation gewissermaßen zumindest "teil-verhüllt" das straßenbild bereichern ... - S!

ja - hier im innern des landes leben sie noch (wieder) ...



... und click here

... ein wörtlein kann sie fällen ...

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wenn man sich parlamentarisch mit der afd auseinander-setzt - dann nur so, wie es der fdp-fraktionschef im baden-württembergischen landtag gemacht hat: mit einem glänzenden stellungsspiel und raschem gegenpressing muss man diese banausen sofort in die schranken weisen ...

ansonsten dürfen wir die afd in den medien und blogs auch nicht zu "groß" schreiben und jeden furz dokumentieren - hier im blog möchte ich zukünftig die buchstaben dieser rechten vereinigung nur erwähnen, wenn es unbedingt nötig ist ...

denn luther hat schon vor 500 jahren gedichtet: 

... und wenn die welt voll teufel wär
und wollt uns gar verschlingen,
so fürchten wir uns nicht so sehr,
es soll uns doch gelingen.
der fürst dieser welt*) 
wie sau’r er sich stellt,
tut er uns doch nicht;
das macht, er ist gericht’:
ein wörtlein kann ihn fällen ...

*) zu luthers zeiten war damit der "teufel" gemeint ... -  

und der fdp-fraktionschef hans-ulrich rülke hat vorgemacht, wie "ein wörtlein 'ihn' fällen kann" ...-S!

URKNALL - WELLEN - WURMLÖCHER

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mich wundert gar nichts mehr: paralleluniversen gibt es doch sogar hier auf erden allerorten: während ich hier sitze und schreibe rauscht es in 2 kilometern entfernung auf der autobahn a2 vorbei: meine welt hier - und dort das einfach in allen belangen andere: ruhig sitzen am schreibtisch hier - 120 km/h geschwindigkeit am bielefelder berg (vorsicht: radarfalle!) dort hinten - das atmen und knacken des waldes bei nacht aus dem teuto herüber - und eben im pc bilder vom 300-opfer-massaker in mogadischu ...

mogadischu

alles zu (s)einer zeit ... - parallel - dort trump als gestaltgewordener hofnarr - und hier das herumgeeiere und die geziertheit der f.d.p., in niedersachsen eine "ampelkoalition" zu bilden ("das geht nicht mit den grünen ...") - andererseits und parallel dazu aber durchaus mit einem "jamaika-bündnis" kokettieren - im bund und auch in niedersachsen (das geht dann mit den grünen - wegen dem "grundlegenden neuanfang"; so sagt's der liberale ...): mauschelei und kungelei - ganz parallel nebeneinander her im hier und jetzt ... - S!

Sonntag, 15. Oktober 2017

light|artifcts | S!NED!|photography



wie amöben, zellentierchen, wie schnappschüsse aus den weltall-galaxien, wie porträts aus dem mikrobiom als teil der milliardenfachen mikroorganismen unserer darmflora oder wie mini-planktonteilchen aus dem unterwasser-labor, bildmaterialien von mikroskopisch vergrößerten präparaten und objekten ... den eigentlichen basalen "bausteinen" der natur und schöpfung kommen diese raschen - kaum mit photoshop bearbeiteten - licht-bildwerke recht nahe - ausgestattet mit einem reichen farb-lichtspiel ...

ich kann mich nicht recht entscheiden, ob ich damit einen weg "back to the roots" in meiner photographischen lebens-odyssee eingehe - oder ob es eine entwicklung nach vorn ist: suche ich nach dem gestern - oder bewege ich mich damit richtung morgen ??? - oder schließt sich da ein kreis ...:

es entstehen photobildarbeiten aus dem reich der abstraktion. sie versetzen feste kategorien in bewegung und lösen werk- und wirkstoffe auf. formassoziationen, licht- und farbräume von unauslotbarer dimensionierung tun sich auf, symmetrien, brüche und permutationen. aus dem kreativen spiel mit wirklichkeitsausschnitten und lichtreflexen entstehen gebilde, die sich der verdinglichung einer eilfertigen wiedererkennung und der voyeuristischen alltäglichen auch populistischen augenlust entziehen ...

auf alle fälle sind die bildwerke schnappschüsse eines hier & jetzt: wegstationen aus der vergangenheit - in die zukunft - immer wieder neu ...  - S!

click here - & here

wie oft hat man sie schon totgesagt - doch ...


unbedingt hier clicken
wie oft hat man sie schon totgesagt - doch ... 
hier im innern des landes leben sie noch ...



seisdrumS!NED!

S!NED!|art: seisdrum

Samstag, 14. Oktober 2017

light painting - in memoriam klaus von gaffron (02.03.1946 - 27.09.2017) - "dring"

dring von S!NED!|art - in memoriam lichtkünstler klaus von gaffron

nach 2,5 wochen urlaub habe ich phantastische lichtfarben auf ungegenständlichen photos mitgebracht - und zwar angeregt durch das "alpha"-kunstraum-video - siehe unten -  das zum tod des photokünstlers klaus von gaffron am 27.09.2017 nun wiederholt wurde ...

Mittwoch, 27. September 2017

click here: http://erna-kronshage-in-memoriam.blogspot.de/ - und anschließend speichern ...

erna kronshage | S!NED!|art

click here
die umfassenden link-schlüssel zu den doku- und gedenk-seiten zum 484-tage-"euthanasie"-leidensweg meiner tante erna kronshage - 



mit den vielen aktuellen themen-news am fuß der seite: ein multimedia-lernlabor 
... und jetzt wichtiger  - denn je:

"Alt"-68-er

Dienstag, 26. September 2017

wahlnachlese: sonntags in der kleinen stadt




wer kennt das noch? als man in der volksfürsorge seine versicherungen und die bausparkasse einzahlte, im konsum einkaufte, in der partei(spd im pütt - oder im osten sed) und in der gewerkschaft war - sonntags, im westen nach der kirche, immer den gleichen fußballverein besuchte: das war ein wohlfühl-paket, das mit ausdrücklicher "politik" fast gar nicht so viel zu tun hatte - das war eher "nachbarschaft" - "gemeinschaft": da kam der jeweilige "kassierer" vorbei für ein pläuschchen bei ner tasse kaffee oder nem schnäpsken - da wurde getratscht - da wurde zum 50. eingeladen im dorfkrug "auf'm" saal - und zum 75. - und dann zum "fell versaufen" nach der beerdigung von der oma nebenan... - und die in bonn oder berlin, die machen das schon - was juckt uns die politik ...

das machte dann nachbarschaft aus - zusammenhalt - solidarität: da wurde um lehrstellen gekungelt für "die große" oder für "den jungen" ("er kann schon gut mit anpacken" ...)... ja das war auch "heimat": ein bisschen so, wie es franz-josef degenhardt in seinem song: "sonntags in der kleinen stadt" erzählt.


als alter 68-er habe ich darüber natürlich die nase gerümpft: unter den talaren, der muff von tausend jahren ...

aber damit wurde allmählich auch dieses anheimelnde ausgeblendet, weil wir es als "scheißkonservativ" abtaten - es verschwand allmählich auch aus dem eigenen dasein und dem alltag - auch durch die medien und dem auto und dem urlaub mit dem flieger - und wurde erfolgreich verdrängt und ausgeblendet ...

in der ddr blieb das alles erhalten bis zur wende - wenigstens äußerlich und parteiverordnet - aber eben ohne die medien-auswahl des westens, eben zumeist ohne auto und ohne urlaub mit dem flieger -  - hier in westdeutschland ging dieses heimelnde allmählich aber dann rigoros in den 70-ern unter ...

aber das sind immer noch von vielen die sehnsüchte, die fehlende nestwärme - der fehlende stallgeruch - und solches suchen dann 6 millionen menschen jetzt bei der afd oder bei pegida - als letzten strohhalm für diese alte unglobalisierte überschaubare kleinwelt, an dem man sich verzweifelt festzuklammern sucht: das wird man ja wohl noch sagen dürfen im zeitalter der "political correctness" - und weil man die zeitgemäßen diskurse in den medien gar nicht versteht und übersetzen kann - brüllt man eben vor verzweiflung: "lügenpresse": was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß ... - 

kohl und die treuhandstelle mit rohwedder und breuel hatten ja die für die ddr-bürger identitätsstiftende industrie in der damaligen ddr direkt mit der wende "erfolgreich" und quasi spurlos "abgewickelt" ... - und aus diesen beschäftigungspolitischen gründen vor allen dingen hat man "drüben" ja immer noch nicht die knete für das auto und für den flieger - und fühlt sich vom "westen" über den tisch gezogen...

und die junge generation versucht nun dieses identitätsstiftende heimat-gefühl in ihren smartphones oder in den twitters und facebooks zu finden und zu erhalten: auch wieder alles aus einer hand: nur volksfürsorge und konsum und partei tragen längst andere namen ...

aber dieses gefühlspaket ist zu einer elektronisch-globalen wohlfühl-massenware verkommen, zu einem "posten", der ge- und er-kauft werden muss ... - und der vielleicht irgendwie auch steuerlich "absetzbar" ist ...

und - unsere postdemokratische, neoliberal-individualistische wirtschaftsideologie hat sich nun dieses untergegangenen heimatgefühls bemächtigt - und liefert das entsprechende partei-know-how in form der afd nun gleich mit.
die afd ist von ökonomen und wirtschaftsprofessoren auf dem reißbrett "erdacht" worden - eben um dieses beschriebene sehnsuchts-paket als "marke" zur bedienung der wertkonservativen und marktliberalen identitätssehnsüchte auf den politischen "markt" zu puschen - vordergründig als partei der uro-skeptiker, da eben mit einführung einer einheitlichen uro-währung für ganz uropa ein ganz gehöriges identifikations- - und für die ddr-bürger - ein jahrzehntaltes sehnsuchts-merkmal wie die d-mark klammheimlich verloren ging: der mitbegründer und erste parteivorsitzende bernd lucke war ja ein deutscher ökonom und politiker und beurlaubter professor für makroökonomie an der universität hamburg. - 

nach luckes abwahl kam es dann zu einer austrittswelle aus der afd  - nämlich dieses sogenannten "wirtschaftsliberalen" flügels der ersten stunde: und bis zum 10. juli 2015 traten über 2.000 mitglieder aus der afd aus, darunter auch das ehemalige bundesvorstandsmitglied hans-olaf henkel,  u.a. manager bei ibm, präsident des bundesverbandes der deutschen industrie (bdi). 

der derzeitige parteisprecher und spitzenkandidat alexander gauland war während seiner cdu-zugehörigkeit beispielsweise vordenker des "berliner kreises", einem hochkarätigen erzkonservativen "think-tank", dem auch der andauernd präsente wolfgang bosbach und die später aus der cdu ausgetretene erika steinbach angehörten - in dem auspalovert wird, wie eben diese "wertkonservativen und marktliberalen wurzeln" als merkmal im politischen alltag erkennbar bleiben können und in konkrete politik marktkonform umgesetzt werden ... - sie sind eigentlich ein direkter gegenpart zu angela merkel und volker kauder, aber durch hans-peter uhl auch gut vernetzt mit der csu. 

fast wäre die afd dann nach der austrittswelle der wirtschafts-liberalen wieder in die versenkung verschwunden - doch der flüchtlingsstrom 2015 machte sie rasch zum sammelbecken aller ultra-konservativen heimat- und deutschtümeleien, weit über den ökonomischen aspekt hinaus - und zu einer protestpartei gegen den "zeitgeist" und gegen die "überfremdung" ...

und dieses fluidum "heimat", "identität", "nachbarschaft", "wertkonservativität" wurde dieser partei geschickt eingeimpft - und somit bietet sie allen von der globalen entwicklung überrannten menschen unterschlupf für ihre überzeugungen und nischendenke: und 6 millionen menschen lassen sich auf diesen alten muff scheinbar gerne ein - bzw. benutzen das label "afd", um ihrer gefühlten unzufriedenheit ausdruck zu verleihen - oder auch nach hooligan-art einfach mal rumzustänkern ...

es ist also weniger das ökonomische abgehängtsein, wo man ja den typischen afd-wähler mehrheitlich einordnet - als meines erachtens ein "kulturelles" abgehängtsein - eben der verlust des "heimat"-gefühls im weitesten sinne - aber auch ein wenig das nicht-erwachsen-werden-wollen - diese geborgene "hotel-mami"-mentalität, wo man immer noch wie gehabt die beine unter den tisch stellen kann und die die wäsche wäscht ...

die aufgabe der rot-roten-oppositionskräfte im neuen deutschen bundestag wird es nun sein - sich genau mit dieser "allgemeinen versorgungssehnsucht" im menschen auseinanderzusetzen und entsprechende unkonventionelle und "geborgenheit" ausstrahlende nichtkommerzielle maßgaben zu entwickeln ... - die grünen haben ja ihre umweltpolitik nun auch mit vermarktet oder marginalisiert und gut lagerbar abstrahiert ...

also - viel glück ... - S!

Segen für renoviertes Feuerwehrhaus in Gaisheim. Symbol für Zusammenhalt - onetz

Montag, 25. September 2017

und ab jetzt: heulen und zähneklappern - lachen unerwünscht ...

aus besonderem anlass - zur erinnerung ... (wahlplakat der spd von 1932)





Zur Erzählung dieses Abends 
gehörte die Rede von der Etablierung 
eines "neuen", wahrscheinlich vulgäreren Tones 
im Bundestag. 

Wie er denn konstruktiv Politik zu machen gedenke, künftig, will Anne Will beharrlich von Alexander Gauland wissen. 

"Das ist im Moment nicht unsere Aufgabe", erklärt der freimütig und dann, als im Publikum über so viel Freimütigkeit gelacht wird: 

"Das Gelächter können Sie lassen!"

Quelle: click here